Einigen Menschen, die regelmäßig in der Früh den Fernsehen einschalten, dürfte der Mai eine unschöne Überraschung gebracht haben. Jenen Menschen nämlich, die sich zum Start in den Tag regelmäßig von Promi-Reporter Sebastian Klimpke über die neuesten Geschichten aus der Welt der Stars und Sternchen in Kenntnis setzen ließen oder vom Adelsexperten Michael Begasse über die jüngsten Eskapaden in europäischen Königshäusern auf den aktuellen Stand gebracht werden wollten.
Wo es thematisch bislang ziemlich bunt zuging, herrscht nun eine ungewohnte Ernsthaftigkeit. Die Rede ist von RTL, das sich jüngst aus Kostengründen von seinen Frühmagazinen "Punkt 6", "Punkt 7" und "Punkt 8" trennte und seither auf eine gemeinsame Morgenstrecke mit dem Nachrichtensender ntv setzt. Schon beim schnellen Zappen ins Programm wird deutlich: "Deutschland am Morgen", wie die Sendung nun heißt, fühlt sich anders an als das bisher Gesendete, auch wenn das in ein sattes Orange getunkte Studio-Design Kontinuität zu vermitteln versucht.
Doch wenn ntv-Wirtschaftschef Ulrich Reitz um zehn nach sechs in der "Meinung am Morgen" über die Besteuerung von Reichen spricht oder die CDU-Politikerin Gitta Connemann um viertel vor acht zum Steuersystem Auskunft gibt, dann wird schnell klar: Typisch RTL ist "Deutschland am Morgen" nicht. Gemessen an den bisherigen "Punkt"-Magazinen, die der Sender nach langer Durststrecke aus Quotensicht eigentlich gerade wieder auf Kurs gebracht hatte, fehlt es dem Nachfolge-Format an Leichtigkeit. Überraschend ist das nicht, schließlich gilt es ja auch, das an mehr Ernsthaftigkeit gewohnte ntv-Publikum nicht zu vergraulen. Für ntv-Verhältnisse wiederum ist die Ansprache erkennbar lockerer als in den üblichen Nachrichtenstrecken.
Und so gleicht "Deutschland am Morgen" auch nach inzwischen fast einem Monat noch immer einem Kompromiss, der möglichst allen einigermaßen gefallen soll. Streng genommen ist RTL damit wieder dort angekommen, wo man vor einigen Jahren schon einmal war: Nicht ganz so streng wie die bisweilen etwas biederen "Morgenmagazine" von ARD und ZDF, aber eben auch längst nicht so unterhaltsam wie das "Sat.1-Frühstücksfernsehen", das erkennbar von der RTL-Neupositionierung am Morgen profitieren konnte. Mit im Schnitt über 21 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen war der Mai für das "Frühstücksfernsehen" der mit Abstand stärkste Monat seit weit mehr als einem Jahrzehnt – ob Sat.1-Chef Marc Rasmus schon ein Dankesschreiben nach Köln geschickt hat?
Über 13 Prozent Marktanteil für RTL und ntv
Gleichwohl blieb der ganz große Quoten-Einbruch für RTL aus. Immerhin rund zehn Prozent Marktanteil verzeichnete "Deutschland am Morgen" während des ersten Monats. Dazu kommt, dass die Sendung auch bei ntv funktioniert: Dort belief sich etwa am Dienstag der Marktanteil auf 4,7 Prozent – weit mehr als der übliche Senderschnitt also. Über den gesamten Mai hinweg zählte "Deutschland am Morgen" zudem zusammengerechnet einen Marktanteil von 13,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, was durchaus als Erfolg gewertet werden kann. Etwas dahinter liegt der Wert bei den 14- bis 59-Jährigen, wo die Sendung auf beiden Kanälen im Schnitt bei knapp mehr als zehn Prozent liegt. In Köln verweist man indes darauf, dass RTL und ntv gemeinsam zwischen 6 und 9 Uhr auf eine Nettoreichweite von 2,13 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer kommen, geringfügig mehr als das "Morgenmagazin" in der ARD und nur knapp hinter der Nettoreichweite des "Momas" im ZDF.
Entsprechend positiv fällt dann auch das erste Zwischenfazit aus. "Wir sind mit dem Start von 'Deutschland am Morgen' im neuen ntv-Studio sehr zufrieden", sagt eine RTL-Sprecherin zu DWDL.de. "Die Teams vor und hinter der Kamera haben sich schnell an die neuen Abläufe und Inhalte gewöhnt. Die stabilen 10 Prozent bei den 14- bis 59-Jährigen sowie im Schnitt über 2,1 Millionen erreichte Zuschauer täglich zeigen, dass wir mit der Mischung aus Nachrichten und Unterhaltung bei den Zielgruppen beider Sender den richtigen Nerv getroffen haben. Natürlich befinden wir uns noch in der Anfangsphase und entwickeln das Format auch anhand der Zuschauer- und User-Daten sowie Feedback kontinuierlich weiter."
Vorerst scheint es also, als ginge der frühmorgendliche News-Spagat auf, auch wenn frühere "Punkt 6"-Zuschauer für die Promi-News nun wohl eher zum "Frühstücksfernsehen" der Konkurrenz schalten dürften.
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