Spiel die Geissens untern Tisch © RTL II
DWDL.de-TV-Kritik zur neuen Geissens-Show

RTL II atmet auf: "Die Ehre der Geissens ist gerettet"

 

Ja, es gibt sie noch: Weil ihre Dokusoap inzwischen schwächelt, setzt RTL II die Geissens jetzt in einer Spielshow ein. Selbstverständlich gibt's reichlich Klamauk, doch bei der Premiere wirkt das Konzept bereits erstaunlich rund. Die TV-Kritik...

von Alexander Krei
05.02.2018 - 22:18 Uhr

RTL II steht womöglich vor einem Problem: Dem Sender ist zusammen mit der Produktionsfirma Redseven Entertainment eine überraschend unterhaltsame Spielshow mit Carmen und Robert Geiss gelungen. Sie könnte allerdings zu spät kommen, weil der Hype um das kultige Millionärspaar abgeklungen ist und sich ihre Dokusoap längst vom Quoten-Hit zum Sorgenkind wandelte. "Spiel die Geissens untern Tisch", so der Name des Neustarts, der passenderweise direkt im Anschluss an "Die Geissens" läuft, könnte daher so etwas sein wie die letzte lebensverlängerte Maßnahme, die RTL II seinen Aushängeschildern gönnt.

Das Konzept: In jeder Ausgabe tritt ein Pärchen in fünf verschiedenen Spielrunden gegen die Geissens an, um möglichst viele Buchstaben eines Lösungswortes einzusammeln, dessen Nennung am Ende den Hauptgewinn von 20.000 Euro verspricht. Die ersten Gegner, die es mit den extrovertierten Millionären aufnehmen, sind Brummifahrer Sascha und seine Frau Nicole, die er im Falle eines Sieges gleich ein zweites Mal heiraten würde. "Mein Beileid", entfährt es Robert Geiss, der sich auf der Showbühne also nicht weniger ruppig gibt als in den unzähligen Dokusoap-Folgen, die in den vergangenen Jahren bei RTL II zu sehen waren.

"Ich hab' zwei Mal geheiratet - da siehste, was du davon hast", sagt er seinem Gegenüber im leicht genervten Tonfall. Im Gegenzug ruft seine Frau Carmen mehrfach pflichtgemäß "Roooobeeeert" und tut alles dafür, um schwer von Begriff zu wirken. Natürlich ist das gegenseitige Kabbeln vom Sender erwünscht, schließlich wären die Geissens ohne ihren oft wenig zärtlichen Umgang mit Sicherheit nicht so populär geworden wie sie es zwischenzeitlich waren. Doch erstaunlicherweise funktioniert diese Attitüde in der neuen Spielshow inzwischen besser als in ihrer Dokusoap, die sich mit den Jahren ein Stück weit totgelaufen hat.

Und so gerät die einstündige Sendung weit unterhaltsamer als man das im Vorfeld hätte erwarten können. "Wofür bin ich hier?", fragt Robert Geiss, als er gleich im ersten Spiel seiner Frau den Vortritt lassen muss. Doch ganz gleich, ob es nun darum geht, verschiedenen Kindern ihre prominenten Eltern zuzuordnen oder Fehlerbilder mit absurden Schoßhündchen-Bildern zu lösen: So recht will den Geissens in der Premieren-Ausgabe nichts gelingen. "Nää, wat ist dat schwer", stöhnt Carmen und als auch im vierten Spiel eine Niederlage droht, droht ihr Mann gar, das Handtuch zu schmeißen: "Wenn wir nix gewinnen, komm' ich nie wieder hier hin."

Im letzten Spiel reicht es dann aber glücklicherweise doch noch für ein Pünktchen, weil die Geissens beim gemeinsamen Einpacken von Geschenken mit nur einem Arm ein überraschend harmonisches Team bilden. "Die Ehre ist gerettet", frohlockt Kai Ebel, der als Moderator im goldenen Sakko zwar im funkelnden und mit riesigem Drehtisch in Kitsch-Optik versehenen Bühnenbild unterzugehen droht, sich aber ganz hervorragend einfügt in diese Show, in der sich alle so wenig ernst nehmen wie irgend möglich. Von der Verbissenheit, wie sie einst Stefan Raab am Samstagabend an den Tag legte, sind Geissens freilich weit entfernt. Doch das ist gar nicht schlimm.

RTL II serviert seinem Publikum eine wenig anspruchsvolle, dafür aber umso amüsantere Gameshow, die gar nicht so sehr von ihren Spielen lebt als vielmehr von ihren absurden Momenten. Nach knapp einer Stunde hat man auf dem Sofa mehr gelacht als bei den meisten anderen Spielshows, die das deutsche Fernsehen in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Vielleicht ebnet "Spiel die Geissens untern Tisch" dem Millionärspaar also doch noch den Weg zu so etwas wie einem zweiten TV-Frühling.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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