The Gifted © Frank Ockenfels/Fox
TV-Kritik über die neue Fox-Serie

"The Gifted": Eine Superheldenserie für jedermann

 

Nachdem gerade in den letzten Jahren unzählige Superheldenserien das Licht der Welt erblickt haben, stößt nun noch "The Gifted" dazu. Die Serie spielt im "X-Men"-Universum und kommt überraschend erfrischend daher. Warum hier nicht nur Fans ihren Spaß haben können...

von Kevin Hennings
17.01.2018 - 15:55 Uhr

Wenn sich „The Gifted“ wie etwas anfühlt, dann wie Flucht. In Matt Nix' Marvel-Superhelden-Drama geht es zum Einen nämlich um übernatürlich begabte Menschen, die von der normalen Gesellschaft als Gefahr gesehen und dementsprechend gejagt werden. Selbst vor Kindern wird kein Halt gemacht. Zum Anderen leben eben diese „Mutanten“ im Universum der „X-Men“. „The Gifted“ setzt jedoch alles daran, sich dem typischen „X-Men“-Muster zu entziehen und geht dabei sogar soweit, dass der Zuschauer endlich mal nicht die letzten zwanzig Marvel-Produktionen gesehen haben muss, um direkt verstehen zu können, um was es hier eigentlich geht. 

Der Plot lässt sich für Fans und Ahnungslose gleichermaßen leicht erklären: Wir springen mit „The Gifted“ in eine Zukunft, in der die X-Men und all die anderen damit einhergehenden Mutanten beinahe komplett von der Bildfläche verschwunden sind. Die Menschheit war es leid, dass sie jahrelang all den Kämpfen und der Zerstörung beiwohnen musste und führte so eine Reihe von Gesetzen ein, die Mutanten zu Verbrechern machten, die verfolgt werden müssen. Der Twist, der „The Gifted“ ins Rollen bringt: Familienvater Reed Strucker (Stephen Moyer) der seine Brötchen mit eben dieser Verfolgung verdient, gerät in die Zwickmühle, dass sich seine eigenen zwei Kinder als Mutanten entpuppen. 

Damit taucht die Serie in eine Jagd auf die Fliehenden ein, die sich bereits nach den ersten Minuten atmosphärisch, beklemmend - und erleichternd anfühlt. „The Gifted“ macht nämlich prompt deutlich, dass das hier keine Serie ist, die fix runtergedreht wurde, um noch pünktlich auf den Superhelden-Zug mit aufspringen zu können. Bryan Singer, der bereits lange als Produzent und Regisseur für die „X-Men“-Filme agiert, hat sein gesamtes Fachwissen gebündelt und in neue, in diesem Universum noch nicht gesehen Ideen umgemünzt, die bereits mit der Storyline Genre-Kollegen wie „The Flash“ oder „Iron Fist“ ausstechen.  

Einzig der Look dürfte einigen Menschen bekannt vorkommen. Diejenigen unter uns, die den vor 18 Jahren veröffentlichten ersten „X-Men“ kennen, werden genau das gleiche Gefühl erleben, dass sie bei diesem Film und den davor erschienene Comics hatten. Der Zuschauer bekommt grobe, rohe Bilder verpasst, die den Angstschweiß der Mutanten direkt auf den Bildschirm projizieren. Eine der überwältigendsten Szenen in „The Gifted“ findet man bereits in der Pilotfolge, als ein kleiner Junge mitten in der Schuldusche sitzt und sich gerade darüber klar wird, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Die Emotionen, die die Kamera und sein Gesicht durchfahren, erinnern an Magnetos Entdeckung seiner außerordentlichen Kräfte im eben jenen ersten „X-Men“. Das ist vor allen Dingen deswegen so bewundernswert, weil hier einmal mehr deutlich wird, dass Serien sich längst als das Kino für zu Hause etabliert haben. Es wird etwas abgeliefert, dass vor 10-15 Jahren nur in Hollywoodfilmen zu sehen war. 

Technische Details und schöne Bilder sind das Eine. Doch „The Gifted“ schafft es auch abseits davon, zu überzeugen. Es wirkt nämlich so, als ob Bryan Singer die Check-Liste für den perfekten Serieneinstieg kreiert hätte. In einer Zeit, in der immer mehr Serienproduktionen auf den Markt gespült werden und in der oft gehört wird, dass bei Serie XY doch bitte bis zur dritten oder vierten Folge gewartet werden soll, bis man urteilt, ist „The Gifted“ wie ein Stück Sahnetorte, das bereits beim ersten Bissen überzeugen kann. Innerhalb von gut einer actionreichen Stunde wird dem Zuschauer punktgenau vorgeführt, wer die Protagonisten sind, was es mit den Mutanten im Untergrund auf sich hat, wer und warum die Mutanten verabscheut, wie die Hintergrundgeschichte aussieht und in welche Richtung das Ganze gehen könnte. Das eigentlich komplexe Konstrukt wird zunächst wunderbar aufgebrochen. Alle Serienmacher, die dafür drei oder mehr Folgen benötigen, können hier noch etwas lernen. 

All diejenigen, die sich auf „The Gifted“ freuen, um die nächsten mit grandiosen Visual-Effects verzierten Superhelden zu sehen zu bekommen: Es hilft, hier die Erwartungen etwas herunter zu schrauben. Ausufernde CGI-Explosionen sind nicht das, was man hier zu sehen bekommen. Bei der zweiten Fernsehserie, nach „Legion“, die im X-Men-Universum spielt, geht es um die zwischenmenschlichen Beziehungen, die unter diesen besonderen Umständen getestet werden. Wie weit vertraut und hilft man einem Menschen, weil er anders ist? Und ist es überhaupt schlimm, anders zu sein? „The Gifted“ gibt einfühlsame Antworten, die unterhaltsamer nicht dargestellt werden könnten. 

Die 13-teilige erste Staffel von "The Gifted" ist ab heute immer mittwochs um 21 Uhr bei Fox zu sehen

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