Final Space © TNT Comedy
DWDL.de-Serienkritik

"Rick and Morty", sagt hallo zu Olan Rogers "Final Space"

 

Trotz 70 weiterer Episoden müssen sich "Rick and Morty"-Fans wohl noch bis Ende 2019 gedulden, bis sie etwas davon zu sehen bekommen. Passenderweise startet mit Olan Rogers "Final Space" nun aber ein ebenbürtiger Zeitvertreib.

von Kevin Hennings
15.05.2018 - 16:39 Uhr

Vor acht Jahren ging ein 3:13 Minuten langes Video auf YouTube online. “Gary Space: Episode 1” wurde es vom Schöpfer Olan Rogers genannt. “Das ist der erste Cartoon, den ich gemachte habe”, erklärt er sich in der Videobeschreibung. “Ich mache das nur aus Spaß.” Dass die minimalistischen Animationen wirklich nicht mehr sind, als etwas, das er seit Kindheitstagen machen wollte, wiederholt der Comedian auch unter den nächsten zwei Episoden permanent. Nachdem der Künstler Dan Brown, den Rogers für die Animationen mit ins Boot geholt hat, doch seine eigenen Projekte verfolgen wollte, wurde es jedoch erst einmal ruhig um “Gary Space”.

2013 ging es schließlich weiter, als er seine eigene Arbeit einem Remake unterzog und bei Cartoon Network pitchte. Der Erfolg blieb aus. 2016 stieß dann ein Late-Night-Host namens Conan O‘Brien auf Rogers Piloten. Er war überwältigt und lud ihn nach L.A. ein, um den Piloten beim “Conan”-Heimatsender TBS vorzustellen. Doch nicht nur da wurde das Potenzial der Serie gesehen, sondern auch bei Comedy Central, Fox, FX, YouTube und Fullscreen. Aus dem Gebotskrieg für die Rechte ging schließlich TBS als Sieger hervor. Der Beginn einer Serie, die es mit dem Genre-Platzhirschen “Rick and Morty” aufnehmen kann.

Adult Swims “Rick and Morty” wurde vor einigen Tagen erst um ganze 70 Episoden verlängert, was sieben neue Staffeln bedeutet. Solch ein Statement wird von den Produzenten nur gesetzt, wenn Kritik und Quoten gleichermaßen überragend sind. Olan Rogers steht mit seinem “Final Space”, das ab heute bei TNT Comedy zu sehen ist, zwar erst in den Startlöchern der Animations-Karriere, macht jedoch genau wie “Rick and Morty”-Schöpfer Justin Roiland und Dan Harmon von Anfang an klar, dass hier nicht lange gefackelt wird. Die Aufwärmphase wird geskipped und so landet der Zuschauer unmittelbar nach dem Start im eiskalten Weltraum und Garys einsamer Welt.

Tag 1818. Gary wacht erneut in einem abgeschiedenen Spaceshuttle auf, in dem er eine fünfjährige Haftstrafe abzusitzen hat. In kompletter Isolation, die lediglich von manch skurrilem Roboter durchbrochen wird, hat er für kleine Reparaturen und Aufräumarbeiten zu sorgen. Die Einsamkeit macht ihm schwer zu schaffen und so versüßt er sich den Alltag, indem er sich selbst zum Captain des Schiffes ernennt und nach Keksen lechzt. Doch egal was er macht, am Ende des Tages hat er es lediglich geschafft, noch mehr Strafzeit eingesammelt zu haben. So überrascht es auch kaum, dass der Mann, der nur dumme Entscheidungen zu treffen scheint, auch nicht die Gefahr sieht, die von einem kleinen, grünen Lebewesen ausgeht, das plötzlich auftaucht. Er tauft das knuffige Ding auf den Namen Mooncake, ohne zu wissen, dass dieses Alien eine Superwaffe ist, die ganze Planeten zerstören kann.

Was folgt, ist auch storytechnisch die perfekte Ergänzung zu “Rick and Morty”. Denn während Rick Sanchez und sein Enkel Morty von einer Parallelwelt zur anderen Dimension springen und zahlreiche Abenteuer erleben, begibt sich Gary mit Mooncake und seiner Crew, die im Original unter anderem prominent von Ron Perlman, Steven Yeun, David Tennant, Xzibit und Conan O'Brien vertont wird, zu einem festen Ziel. Gemeinsam soll es zum Rand des Universums gehen. Im Raum steht die Frage, ob der Kosmos tatsächlich unendlich ist – und ob er überhaupt existiert. Trotz all der Animierungen gibt es übrigens auch einige echte Bilder: So stammt der gezeigte Weltraum aus der NASA-eigenen Galerie.

Nicht nur die Bilder der US-Bundesbehörde sind auf Hochglanz getrimmt. Die ganze Serie wirkt wie ein penibel in HD aufbereiteter Augenschmaus, der nicht schneller mit der Zeit hätte gehen können. Doch obwohl das Panorama eindrucksvoll inszeniert wurde und Gary mit seiner Tollpatschigkeit immer wieder zum Lachen animiert, ist auch “Final Space” keine komplette Gute-Laune-Tour. Wenn es zum Plot kommt, wird es nämlich noch ernster, als es der Trailer verraten möchte.

Gary ist nicht nur die gedimmteste Glühbirne im Kronleuchter, sondern auch eine geplagte Seele, die soziale Nähe mehr als gebrauchen kann. Das zeigt vor allem das erste Aufeinandertreffen von ihm und Mooncake. Dieser fliegt ihm mitten in der Unendlichkeit plötzlich ins Gesicht und während jeder normale Mensch dank “Alien”-Kenntnissen in Panik geraten würde, ist er schnell entspannt. “You‘re not a face hitter...you‘re a face hugger! I needed a face hugger in my life.”

“Final Space” ist also nicht nur eine absurde Reise zum Ende des Universums, sondern auch Garys Suche nach dem Glück. Beide Ziele werden von Olan Rogers jedoch mit einer dermaßenen Energie anvisiert, dass man dem jungen Showrunner stellenweise sagen möchte, dass er sich mehr entspannen und die Geschichte atmen lassen soll. Sein “Final Space” wird dann mit großer Sicherheit zum nächsten Hit.

Die zehn 20-minütigen Episoden sind seit dem 15. Mai immer nachts um 23:00 Uhr im "[adult swim]"-Sendeblock bei TNT Comedy zu sehen.

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