Club der roten Bänder © Vox/Martin Rottenkolber
"Club der roten Bänder" ist zurück

Vom Underdog zum Überflieger: Tut das der Serie gut?

 

Die beste deutsche Serie ist zurück: Vor einem Jahr war "Club der roten Bänder", die erste Vox-Serie aus dem Hause Bantry Bay, noch ein Überraschungserfolg. Diesmal ist der Druck ungleich größer. Können die ersten Folgen den hohen Erwartungen stand halten?

von Thomas Lückerath
07.11.2016 - 10:30 Uhr

Sie haben die Quadratur des Kreises geschafft. Weiterhin inspiriert von der Lebensgeschichte Albert Espinosas erzählen die beiden Autoren des "Club der roten Bänder", Arne Nolting und Jan Martin Scharf, in der zweiten Staffel eine kluge Weiterentwicklung der im vergangenen Herbst gefeierten Geschichte rund um eine Gruppe Jugendlicher im Krankenhaus. Dabei waren die Herausforderungen enorm.

Nichts ist schwieriger als eine zweite Staffel. Diese Aussage unterschreibt jeder Produzent und Autor einer Serie. Wir haben sie schon in so vielen Interviews gehört. Auch Musiker kennen das Phänomen beim zweiten Album. Es gilt hier wie dort den Spagat zwischen Bekanntem und Fortschritt zu meistern. Dazu kommt nach einem Erfolg der Erwartungsdruck der Fans - ein schönes, aber schwerwiegendes Luxus-Problem.

Vor einem Jahr startete "Club der roten Bänder" bei Vox im Windschatten der internationalen Aufmerksamkeit für das von UFA Fiction produzierte "Deutschland 83" sozusagen als Underdog. Was heute als sicherer Erfolg für Vox betrachtet wird, war ein Risiko. Beim Sender hoffte man, dass die erste eigene Serie doch wenigstens auf Senderdurchschnitt laufen werde. In Buzzfeed-Deutsch könnte man sagen: Was dann geschah, verblüffte alle.

Mit dem Start der zweiten Staffel lasten nun also weitaus mehr Erwartungen auf der Serie, die wahrlich kein Underdog mehr ist. Es gibt kaum eine Auszeichnung, die das junge Ensemble und ihre Produzenten nicht eingeheimst haben in den vergangenen zwölf Monaten. Es werde schwer, räumte selbst Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart im Sommer ein, dieses Momentum der ersten Staffel zu toppen.

Zu den grundsätzlichen Herausforderungen einer erfolgreichen ersten Staffel kommen die ganz spezifischen Hürden des "Club der roten Bänder": Durch ein eigenes Tempo und die Handschrift von Nolting und Scharf hat sich die deutsche Serie schon in Staffel 1 entfernt von den Vorlagen aus Spanien oder etwa Italien. Das ist Segen, aber (in stillen Stunden) sicher auch Fluch.

Wie erzählt man bloß die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher in einem Krankenhaus weiter, wenn einer von ihnen verstorben ist und mancher bald entlassen werden könnte? Glücklicherweise ist die Antwort darauf komplex. Weder fühlt sich "Club der roten Bänder" in Staffel 2 an wie eine dem Erfolg geschuldete, gedehnte erste Staffel, noch verlässt die Serie - soweit absehbar - das etablierte Umfeld.



Natürlich schwingt bei der zweiten Staffel von "Club der roten Bänder" stets die natürliche Sorge mit, dass der lieb gewonnene Club nicht von Dauer sein kann. Aber den Weg dahin erzählt die Serie erneut so herzerwärmend emotional, dass man sich ob des ungewissen Ausgangs an den kleinen Dingen des Lebens erfreut; ganz so wie Patienten in einem Krankenhaus. Hugos Aufwachen aus dem Koma ist so etwas - und nebenbei eine Bereicherung für den Cast, weil der gute Geist nun auch richtig mitspielt.

Und wir lernen schon in den ersten Folgen weitere Personen im Krankenhaus besser kennen, die uns einst in Staffel 1 nur einmal kurz begegneten. Hier zeigt sich, wie sorgfältig Nolting und Scharf im vergangenen Jahr die Grundlage geschaffen haben für eine Erzählung, die nun in der neuen Staffel noch einmal deutlich breiter wird.

Tim Oliver Schultz, Damian Hardung, Nick Julius Schuck, Luise Befort, Ivo Kortlang und auch Timur Bartels - der den verstorbenen Alex spielt - fühlen sich mit der Bestätigung ihrer Arbeit im Rücken spürbar noch wohler in ihren Rollen. Dass Bartels wieder mit dabei ist, ist auch so ein Kniff. Ohne zu viel zu verraten: Nach Hugos Erzähler-Rolle besitzt die Serie nun ein weiteres, ganz spezielles Element.

Wie glaubhaft "Club der roten Bänder" in Geschichte und Darstellung ist, lässt sich in einem kurzen, aber wunderbaren Satz veranschaulichen. Auf dem Dach des Krankenhauses unterhält sich Leo zu Beginn der zweiten Folge der neuen Staffel mit Emma und erzählt von seiner "Begegnung" mit dem verstorbenen Alex. Und dann fällt dieser eine absurde Satz, der im "Club" allerdings für jeden nachvollziehbar ist: "Der Tod scheint ihm irgendwie ganz gut zu tun."

Die Fans können sich freuen. Die zweite Staffel von "Club der roten Bänder" startet auf enorm hohem Niveau. Sie hält dem Erwartungsdruck stand, entfaltet sich ganz ohne Vorlage und schafft den schwierigen Spagat zwischen Bekanntem und Fortschritt. Halten die weiteren Folgen, was der starke Anfang verspricht, dann haben Vox, Bantry Bay und die Crew hinter dieser Produktion es geschafft - und sich selbst übertroffen.

Die zweite Staffel von "Club der roten Bänder" startet am Abend um 20.15 Uhr bei Vox.

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