Warner Bros. LA Screenings © DWDL
Fazit der LA Screenings 2019

Mancher Umbruch, viel Durchschnitt und ein Hit bei Warner

 

Kein Jahrgang wie jeder andere: Die LA Screenings 2019 standen im Zeichen der angekündigten Streamingdienste mehrerer Studios, die künftig weniger Serien verkaufen dürften. Beim Dargebotenen gab es einen Favoriten und viel guten Durchschnitt.

von Thomas Lückerath
27.05.2019 - 17:02 Uhr

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Diesmal war alles anders in Los Angeles: Nach der Übernahme von Fox durch Disney und den erklärten Streaming-Ambitionen des Mickey-Mouse-Konzerns ebenso wie auch bei WarnerMedia, stand immer wieder während der Screenings die Frage im Raum, wie viele der gezeigten neuen Serin dieses Jahrgangs und künftiger Jahre überhaupt noch den angereisten internationalen TV-Einkäuferinnen und -einkäufern zum Kauf angeboten werden. Der Trend zur integrierten Verwertungskette war das alles dominierende, allgegenwertige Thema in Los Angeles, wie auch Henning Tewes bemerkt, der seit wenigen Monaten als neuer COO Programme Affairs & Multichannel auf den bisherigen RTL-Chefeinkäufer und aktuellen RTL-Geschäftsführer Jörg Graf folgte.

So waren es auch angesichts eines insgesamt eher soliden Serien-Angebots weniger konkrete Programme als vielmehr die Frage nach der grundsätzlichen Ausrichtung und der Bedeutung von bestehenden Geschäftsbeziehungen, die von den Fachbesucherinnen und -besuchern diskutiert wurden. Denn auffällig war auch: Die LA Screenings 2019, sie waren insgesamt kompakter. Sony ließ aufgrund später Serienbestellungen die eigentlichen Screenings ausfallen, zeigte auf einer Party mit Stars seiner Serien nur kurze Trailer und Disney verzichtete einerseits auf seine traditionelle Sonntagabend-Party und sorgte durch die Übernahme von Fox andererseits dafür, dass der Output gleich zweier Studios an einem Tag zusammengezogen wurde. 

Aber nicht nur auf der Hollywood-Seite gab es Veränderungen: Mit Henning Tewes bei der Mediengruppe RTL Deutschland sowie ProSiebenSat.1-Kollege Thomas Lasarzik, der erst kurz vor den LA Screenings als neuer Executive Vice President Group Content Acquisitions & Sales ernannt wurde und damit auf seinen langjährigen Kollgen Rüdiger Böss folgte, waren zwei neue Chefeinkäufer für die beiden Privatsender-Gruppen vor Ort. Manche deutsche Senderchefs sind diesmal gleich zuhause geblieben, andere sind schon früher als sonst wieder abgereist. Auf das jährliche Einkäufer-Fazit hat das aber keine Auswirkung: DWDL.de hat trotzdem mit denen gesprochen, die tapfer durchgehalten haben und eine knappe Woche lang jeden Tag Serie nach Serie schauten. Einige davon sind namentlich genannt, andere wollten auch in diesem Jahr anonym antworten.

Simone Emmelius© ZDF/Jana Kay
Welche Trends waren in diesem Jahr zu beobachten? Simone Emmelius (Foto), Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Spielfilm, fiel bei gleich mehreren Hollywoodstudios die Suche nach der nächsten erfolgreichen Gerichtsserie auf, mit denen augenscheinlich ein gerne langlaufender Nachfolger für die Ära nach "Good Wife" bzw. "Good Fight" gesucht wird. Die von DWDL.de gesichteten Piloten dieses Genres legen allerdings nahe: In der Masse steckte diesmal nicht viel Klasse. Sehr enttäuschend zum Beispiel die Warner-Produktion "All Rise". Auch im Comedy-Genre gab wieder quantitativ ordentlich Nachschub, nicht nur als Gegenpol zu den schweren Drama-Serien, sondern auch weil mit "The Big Bang Theory" gerade erst der jahrelange Champion in Ruhestand gegangen ist. Mehrere Einkäufer nennen zum Beispiel die von Warner für CBS produziert Comedy "Bob Hearts Abishola" über einen alten weißen Mann, der sich in seine junge afro-amerikanische Krankenschwester verliebt. Das DWDL.de-Urteil allerdings: Humor, der aus der Zeit gefallen ist.

Auch drei Jahre nach dessen Start spürte man vergangene Woche bei den Screenings in Los Angeles weiter den Einfluss vom 2016er NBC-Überraschungserfolg "This is us". Obgleich die Serie nicht mehr so erfolgreich ist wie einst (aber um gleich drei Staffeln verlängert wurde), wird das Genre der Primetime-Soap in diesem Jahr bei mehreren Studios bedient. "'Filthy Rich' von Fox mit Kim Catrall war vorhersehbar aber gut, 'Council of Dads' von NBC Universal berührend, 'Baker and the Beauty' von ABC Studios kitschig ohne Ende aber trotzdem charmant", fasst Henning Tewes, neuer Chefeinkäufer der Mediengruppe RTL Deutschland, zusammen. Die Fox-Serie "Filfthy Rich" war auch für Elke Walthelm, Executive Vice President bei Sky Deutschland, eines der Highlights dieser Screenings. Sie spricht von einem sehr soliden Jahrgang, ohne große Überraschungen. "Eine toughe 'Batwoman', die eine Frau liebt, war sehr erfrischend anzusehen", ergänzt sie.

Elke Walthelm© Sky
Walthelm (Foto) weiter: "Wie schon im letzten Jahr war auffällig, dass großen Wert auf Diversity gelegt wurde und die Vielfalt in der Gesellschaft sehr umfassend abgebildet wurde. Sehr ausgeprägt waren Geschichten um Menschen verschiedener Hautfarben sowie unterschiedlicher sexueller Orientierung." Eine Beobachtung die auch ZDF-Kollegin Simone Emmelius in ihrem Fazit herausstellt. Mitunter seien die Patchwork-Konstellationen jedoch arg abgezählt gewesen. ProSiebenSat.1-Kollege Thomas Lasarzik, der erst kurz vor den LA Screenings als neuer Executive Vice President, Group Content Acquisitions & Sales ernannt wurde und damit auf seinen langjährigen Kollgen Rüdiger Böss folgt, zeigt sich verblüfft wie früh inzwischen schon SpinOffs produziert werden: "FBI: Most Wanted" bei CBS beispielsweise - nach nur einer Staffel "FBI". Die Serie gehört zu den von deutschen Fachbesucherinnen und -besuchern besser bewerteten Krimiserien.

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