Love Island © RTL II/Stefan Behrens
DWDL.de-TV-Kritik

"Love Island" bei RTL II: Kurzweiliges Trash-TV-Gold

 

Mit "Love Island" hat RTL II seinen wichtigsten Neustart in diesem Jahr auf die Bildschirme gebracht. Das Format ist Reality pur und passt deshalb wie die Faust aufs Auge zum Sender. Und für Trash-Fans blieben einige Zitate für die Ewigkeit hängen.

von Timo Niemeier
11.09.2017 - 22:40 Uhr

In den kommenden Wochen steht das Programm von RTL II ganz im Zeichen von "Love Island". Zum Start hat RTL II die neue Realityshow noch zur besten Sendezeit ausgestrahlt, in den kommenden drei Wochen geht es, ähnlich wie beim Dschungel oder "Promi Big Brother", täglich erst ab 22:15 Uhr oder teilweise noch etwas später los. RTL II macht aus "Love Island" ein Kuppel-Event mit höchstem Trash-Faktor - und zur Premiere ist das den Verantwortlichen vom Sender und der Produktionsfirma ITV Studios Germany auch richtig gut gelungen.

"Ich suche die große Liebe", lügt eine der ersten fünf Kandidatinnen rotzfrech in die Kamera. Nein, eine feste Beziehung sucht bei "Love Island" wohl niemand, die Teilnehmer wollen eins: bekannt werden. Dass das der Unterhaltung aber nicht unbedingt einen Abbruch tut, haben schon diverse Formate in der Vergangenheit eindrucksvoll belegt. Und so reiht sich "Love Island" irgendwo ein zwischen "Bachelor", "Big Brother", "Adam sucht Eva", Dschungelcamp und "Germany’s Next Topmodel". Das Konzept: Fünf Frauen treffen auf fünf Männer und sollen sich möglichst schnell möglichst nah kommen. Nach und nach kommen weitere Frauen hinzu. Wer Single bleibt, fliegt raus.


Die deutschen Boulevardmedien hyperventilierten schon vor wenigen Wochen, als es im britischen Original zu einem vermeintlichen Skandal kam: Ein Pärchen hatte vor laufender Kamera und neben einem anderen, schlafenden, Paar Sex. Und das soll es nun auch im deutschen TV geben? Ob RTL II die hohen Erwartungen der Trash-TV-Fans erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Mit der täglichen Programmierung hat man die Latte aber schon einmal ganz nach oben gelegt. Wohin die Reise hingeht, erfährt man aber schon in den ersten Minuten: "Hier kann alles passieren. Die Betten sind frisch bezogen", dröhnt es aus dem Off.

Nein, Frauenrechtlerinnen und Feministinnen wird "Love Island" ganz gewiss nicht gefallen. Da müssen sich die weiblichen Teilnehmer in einer Reihe aufstellen und als die Männer dann die Bühne betreten, sind sie es, die sich eine Frau aussuchen dürfen. Die können zwar sagen, wen sie attraktiv finden, den Männern obliegt aber die letzte Entscheidung. Dieser Auswahlprozess wird in der Sendung übrigens liebevoll "Paarungszeremonie" genannt.

Auch dank der relativ kurzen Sendezeit von nur einer Stunde vergeht die Auftaktfolge wie im Flug. Die Frauen lernen sich kurz kennen und treffen sich im Garten der mallorquinischen Villa. Sie beschnuppern sich, trinken ihren teuren Sekt standesgemäß aus Plastikgläsern und führen tiefsinnige Gespräche. Die Frauen sind gespannt wer von den Männern schnarcht. Sie sind gespannt, wie die drei Wochen so werden und als es in der Villa noch sehr leer ist, fragen sich die ersten zwei Frauen auch, wie die anderen Teilnehmerinnen wohl so sind - ist ja auch ziemlich spannend. "Ich bin gespannt auf alles", fasst es eine von ihnen zusammen. Und natürlich dreht sich in der ersten Folge auch schon alles um Silikon-Brüste und No-Gos bei Männern (Spoiler: Kleine Penisse).

Na klar: Einen Grimme Preis für besonders anspruchsvolle Unterhaltung wird RTL II mit "Love Island" nicht gewinnen. Dazu ist die Sendung zu wenig subtil und zu sehr nach Holzhammer-Methodik aufgebaut. Dennoch: Wer sich darauf einstellt, wird belohnt. Im Verlauf der Auftaktfolge fallen so viele denkwürdige Sätze, mit denen gute Gag-Autoren eine ganze Ausgabe des Dschungelcamps füllen könnten. Trash-TV-Gold für die Ewigkeit.

Eine Auswahl? Bitte schön:

  • "Hier kommt der schwarze Schimmel. Da kann man gut reiten lernen" (Sagt der farbige Kandidat über sich selbst)
  • "Wenn ich mich beschreiben müsste: Im Bett bin ich professionell."
  • "Ich habe einfach noch nicht den Deckel auf den Topf gefunden."
  • "Sag mir, mit wem du jetzt zusammen kommen möchtest." (Moderatorin Jana Ina zu einem der männlichen Kandidaten)
  • "Das beeindruckendste an mir ist einfach alles."

Na bitte, damit kann man doch arbeiten. Sollte es in den kommenden Wochen auch nur ansatzweise so weitergehen - RTL II hätte wohl ziemlich viel richtig gemacht. Man kann vom Sender halten was man will: Diese Sendung passt zu RTL II einfach wie die Faust aufs Auge.

Und gerade als sich alle Männer eine Frau ausgesucht hatten und die Sendung drohte, langweilig zu werden, zauberten die Macher ein Ass aus dem Ärmel: Eine sechste Frau, die direkt mit den Männern flirtete und so für Konkurrenz sorgte. Das führte dazu, dass es in der ersten Folge von "Love Island" eigentlich ausschließlich um diese eine Frau und einen Kandidaten ging, der sich eigentlich für eine andere Teilnehmerinnen entschieden hatte.

Und so war nach einer Stunde Läster-Attacken, Fremdduschen und Körper-Beschau alles auch schon wieder vorbei. Das war herrlich kurzweilig und man kann RTL II nur dazu gratulieren, nicht dem XXL-Wahn verfallen zu sein. Wenn man das Erzähltempo in den kommenden Wochen halten kann, wäre das wohl der größte Verdienst der Macher. Dann wird es auch genügend Menschen geben, die sich dieses Stück Reality-Fernsehen gerne ansehen werden. Selbst wenn die Kandidaten weiterhin irgendwas von der großen Liebe faseln.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit einer kleinen Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de. Lebt in Wien, das deutsche Fernsehen liebt er aber trotzdem. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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