Dingsda © ARD/Max Kohr
DWDL.de-TV-Kritik zum Show-Comeback

"Dingsda": Zumindest auf den Nachwuchs ist Verlass

 

Mit "Dingsda" feiert der nächste Show-Klassiker sein Comeback. Die gute Nachricht: Die Kinder sind heute so unterhaltsam wie damals. Und auch wenn man vor dem Fernseher gut mitraten kann, so wirkt die Neuauflage im Ersten mitunter doch arg bieder.

von Alexander Krei
05.10.2018 - 19:45 Uhr

Nostalgie kann etwas Schönes sein. Bisweilen liegt ihr jedoch ein Haken bei, schließlich neigen wir Menschen häufig dazu, die Vergangenheit zu verklären. In schöner Regelmäßigkeit lässt sich das im Fernsehen erkennen, wenn mal wieder ein Sender auf die Idee kommt, eine alte Show neu aufzuwärmen. Das geht selten gut, hält die TV-Macher aber trotzdem nicht davon ab, es immer und immer wieder zu probieren. Es ist ja auch so verlockend, denn eine Neuauflage verursacht Neugier und muss nicht groß erklärt werden.

So verhält es sich auch mit "Dingsda", jener Show mit dem berühmten "Ups", in der Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren auf etwas ungelenke Weise versuchen, Begriffe zu erklären, die zwei prominente Promi-Teams zu erraten haben. Vor mehr als drei Jahrzehnten hat Fritz Egner das ursprünglich aus den USA stammende Format nach Deutschland geholt und damit eine Zeit lang schöne Erfolge gefeiert. Als sich kabel eins einige Jahre später noch einmal an die Sendung wagte, hielt sich das Interesse der Zuschauer aber bereits in Grenzen. Das hält die ARD und die Produktionsfirma UFA Show & Factual dennoch nicht davon ab, es jetzt noch einmal zu versuchen.

Viel hat sich seither nicht verändert: Noch immer werden Kinder vor bunt bemalte Schultafeln gesetzt, um Begriffe wie Schatten oder Raumstation zu umschreiben, und noch immer schaut so manch prominentes Gesicht ziemlich ratlos drein, wenn der Groschen einfach nicht fallen mag. Das funktioniert in einigen Momenten ganz gut, etwa wenn ein kleiner Junge eine Seifenblasen-Maschine als Schrott bezeichnet; auf Strecke gesehen wirkt all das dann aber leider doch viel zu häufig aus der Zeit gefallen. Daran ändern auch die zaghaften Modernisierungsversuche, die Runden durch Pantomime, Gesang oder Gegenstände von gestern aufzufrischen, nur wenig.

Dingsda
© ARD/UFA SHOW & FACTUAL

Es ist ja keineswegs so, als sei "Dingsda" nicht unterhaltsam. All die Ausschnitte mit den Kids machen auch heute durchaus Spaß. Problematisch sind die zähen Minuten dazwischen, wenn Ratefüchsin Birgit Lechtermann von ihren Kindergeburtstagen erzählen oder ihr Kontrahent Stefan Mross über die eigenen eigenen Sprösslinge fabulieren muss. Das sind vermutlich exakt jene "Dingsda"-Momente, die man in der Rückschau vermutlich erfolgreich verdrängt hat, nun aber dafür sorgen, dass die Neuauflage als mitunter dröge Veranstaltung wahrgenommen wird.

Ganz davon zu schweigen, dass "Dingsda" alles ist – nur nicht spannend. Immerhin lädt die Show jedoch, anders als die gerade ebenfalls neu aufgelegten "Montagsmaler", zum Mitraten ein, weil die umschriebenen Begriffe dankenswerterweise nur kurz eingeblendet werden. Daneben macht Mareile Höppner dort, wo einst Fritz Egner stand, eine gute Figur, auch wenn sie ihr anfängliches Versprechen, die Kinder würden die Erwachsenen ins Schwitzen bringen ("wir brauchen dafür nicht mal einen Sauna-Aufguss"), nur schwer halten kann.

Ob all das reicht, um "Dingsda" noch einmal einen zweiten Frühling zu bescheren, darf vorsichtig bezweifelt werden – vor allem so lange sich der Eindruck erhärtet, dass früher alles besser war. Auch wenn das womöglich gar nicht stimmt.

"Dingsda" läuft freitags um 18:50 Uhr im Ersten.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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