Patrik Kühnen © Sky
Sky hofft auf den heiligen Rasen

Schluss mit Fußball-Kater: Wimbledon als WM-Ersatz?

 

Dass die Nationalelf bei der WM ausgeschieden ist, lenkt die Aufmerksamkeit in diesen Tagen vielleicht etwas stärker auf Wimbledon. Nun müssen Leistungen folgen. DWDL.de hat mit dem Sky-Experten Patrik Kühnen über die Faszination des Turniers gesprochen.

von Alexander Krei
02.07.2018 - 16:23 Uhr

"Der Mythos ist schwer zu beschreiben", sagt Patrik Kühnen. "Es gibt viele tolle Turniere, aber Wimbledon ist Kult." Seit dieser Woche ist der ehemalige Tennisprofi wieder im Südwesten Londons am Start. Natürlich nicht als Spieler, sondern als Fernsehexperte. Für Sky wird er ab sofort zwei Wochen lang das Geschehen auf und manchmal auch neben dem Platz beobachten. "Unsere Aufgabe als Experten ist es, diese traditionsreiche Atmosphäre nach Hause zu bringen." Wenn Kühnen über Wimbleon spricht, dann erzählt er von gedeckten Farben, dem englischen Understatement und einer erhabenen Stimmung.

Hier, auf dem heiligen Rasen, den Boris Becker gerne als sein "Wohnzimmer" bezeichnet, hat Kühnen mit dem Erreichen des Viertelfinals seinen größten Einzelerfolg gefeiert. Dreißig Jahre ist das inzwischen her, doch auch abseits davon verbindet der gebürtige Saarländer noch viel mit dem Turnier im Südwesten Londons. In Wimbledon hatte er einst seine "Feuertaufe", wie er sagt – und zwar vor der Kamera. 1998 sendete der Premiere-Vorgänger erstmals mit verschiedenen Feeds, zu denen auch ein sogenannter Intro-Kanal gehörte. "Auf dem haben wir damals über 14 Tage hinweg fast durchgängig moderiert."

Heute lacht Patrik Kühnen über den Moderations-Marathon von einst. "Nach dem Turnier bin ich quasi direkt in die Videothek gefahren, habe mir mehrere Filme ausgeliehen und ein paar Tage lang erst mal nur das Nötigste gesprochen." Dass er überhaupt als Tennis-Experte im Fernsehen tätig ist, hat er einem Abendessen zu verdanken. Gerade hatte er er als Nachwuchscoach beim Deutschen Tennisbund begonnen, da sprach Kühnen mit zwei Kollegen vom DSF über ehemalige Tennis-Profis, die in Amerika als Experten fungierten. "Ich sagte zu ihnen, dass ich das gerne ausprobieren würde, sofern sich die Gelegenheit bietet."

Gesagt, getan. Tatsächlich kam er schließlich zum ersten Einsatz bei den BMW Open in München – "ein echter Sprung ins kalte Wasser", wie der 52-Jährige im Gespräch mit DWDL.de sagt. "Das war spannend, faszinierend und neu." An dieser Faszination hat sich bis heute nichts geändert, an seinem Umgang mit den Kameras dagegen schon. Dafür sorgte auch "Sportschau"-Legende Ernst Huberty, dem bei einer Schulung sofort Kühnens verbissener Gesichtsausdruck aufgefallen sei. "Da sagte er zu mir: 'Sie müssen sich vorstellen, dass Sie zu den Menschen moderieren, dass Sie die Menschen zu sich in Ihr Wohnzimmer einladen.'"

"Die Zusammenarbeit zwischen Spielern und Medien hat sich spürbar zum Positiven verändert."
Patrik Kühnen

Hubertys Worte haben ganz offensichtlich gewirkt. "Er hat mir direkt gezeigt, wo meine Schwächen liegen, und mir dadurch komplett die Augen geöffnet." Gewandelt haben sich in all den Jahren aber auch die Profis, die Kühnen während des Turniers wieder regelmäßig im mittlerweile auf die Anlage verlegten Sky-Studio besuchen kommen. "Die Zusammenarbeit zwischen Spielern und den Medien hat sich spürbar zum Positiven verändert", sagt Kühnen und spricht von gegenseitigem Vertrauen, das neben konstruktiver Kritik wichtig sei. "Wenn Spieler das Gefühl hätten, ich würde sie mit meinen Analysen in die Pfanne hauen, dann käme doch keiner mehr zu mir ins Studio."

Was aus Patrick Kühnens Sicht fehlt, ist allerdings ein deutscher Erfolg. Der könnte dann auch helfen, Tennis wieder stärker ins Bewusstsein der Zuschauer zu rücken. "Das sind die Events, bei denen die Leute emotional gepackt werden", weiß der frühere Profi, der besondere Hoffnung in Alexander Zverev legt, immerhin Dritter der Weltrangliste. "Wenn solche Events gewonnen werden, interessieren sich die Menschen auch für die Ergebnisse des Siegers bei anderen Turnieren." Man habe das ganz gut sehen können, als Sabine Lisicki vor fünf Jahren im Finale von Wimbledon stand. "Plötzlich war die Aufmerksamkeit da." An der Aufmerksamkeit dürfte es im Falle eines Falles tatsächlich nicht mangeln - erst recht, seit nach dem WM-Aus der Fußball-Kater eingesetzt hat.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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