Die Simpsons © 2015 Fox and its related entities
Der Vorabend im Fokus

Das "Simpsons"-Problem: ProSieben in der Sackgasse?

 

Durch eine Konzeptänderung hat kabel eins "Mein Lokal, Dein Lokal" am Vorabend zu einem zweiten Frühling verholfen. ProSieben müsste neidisch sein: Dort mutierten die "Simpsons" zu Problemkindern - und inhaltliches Nachjustieren ist bei Lizenzware bekanntlich keine Option.

von Uwe Mantel
17.04.2018 - 10:34 Uhr

Der Vorabend von ProSieben läuft in der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr seit vielen vielen Jahren quasi auf Autopilot. "Die Simpsons" sind dort zu einer so festen wie bequemen Institution geworden, die dem Sender lange Jahre auch verlässlich gute Quoten bescherte, ohne dass man in Unterföhring viele Gedanken an die Gestaltung des Sendeplatzes verschwenden musste. Doch diese Zeiten sind vorbei. Einen leichten, aber stetigen Abwärtstrend gab's schon seit längerem, im vergangenen Jahr ging's dann aber erstmals deutlich unter die 10-Prozent-Marke nach unten, in diesem Jahr stehen im Schnitt nur noch 8,6 Prozent zu Buche - das ist ein Minus von zweieinhalb Prozentpunkten im Vergleich zu 2016.

Dass sich bei ProSieben am Vorabend etwas ändern müsste, liegt also auf der Hand. Die Herausforderung dabei: Eine behutsame Weiterentwicklung des Formats, mit der man versuchen könnte, neue Zuschauer zu gewinnen, ohne alte zu verschrecken, ist bei einer Lizenzserie natürlich nicht denkbar. Nun liegt bei ProSieben bei Quotenproblemen generell die Standard-Lösung nahe: Dann eben "Big Bang Theory". Allerdings hat ProSieben genau das mit Blick auf die größer werdenden Probleme im vergangenen Jahr auch schon probiert. Damals reduzierte man die "Simpsons"-Dosis auf eine Folge und zeigte um 18:40 Uhr stattdessen Sheldon & Co. - allerdings sogar mit noch weniger Erfolg, sodass man die Änderung nach weniger als vier Monaten wieder rückgängig machte.

Also hangelt man sich weiterhin mit den "Simpsons" durch und hat als Sofortmaßnahme erstmal die Dosis am Wochenende reduziert, wo man samstags nun "Big Bang Theory" und sonntags "Galileo"-Ableger zeigt - auch das jedoch mit sehr überschaubaren Quoten. Die Schwäche der "Simpsons" ist auch deshalb bitter, weil sie das nachfolgende "Galileo" gleich mit in Schwierigkeiten bringt. Dort hatte ProSieben schon einmal vorexerziert, wie man mit Arbeiten am Format das Ruder nochmal herumreißen kann: 2016 war für das Magazin am Vorabend mit im Schnitt fast elf Prozent Marktanteil deutlich erfolgreicher als in den beiden Vorjahren. Doch seither ging es bergab - in diesem Jahr liegt "Galileo" bislang bei im Schnitt 9,2 Prozent. Der schwache Vorlauf hat daran sicherlich seinen Anteil.

Simpsons-Marktanteile im Verlauf der letzten Jahre

Simpsons-Marktanteile Jahresschnitt

Durchschnittlicher Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen der "Simpsons"-Folgen bei ProSieben am Vorabend in Prozent; Quelle: DWDL-Recherche.

kabel eins gelingt bei schon abgeschriebenem Format der Turnaround

Wie gut es gelingen kann, ein eigentlich schon abgeschriebenes Format wieder auf Kurs zu bringen, kann man sich dafür derzeit bei kabel eins ansehen: Dort war "Mein Lokal, Dein Lokal" im vergangenen Jahr so deutlich unter den Senderschnitt gefallen, dass kabel eins sich am liebsten davon getrennt hätte, alternative Formate wurden längst auf dem Sendeplatz getestet. Doch die Produktionsfirma Good Times hat am Format gearbeitet: Seit Mitte Februar laufen dort nun die Spezialfolgen "Der Profi kommt", in denen sich die Restaurant-Chefs nicht nur gegenseitig besuchen und bewerten, sondern auch noch Profi-Koch Mike Süsser dabei ist und Restaurants und Geschehen kommentiert. Das zeigte Wirkung.

Im April liegt der Monatsschnitt bislang bei 6,1 Prozent, das war der beste Wert seit Mitte 2016. In der Spitze ging es schon auf über 8 Prozent nach oben und kürzlich konnte man eine der erfolgreichsten Wochen in der Geschichte des Formats bejubeln. Für einen Sender, der im Schnitt zuletzt unter der 5-Prozent-Marke festhing, ist das ein veritabler Erfolg. Die Sorgen los ist kabel eins am Vorabend damit aber noch nicht ganz: Zwar hat auch "Achtung Kontrolle!" danach wieder zugelegt - was sich neben dem stärkeren Vorlauf wohl auch damit erklären lässt, dass man weniger Wiederholungen zeigt als in den Jahren zuvor, die Marktanteile liegen nun meist wieder über der 4-Prozent-Marke. Doch nach vorn bringen kann kabel eins das nicht. Demnächst versucht man daher, mit "Schrauben, sägen, siegen" auf dem Sendeplatz auch mal wieder etwas Neues. Das Format testete man schon im vergangenen Jahr - damals noch um 18 Uhr - mit überschaubaren Quoten, erhofft sich aber vom Basteln am Konzept nochmal neuen Schwung.

Vox-Dating noch ohne Effekt

Eher latente Vorabendprobleme hatte man in den letzten Jahren auch bei Vox. Zwar lief es nicht richtig schlecht, doch der Dauerbrenner "Das Perfekte Dinner" hatte vom einstigen Glanz viel eingebüßt und war unter den Senderschnitt gerutscht und auch um 18 Uhr lief es mit den Tierarzt-Geschichten allenfalls solide - und längst nicht so glänzend wie am Nachmittag. Dort erhoffte man sich eine Belebung nicht durch Nachjustieren, sondern durch ein neues Format: "First Dates - Ein Tisch für 2" ist dort nun seit rund sechs Wochen zu sehen. Viel gebracht hat es nicht: Im Schnitt 6,9 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen stehen bislang zu Buche - nur minimal mehr als zuvor mit "Hautnah: Die Tierklinik" erzielt wurde. Die Quoten bleiben dabei über die vergangenen Wochen recht stabil ohne Auf- oder Abwärtstrend. Unter Zeitdruck stehen die Macher aber nicht: Vox glaubt an "First Dates" und ließ anders als üblich nicht nur wenige Test-Folgen produzieren.

Freuen kann man sich bei Vox unterdessen, dass man erfolgreich am "Perfekten Dinner" gearbeitet hat: In diesem Jahr wurden bislang im Schnitt 7,2 Prozent Marktanteil eingefahren. Das ist fast ein Prozentpunkt mehr als noch im Jahresschnitt 2016. Dort hat man übrigens einen Teil der Überarbeitung aus dem vergangenen Jahr wieder rückgängig gemacht: Die Optik des Vorspanns ist zwar weiterhin neu, akustisch ist man hingegen zum klassischen "Dinner"-Opener zurückgegangen. Manchmal kann also offenbar auch ein Schritt zurück ein Schritt nach vorn sein.

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Über den Autor

Uwe Mantel ist stellvertretender Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Schaut seit den 80ern Fernsehen und schreibt seit 2004 auch darüber. Kann sich sowohl in gute Serien als auch trockene Zahlen vertiefen. Und seine fränkische Herkunft nicht verleugnen.

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