Better Call Saul © AMC
Internationale Premiere bei der Berlinale

Stark: "Better call Saul" wird jedem Hype gerecht

 

"One leg each": Mit einer grandiosen Schlüsselszene und einer erfrischenden Atmosphäre startet "Better call Saul" fulminant. Die Serie feierte am Dienstag auf der Berlinale ihre internationale Premiere - und trat auf Anhieb aus dem Schatten von "Breaking Bad".

von Thomas Lückerath
11.02.2015 - 12:34 Uhr

Weder ist „Better call Saul“ eine Fortsetzung von „Breaking Bad“, noch ist es ein Prequel der Kultserie um Walter White. Schon die ersten beiden Folgen der neuen Serie mit Bob Odenkirk in der Hauptrolle bieten zwar ein Wiedersehen mit einigen bekannten Charakteren, aber tragen bereits eine wunderbar eigene Handschrift, die den Grundstein für die potentiell epische Geschichte des mittellosen Juristen Jimmy McGill legt. Es darf gelacht werden: Die neue Serie spielt immer wieder mit kuriosen Momenten, die aus der Eigenart der Charaktere heraus entstehen und der Serie eine Leichtigkeit geben. Mit der Vorfreude zu wissen, was für ein schmieriger Winkeladvokat einmal aus ihm wird, verfolgt man als Zuschauer von „Better call Saul“ den vermeintlichen Aufstieg eines Mannes, der einmal zu Saul Goodman wird - jenem Anwalt, der das manchmal düster-dramatische „Breaking Bad“ mit seiner verschrobenen Art aufgelockert hat. „Diese Serie hat jetzt eine grundsätzlich andere Tonalität“, verspricht Hauptdarsteller Bob Odenkirk am Dienstag bei der internationalen Premiere der Serie im Rahmen der Berlinale. Die ersten beiden Folgen von „Better call Saul“ machen es einfach, ihm zu glauben.

Mit einem kurzen Blick in die trostlose Zukunft eines offenbar gescheiterten, in Einsamkeit und Bescheidenheit lebenden Saul Goodman beginnt die mit Spannung erwartete Serie. Klar wird somit: „Better call Saul“ erzählt von Auf- aber auch Abstieg des schrulligen Charakters. Produktionsfirma Sony Pictures sowie der US-Sender AMC und Netflix, wo die Serie in vielen Territorien außerhalb der USA ein Zuhause gefunden hat, hoffen natürlich darauf, dass sich dieser Handlungsbogen nicht zu schnell schließen wird. Rekordquoten für die Premiere bei AMC freuen Schauspieler Odenkirk, aber anders als seine Serienfigur übt er sich in glaubwürdiger Bescheidenheit. Auf der Bühne des Hauses der Festspiele bemerkt er nach dem umjubelten Screening der ersten beiden Folgen: „Ich stehe auf den Schultern von Riesen - „Breaking Bad“, Vince Gilligan und Peter Gould. Da mache ich mir nichts vor - das ist der Grund, warum die Serie im Vorfeld so eine Aufmerksamkeit bekommen hat. An mir liegt es jetzt, dass sie hoffentlich nicht in Scharen davon laufen.“

Bob Odenkirk bei der Berlinale
© DWDL

Es wäre völlig unverständlich, würden sie das tun. Inmitten des Publikums sitzend verfolgte Odenkirk sehr aufmerksam die Reaktionen der Berlinale-Gäste während des Screenings. Einige seiner Begleiter tippten eMails und vertrieben sich die Zeit mit ihrem Smartphone. Nicht so Odenkirk: Jede geschockte Reaktion des Saalpublikums, jeden Lacher registrierte er. Das direkt spürbare Feedback des Publikums sog er förmlich auf und lächelte hin und wieder zufrieden. Mit seinem Sitznachbarn, Berlinale-Jurymitglied und „Mad-Men“-Schöpfer Matthew Weiner, tauschte er kaum ein Wort aus als das Licht im Saal erlosch. Auf der Bühne sagte Odenkirk danach, er habe die zweite Folge der Serie gerade auch zum ersten Mal gesehen. In ihr steckt eine hervorragende Szene ("One leg each"), die auf so vielen Ebenen eine Hommage an den Charakter, der später einmal Saul Goodman wird, ist - und nebenbei ein freundlicher Gruß an „Breaking Bad“. Diese Schlüsselszene spielt in der Wüste - der Umgebung in der einst auch das Abenteuer von Walter White begann.

Bob Odenkirk bei der Berlinale
© DWDL

In weniger als vier Minuten verdeutlicht sie so hervorragend klar die Faszination für den Charakter, der hier noch Jimmy McGill ist: Er löst ein Dilemma mehr schlecht als recht, das er selbst zuvor geschaffen hat. Wofür sich ein Saul Goodman später hemmungslos feiert, bereitet dem frühen Jimmy McGill noch Magenschmerzen - das Publikum aber im Haus der Festspiele in Berlin - wie auch vor den Bildschirmen rund um den Globus - sieht hier schon mal die abgebrühte Genialität aufblitzen, die Saul Goodman ursprünglich so beliebt gemacht hat und diese Serie erst ermöglichte. In Berlin brandete sogar Szenen-Applaus auf. Bob Odenkirk registrierte das sichtlich zufrieden mit einem kurzen Lächeln. Mit diesem Auftakt können alle mehr als zufrieden sein: Werden wir auch im Laufe der ersten Staffel noch weitere Charaktere aus "Breaking Bad" wiedertreffen, wie Bob Odenkirk ankündigt, so hat "Better call Saul" sich jetzt schon aus dem Bann der Kultserie gelöst und funktioniert für sich stehend hervorragend.

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