Das Duell um die Welt - Team Joko gegen Team Klaas © ProSieben/Jens Hartmann
"Ich geh kaputt, ey"

"Duell um die Welt": Frisches Kanonenfutter gesucht

 

Erstmals schicken Joko und Klaas beim „Duell um die Welt“ prominente Stellvertreter los, um Mutproben in fernen Ländern zu bestehen: Tim Mälzer, Thomas Hayo, Thorsten Legat. Das funktioniert zum Teil erstaunlich gut – auch weil sich manche Protagonisten dem Wahnsinn nicht ganz kampflos ergeben.

von Peer Schader , Berlin
23.11.2018 - 08:10 Uhr

Wenn man beliebten Sendungen ihre beim Publikum eingeführten Protagonisten wegnimmt, fallen die meisten um. „Wetten dass ..?“ musste nach dem Abschied von Thomas Gottschalk ziemlich schnell zum letzten Flieger. „Schlag den Raab“ hat dem Nachfolger des Formatschöpfers wenig Glück beschert. Und wie diese Politshow „CDU“ weitergeht, wenn sie Anfang Dezember ihren Markus-Lanz-Moment erlebt, warten wir mal ab.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass ProSieben zur Schonung seines wichtigsten Moderatoren-Duos in Vorausplanung neuer Schandtaten (DWDL.de berichtete) nicht gleich voll ins Risiko geht – und an diesem Samstag erstmal vorsichtig testet, ob eine Joko-und-Klaas-Show auch dann noch gut bei den Zuschauern ankommt, wenn weniger Joko und Klaas drin ist als gewohnt.

Fürs „Duell um die Welt“ haben die Herrschaften schon mehrfach den Globus umrundet, da können ruhig auch mal andere ran: Prominente nämlich, die stellvertretend für das „Team Joko“ bzw. das „Team Klaas“ Länderpunkte in Mutproben erringen müssen, die ähnlich haarsträubend ausfallen wie es regelmäßige Zuseher gewohnt sind. Oder wie’s Klaas Heufer-Umlauf bei der Preview für Fans in Berlin am vergangenen Wochenende formulierte: „Die Lebensgefahr wird jetzt auf mehrere Schultern verteilt – das finde ich angemessen. Man muss bloß mal ‚Bunte’ oder ‚Gala‘ aufschlagen: Es gibt sowieso zu viele Prominente.“

„Ein bisschen hart am Wind gesegelt“

Tim Mälzer, Steven Gätjen, Thomas Hayo und Palina Rojinski – die in Folge 1 des „Team“-Duells zuerst ran müssen – gibt’s zwar glücklicherweise auch danach noch. Allerdings in einer sehr viel erschöpfteren Variante. Bei Mälzer wäre der vermeintliche Spaß fast gründlich schiefgegangen, als er sich auf einem hochexplosiven Parcours bei einer Fehlfeuerzündung ernsthaft das Gesicht verbrannte.

„Ein bisschen hart am Wind gesegelt“, nennt Helfer-Umlauf das verharmlosend – und meint, Mälzer habe den Unfall locker genommen, wolle nächstes Jahr nochmal antreten. („Aber dann machen wir was mit Wasser.“)

Für diesen Samstag lautet die zentrale Frage aber erstmal: Wollen das die Zuschauer überhaupt? Beziehungsweise: Funktioniert „Das Duell um die Welt“ auch, wenn die bisherigen Konkurrenten ihren Wettstreit ausschließlich im Studio austragen – und zwischendurch Stellvertreter in die Fremde entsenden, um dort Schwindel, Ohnmacht und Brechreiz zu erdulden? Die Antwort lautet: ja – mit Einschränkung. Die unverkennbare inszenatorische Handschrift sieht man der bestgefilmten Action-Comedyshow des deutschen Fernsehens glücklicherweise immer noch an. Mehr noch: Zum Teil liefert die inzwischen auf mehrere Teams aufgesplittete Original-Mannschaft in sich geschlossene Mottofilme ab, die sich voll und ganz auf „ihren“ Prominenten einlassen.

Palina Rojinski darf das ganze übellaunige Mutprobengemotze zum Auftakt auf links drehen und erklärt Instagram-gerecht: „Ich will da auch mal ein bisschen Sonnenschein reinbringen“ – bevor sie am Teufelsberg in den Pyrenäen doch von der bitteren Realität eingeholt wird. Und in der kommenden Woche wird ein Thorsten Legat fast wahnsinnig dabei, wenn seine Übermotivation erstmal aufs fieseste ausgebremst wird, bevor er sich dann doch noch fluchend an den (Käse-)Abgrund führen lassen muss: „Ach hör doch auf“, „Hau ab“, „Leck mich am Arsch“, „Ich geh kaputt, ey“.

Im Brandschutzanzug durch alle Widrigkeiten

Vor allem Thomas Hayo und Tim Mälzer demonstrieren aber, wie unterhaltsam es sein kann, sich dem ganzen Wahnsinn nicht völlig kampflos zu ergeben – und ihn dann trotzdem durchzustehen. „Mach da mal mit, haben sie gesagt. Wird schon nicht so schlimm werden. Am Ende bist du stolz auf dich, haben sie gesagt“, murmelt Hayo zu Beginn seiner Aufgabe aus dem Off, steigt in Estland in einem liebevoll (für nur wenige Einstellungen) dekorierten Wasserhotel ab und steht am Morgen danach vor einer Dreier-Jury, die ihm irgendwoher bekannt vorkommt. „Von allen warst du heute der Problematischste“, urteilt „Halli Galli“-Reinemachedame Sabine alias „Heidi“ mit Cowboyhut direkt – und drängt Hayo dann, ein Foto zu machen, das er sein Lebtag nicht mehr vergessen wird. Zwischendurch ruft er bei Joko an, um sich rückzuversichern: „Jetzt mal im Ernst?“ Und kriegt bloß zu hören, was alle anderen schon wussten. (Ja, im Ernst!)

Das Duell um die Welt – Team Joko gegen Team Klaas
© ProSieben

Am schönsten spielt aber Tim Mälzer mit, der ja mit „Kitchen Impossible“ schon selbst so einer Art „Duell um die Welt“ macht, bloß mit wechselnden Opf … – Pardon: Konkurrenten. „Ich zeig dir gleich was aufbrausend ist, mein Freund!“, startet der erfahrene Duellant gleich zu Beginn mit einer Drohung gegen das Team in seine Aufgabe und tobt anschließend im Brandschutzanzug durch alle Widrigkeiten, die ihm da in einer tschechischen Industrieruine sprichwörtlich um die Ohren fliegen – bis man sich als Zuschauer vor dem Bildschirm wünscht, es möge doch endlich jemand Erbarmen mit dem fantastisch schlecht gelaunten Großmaul haben! Nicht nur deswegen ist das abrupte Ende anschließend ein unschöner Dämpfer.

(Ohnehin muss ProSieben befürchten, sein „Cobra 11“ der deutschen Samstagabendunterhaltung nach dieser Folge endgültig als „Dauernichtnachmachensendung“ kennzeichnen zu müssen.)

Neue „Duell“-Staffel in Aussicht

Nicht alle Filme können dieses Niveau halten – was keineswegs Überwindung und Leistung der Prominenten schmälern soll. Dass Johannes B. Kerner (ja, Johannes B. Kerner) keine Scheu hat, auf einen 360 Meter hohen slowenischen Turm zu klettern, um dort – nun ja: zu bügeln, ist definitiv sehenswert. Aber trotz hübschem Erzählkniff nicht halb so raffiniert inszeniert, wie man das sonst gewohnt ist.

Macht nichts, zumindest was den filmischen Teil angeht, funktioniert „Das Duell um die Welt“ auch mit den Ersatz-Jokos-und-Klaasen durchaus gut. Obwohl nicht ganz klar ist, wie oft sich das überhaupt wiederholen lässt. „Man fragt schon ein paar Leute an, und einige, von denen man gedacht hätte, dass die mitmachen, sagen ab“, erklärte Joko Winterscheidt in der Vorwoche bei der Berlin-Preview. Und ergänzt, dass eine Abschwächung nicht in Frage kommt: „Wir sind es unseren Zuschauern schuldig, ihnen keine Softvariante vorzusetzen. Außerdem würde das auch dem Ehrgeiz der Promis widersprechen, die zugesagt haben.“

ProSieben hat derweil bestätigt, dass es auch im kommenden Jahr eine neue „Duell“-Staffel geben soll. Mit Promis, die entweder weit über ihre Grenzen hinaus geführt werden; oder alternativ erstmal erkennen müssen, dass sie überhaupt welche haben. Anders gefragt: Was ist das eigentlich für eine kranke Sendung, bei der man nach dem Ansehen das Gefühl hat, ein Thorsten Legat sei der Vernünftigste in der ganzen Truppe gewesen?

ProSieben zeigt drei Ausgaben von "Das Duell um die Welt – Team Joko gegen Team Klaas", samstags um 20.15 Uhr.

Über den Autor

Peer Schader arbeitet als freier Journalist in Berlin. Schrieb seine erste TV-Kritik 2000 über eine RTL-II-Fahrschuldokusoap (und danach noch ein paar mehr). Mag Fernsehen vor allem dann, wenn es sich richtig viel Mühe gibt, sein Publikum zu fesseln.

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