Saisonbilanz 2018/19 - ARD © DWDL
Saison-Bilanz 2018/19

Warum Das Erste ein "heute-journal"-Problem hat

 

Das Erste ist mal wieder das Zweite - und es sieht nicht so aus, als würde sich daran auf absehbare Zeit etwas ändern. Dabei läuft der Vorabend derzeit so stark wie nie. Das Wachstums-Problem liegt an anderer Stelle, genauer gesagt um 21:45 Uhr.

von Alexander Krei
11.06.2019 - 13:02 Uhr

Geht es nach den Quoten, dann ist Das Erste schon seit Jahren nur das Zweite. An dieser Konstellation hat sich auch in der Saison 2018/19 nichts verändert. Gestartet ist sie gleich mit einem neuen Tiefpunkt: Gerade mal noch 10,3 Prozent betrug der Gesamt-Marktanteil des Senders im September und Oktober – und bis zum Februar bewegte sich der Sender trotz eines Aufwärtstrends konstant unter den Vorjahreswerten. Erst zum Saison-Ende hin stand dann doch noch ein drei Monate in Folge ein Plus. Dass es dennoch selbst in den stärkeren Monaten oft für kaum mehr als elf Prozent reichte, mag auf den ersten Blick überraschen, schließlich läuft es in der Primetime meist gut.

Tatsächlich ist die 20:15-Uhr-Schiene keineswegs das Problem des Ersten, einzig am Montagabend tut man sich etwas schwerer. Ansonsten aber bleibt der "Tatort" weiterhin das Maß aller Dinge, die Primetime-Shows sind beliebt und auch mit seinen Filmen, Serien und Krimireihen trifft der Sender in aller Regel den Geschmack des Publikums. Sorgenfalten machen sich dagegen fast täglich ab 21:45 Uhr breit: Weil das "heute-journal" im ZDF offensichtlich häufig viele Zuschauer zum Umschalten bewegt, tun sich Magazine wie "Fakt", "Monitor" und "Plusminus" oft schwer, das Publikum im Ersten zu halten, auch die Krimi-Wiederholungen am Freitag erweisen sich nur selten als Erfolg.

Die Folge sind regelmäßig einstellig Marktanteile zu wichtigen Sendezeiten. Hinzu kommt, dass die "Tagesthemen" bei Weitem nicht die Zugkraft des ZDF-Flaggschiffs besitzen. Und am späten Abend gehen die Quoten-Probleme oft weiter – aus verschiedenen Gründen. Anders als im ZDF mit "Markus Lanz" gibt es im Ersten weniger Verlässlichkeit. Während dienstags fast schon verzweifelt alte Serien-Folgen wiederholt werden, leidet "Maischberger" am späten Mittwochabend unter der allgemeinen Talk-Schwäche, die auch "Anne Will" und "Hart aber fair" erfasst hat. Ob es angesichts dessen eine gute Idee ist, ab Herbst die Freitags-Talks der Dritten ins Hauptprogramm zu befördern? Zumindest bringen sie eine andere Talk-Farbe mit.

Donnerstags wiederum wirkt die Comedy-Schiene mittlerweile oft wirr. Zwar sollte eine Staffel-Programmierung von Formaten wie "Ladies Night" oder "Nuhr im Ersten" mehr Verlässlichkeit schaffen. Das Problem ist nur: Die genannten Formate sind dafür eigentlich nur bedingt geeignet. In diesem Zusammenhang stellt sich zudem weiterhin die Frage, warum der Sender nicht viel stärker und vor allem verlässlich Woche für Woche auf "extra3" setzt, das noch dazu auch junges Publikum anspricht - aber kaum nachvollziehbar zwischen dem Ersten und dem NDR Fernsehen hin- und herwechselt.

Weiter positive Signale vom Vorabend

Und dann ist da auch noch das Tagesprogramm, das zwischen Quiz und Telenovelas oft erschreckend schwache Quoten erzielt – so wie etwa das Magazin "Live nach Neun", das trotz eines leichten Aufwärtstrends noch immer deutlich hinter der "Vollen Kanne" hinterherhinkt. Gleichzeitig scheiterten sämtliche Versuche von Häuser-Quiz bis Trödelshow, auf dem Sendeplatz um 16:10 Uhr für frischen Wind zu sorgen. Aber auch die "Dingsda"-Neuauflage empfahl sich im Vorabendprogramm angesichts dürftiger Zuschauerzahlen nicht für eine Fortsetzung.

Und doch kommen vom Vorabend positive Signale: Insbesondere "Wer weiß denn sowas?" erwies sich wieder als voller Erfolg und half auch den anschließenden Serien etwas auf die Sprünge. Die wichtigsten Erkenntnisse: Hubert funktioniert auch ohne Staller und mit "Watzmann ermittelt" konnte man jüngst einen erfolgreichen Neustart platzieren. Dass das ARD-Publikum auch anspruchsvollere Serie mag, zeigte der große Erfolg von "Babylon Berlin", der sich auch online abzeichnete. Die kluge Start-Programmierung auf dem "Tatort"-Sendeplatz dürfte zusätzliche Anschubhilfe geleistet haben. Daneben sprach auch "Charité" wieder ein breites Publikum an, auch wenn die Quoten der ersten Staffel nicht wiederholt werden konnten.

Bleiben noch die Samstagabendshows, die inzwischen auch bei den jungen Zuschauern fast immer zweistellige Marktanteile garantieren – so wie etwa "Klein gegen Groß", die XXL-Ausgaben von "Wer weiß denn sowas?" oder "Verstehen Sie Spaß?", das jüngst gar auf YouTube die Marke von einer Million Fans knackte. Selbst Florian Silbereisens Schlagershows sprechen längst nicht mehr nur die älteren Semester an und mit der neuen Pilawa-Show "Ich weiß alles!" ist ein weiteres erfolgreiches Show-Format dazugekommen. Nein, die Probleme des Ersten liegen wahrlich nicht um 20:15 Uhr.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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