Zeig mir deine Welt © ARD/NDR
Das ist seine Kür

Wenig wärmt so wie Kai Pflaumes "Zeig mir deine Welt"

 

In der neuen Staffel „Zeig mir deine Welt“ trifft Kai Pflaume auf Menschen, die ihren hundertsten Geburtstag schon hinter sich haben. Das Ergebnis ist besonderes Fernsehen: Ehrlich, sympathisch und herzerwärmend.

von Thomas Lückerath
25.12.2018 - 12:56 Uhr

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Auf zwei besonderen Vorabend-Sendeplätzen zeigt Das Erste zu diesem Weihnachtsfest eine Fortsetzung von Kai Pflaumes Reihe „Zeig mir deine Welt“, produziert von Günther Jauchs Produktionsfirma i&u TV. Der ungewöhnliche Sendeplatz ist ein erstes Indiz für die Besonderheit des Programms. Kai Pflaume hat in mehr als einem Vierteljahrhundert im deutschen Fernsehen nun wahrlich schon so manches Formatierte moderiert und feiert mit den Shows „Wer weiß denn sowas“, „Kaum zu glauben“ oder „Klein gegen groß“ aktuell große Erfolge.



Von Pflicht und Kür: Dass man diese Shows eher als Pflichtaufgabe bezeichnet, hört Kai Pflaume nicht gerne. Er ist kurz vor Weihnachten zu Besuch in der DWDL.de-Redaktion und wiegelt bei dieser Deutung mit dem Kopf ab. Es ist ein non-verbales „Würde ich so jetzt nicht sagen.“ Aber dass „Zeig mir deine Welt“ eine Art Kür sei, da stimmt er zu. „Zeig mir deine Welt“ ist anders. Diese kleine aber feine Reihe ist kein Programmnachschub für vorgefertigte Sendeplätze. Es muss keine Lücke im Programmschema füllen, sondern - ganz im Gegenteil - sich selbst jedes Mal erst eine suchen.

Es begann im Juni 2013 mit einer vierteiligen Staffel, in denen Pflaume Menschen mit Down-Syndrom besuchte und setzte sich im Januar 2016 mit Besuchen bei unheilbar kranken Menschen fort. Die Sendeplätze wechselten. Mit den beiden Weihnachtsfeiertagen hat die dritte Staffel des Projekts aber das perfekte Umfeld. Diesmal besucht Kai Pflaume Menschen, die ihren hundertsten Geburtstag bereits hinter sich haben. Ein herzerwärmendes Generationen-Portrait zum Fest der Feste, an dem so manche Familien generationenübergreifend feiert.

„Wir wollen unterhalten“, schickt Kai Pflaume gleich vorweg, nachdem wir uns vorab die erste Sendung angeschaut haben. Es ist nicht schwer mögliche Kritik an dem Format zu antizipieren, denn die Protagonisten der dritten Staffel „Zeig mir deine Welt“ haben allesamt das große Glück, für ihr Alter recht fit und finanziell versorgt zu sein. Pflaume erklärt seinen Ansatz: „Ich möchte mit den Menschen sprechen und nicht über sie.“ Was ihn auch in der dritten Staffel des Formats, für das er schon den Bayerischen Fernsehpreis erhielt, so reizt, sind die unvoreingenommenen Begegnungen.

Natürlich sagt es indirekt auch viel über den Zustand des deutschen Fernsehens drumherum aus, wenn Pflaume großen Wert darauf legt, dass er die Protagonisten auch diesmal wirklich zum ersten Mal trifft, wenn die Kamera dabei ist. Kein vorheriges Kennenlernen, niemand tut hier so als ob. Wir reden über Glaubwürdigkeit. Mit ihm sei auch schon lange kein „verbotener Schuss“ mehr zu machen, wie Pflaume es nennt. Der 51-jährige Moderator kennt sich aus mit Dokutainment, hat schließlich auch 18 Jahre lang „Nur die Liebe zählt“ gemacht.

Der verbotene Schuss? Jeder kennt ihn. Die Protagonisten einer Homestory bzw. eines Beitrages öffnen dem Fernsehen überrascht die Tür - was mit dem Kameraschuss aus dem Inneren der Wohnung als Quatsch entlarvt wird. Kai Pflaume liefert stattdessen zusammen mit Executive Producerin Friederike Brost (i&u TV) einmal mehr ehrliches Fernsehen. Bei „Zeig mir deine Welt“ schaut auch mal jemand direkt in die Kamera - was sonst verpöhnt ist, wirkt hier sympathisch: So oft dürften diese Hundertjährigen noch nicht vom Fernsehen begleitet worden sein. Passiert halt mal.

Genau daraus zieht auch diese Staffel „Zeig mir deine Welt“ erneut ihren Charme: Hundertjährige lassen sich nicht sagen, was sie zu tun haben, können gar nicht beim zweiten Mal so tun als wäre es das erste Mal - und selbst die Gespräche nehmen zur sichtbaren Überraschung von Kai Pflaume manche nicht erwartbare Wendung. Es sind natürliche Unterhaltungen, wie sie sich spontan ergeben. Manchmal sind es Nichtigkeiten. Das ist es, was Pflaume meint, wenn er betont, man wolle unterhalten. Investigative Interviews zur sozialen Gesamtsituation Hundertjähriger in Deutschland - das wäre ein anderes Format.

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