Die neuesten Werbe-Zahlen des Marktforschungsunternehmen Nielsen zeigen eine sehr differenzierte Entwicklung des deutschen Werbemarkts. Zuerst die guten Nachrichten: Die gesamten Brutto-Werbeeinnahmen stiegen über alle Mediengattungen hinweg um 4,1 Prozent auf 2,78 Milliarden Euro. Es war das bislang größte prozentuale Wachstum in einem Monat in diesem Jahr - und das kommt vor allem deshalb überraschend, weil die mit Abstand größte und in der Statistik wichtigste Mediengattung tiefrote Zahlen aufweist.
So gingen die Brutto-Werbeeinnahmen der TV-Vermarkter im Juni um satte 7,2 Prozent zurück, damit lief es fast so schlecht wie im Februar, als das Minus sogar bei 7,3 Prozent lag. Mit 1,10 Milliarden Euro entfielen die meisten Spendings dennoch auf die Mediengattung TV. Hier lohnt sich für den Juni aber mal wieder ein Blick ins Detail, denn die Entwicklung der verschiedenen Vermarkter war sehr unterschiedlich.
Die großen Gewinner waren, wenig überraschend, ARD Media und das ZDF Werbefernsehen, die von der Fußball-WM profitiert haben. So legte die ARD im sechsten Monat des Jahres um 36,7 Prozent zu, beim ZDF waren es immerhin noch 25,8 Prozent. Im Falle der ARD besonders interessant: Das prozentuale Wachstum war zwar ziemlich hoch, die gesamten Brutto-Werbeeinnahmen lagen aber trotzdem nur bei rund 20,9 Millionen Euro - das ist die bislang niedrigste Summe des Jahres für ARD Media.
Und auch sonst gibt es interessante Details in den Nielsen-Zahlen: Die Ad Alliance, also der Vermarkter von RTL Deutschland, schlug sich mit -4,9 Prozent besser als der Markt. Hier muss man inzwischen aber Sky Deutschland mitrechnen, das im Juni ein Minus in Höhe von 12,8 Prozent verzeichnete. Sehr zufrieden sein kann man dagegen bei den El Cartel Brothers, die es im Juni sogar auf ein kleines Plus der Brutto-Werbeeinnahmen brachten, der noch recht junge Vermarkter wuchs um 3,0 Prozent.
Und damit zum Problemkind der Branche: ProSiebenSat.1 verzeichnete im Juni einen Rückgang der Brutto-Werbeeinnahmen in Höhe von 16,4 Prozent. Damit lief es im Vergleich für Seven.One Media schlechter als für alle anderen klassischen TV-Vermarkter. Praktisch alle großen (und aus Werbesicht: wichtigen) Sender schwächelten im Juni. Kabel Eins verzeichnete ein Minus in Höhe von 12,5 Prozent, bei Sat.1 waren es 17,4 Prozent und bei ProSieben sogar 20,8 Prozent. Oder um es anders zu sagen: ProSieben hat im Juni ein Fünftel seiner Brutto-Werbeeinnahmen verloren. Zu tun hat das möglicherweise auch mit der mutlosen Strategie: ProSiebenSat.1 hat sein neues Programm, anders als RTL, auf ein absolutes Minimum zurückgefahren. Die Quoten waren entsprechend schlecht (DWDL.de berichtete).
Auch wenn die Mediengattung TV im Juni ziemlich schwach unterwegs war, ist es wichtig festzuhalten, dass ein mutmaßlich wichtiger Player in den Nielsen-Zahlen nicht enthalten ist: MagentaTV. Die Telekom-Plattform hat als einziger Anbieter alle Spiele der Fußball-WM übertragen - viele davon auch exklusiv. Mit seinen Übertragungen hat MagentaTV in den zurückliegenden Wochen viel Lob eingeheimst und es ist nicht weit hergeholt zu behaupten, dass auch die Werbeeinnahmen gesprudelt haben dürften. Konkrete Zahlen gibt es aber nicht. Die Telekom erklärte zuletzt, in der Vermarktung "Bestmarken" aufgestellt zu haben.
Doch zurück zu den Nielsen-Zahlen. Dass die Brutto-Werbeeinnahmen über alle Mediengattungen hinweg wachsen, obwohl die TV-Vermarkter in Summe so klar im Minus liegen, ist eine echte Seltenheit. Zurückzuführen ist das auf die Stärke von gleich mehreren Mediengattungen - allen voran Radio. Hier stiegen die Brutto-Werbeeinnahmen im Juni um 17,0 Prozent. Das ist eine große Überraschung, zwischen Januar und Mai lagen die Radios durchweg im Minus-Bereich. Mit dem Plus im Juni hat man die bislang in diesem Jahr aufgelaufenen Verluste schon fast ausgeglichen.
Gleichzeitig verzeichneten auch die Zeitungen im Juni mit 8,7 Prozent ein großes Wachstum - auch hier ist es das bislang stärkste Plus in diesem Jahr. Die Außenvermarkter wuchsen sogar um 9,5 Prozent und der gesamte Online-Bereich (ausgenommen Social, Search und YouTube), also allen voran die klassisch vermarkteten Webseiten, legten um 25,8 Prozent in ihren Brutto-Werbeeinnahmen zu. Das alles führte zu einem insgesamt wachsenden Markt, zwischen Januar und Juni haben die Brutto-Werbeeinnahmen über alle Gattungen hinweg bislang um 1,1 Prozent zugelegt.
Wie immer gilt es bei den Nielsen-Zahlen zu berücksichtigen, dass hier die Listenpreise zugrunde gelegt werden und Rabatte, Eigenanzeigen und Tauschgeschäfte nicht berücksichtigt sind. Die tatsächlichen Einnahmen etwa der TV-Sender sind teils deutlich geringer. Dennoch sind die Nielsen-Zahlen ein Indikator für die grundsätzliche Entwicklung des Marktes.
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