Paradise Hotel © TVNow/Frank Fastner
DWDL.de-TV-Kritik

"Paradise Hotel": Wie TVNow jetzt RTL II Konkurrenz macht

 

Mit "Paradise Hotel" will TVNow weiter im Reality-Fahrwasser fischen. Die Show sorgt mit etablierten Mitteln und teils auch schon bekannten Personen für eine gute Trash-Unterhaltung. Damit macht man aber ausgerechnet RTL II Konkurrenz.

von Timo Niemeier
07.08.2019 - 00:01 Uhr

Um seinen Streamingdienst TVNow zu stärken, setzt die Mediengruppe RTL nicht mehr nur auf hochwertige Fiction, sondern auch auf eigenproduzierte Reality-Formate, die ausschließlich auf der Plattform zu sehen sein werden. Ganz neu im Angebot jetzt: "Paradise Hotel", das am Dienstagabend seine Premiere bei RTL feierte und in den kommenden Wochen ausschließlich bei TVNow läuft. Nach "Temptation Island", das eine zweite Staffel erhält, ist es die zweite Kuppelsendung von TVNow, die man guten Gewissens als "Guilty Pleasure" bezeichnen kann. 

"Paradise Hotel" erinnert inhaltlich aber vor allem an "Love Island" - und damit an ein Format, das bei RTL II und dadurch auch bei TVNow zu sehen ist. In der Sendung treffen sich Singles in einem luxuriösen Hotel in Mexiko und geben vor, die große Liebe zu finden. Am Ende bandeln zwei Singles miteinander an und eine(r) ist übrig und fliegt aus der Sendung. Wenn am Ende der Show noch ein Paar übrig ist, müssen sie sich entscheiden: Nehmen sie 20.000 Euro oder entscheiden sie sich für die Liebe? Wenn sich beide für die Liebe entscheiden, wird der Gewinn zwischen ihnen aufgeteilt. Entscheidet sich jedoch einer für die Liebe und der andere für Geld, geht der Liebeshungrige leer aus. 

Das Hotel in Mexiko sieht tatsächlich opulent aus und durch die Lage auf einem Berg entstehen schöne Bilder. Ansonsten bietet "Paradise Hotel" all das, was ähnliche Formate auch bieten. Und das ist vor allem eins: Trash. So müssen die Teilnehmer zu Beginn erst einmal alle in Einzelinterviews erklären, wie sie denn nun eigentlich zu Sex im Hotel stehen und was ihnen am jeweils anderen Geschlecht besonders gut gefällt. 

Um junge Zuschauer anzusprechen, muss man heute vor allem einen coolen Slang sprechen - das dachten sich wohl die Macher von Talpa. Aus dem Off wird jedenfalls angekündigt, dass neue Kandidaten, die nach und nach ins Hotel einziehen, bei den anderen Teilnehmern für ordentlich Trouble sorgen werden. Keiner von den "boys" und "ladies" könne sich "safe" fühlen. Und natürlich sind alle Kandidaten ganz schön "flirty". Nach den ersten paar Minuten ist dieses Bullshit-Bingo zum Glück überstanden. 

Paradise HotelZumindest die Location mutet paradiesisch an.

Aber auch die Kandidaten selbst sorgen für einige grammatikalische Aussetzer. Da wäre etwa Salvatore, der bereits bei "Temptation Island" einem großen Publikum bekannt geworden ist. Dort erklärte er bereits, wo für ihn Fremdgehen anfängt: "Es fängt da an, wo der Geschlechtsverkehr anfängt". Salvatore und seine damalige Freundin Christina waren das Highlight bei "Temptation Island", im "Paradise Hotel" sorgt der Möchtegern-Macker zu Beginn für weniger Furore. Dennoch hat Salvatore erneut große Ziele. Er sagt, dass er die Gruppe "aufmischen" und sich zum "Häuptling" hocharbeiten will. "Es geht mir um meine Ehre und die ist untastbar".

Von Wölfen und Flinten...

Auch die anderen Männer in der Sendung halten große Stücke auf sich. Germain etwa sagt, sein Spitzname sei "Wolf". Warum? Er schaut immer, welche Frau er als nächstes "erlegen" kann. Und später, als es um dunkle Geheimnisse der Kandidaten geht, sagt er, übrigens der Jüngste im Haus, dass Frauen "auf jeden Fall gehorchen" sollten. Aaron dagegen erklärt bereits früh, dass er "natural high" sei. Das ändert sich aber schlagartig, als er merkt, dass er bei seiner Auserwählten Dame in der ersten Nacht nicht landen kann. 

Doch auch die ein oder andere Frau dürfte beim geneigten Trash-Publikum gut ankommen. "Mein Traummann sollte rasiert sein. Auch unten rum", sagt eine von ihnen und legt direkt darauf nach: "Wenn ich erst einmal einen Mann vor der Flinte habe, will ich auch seine Flinte." Keine Frage: "Paradise Hotel" ist Trash-TV, das voll auf die Zwölf geht, derzeit aber voll im Trend liegt. Siehe "Sommerhaus" oder eben auch "Love Island". Den ersten Auszug gab es auch schon in der ersten Folge. Kevin, auf den gleich mehrere Frauen ein Auge geworfen hatten, ging es so schlecht, dass er sich die ganze Nacht übergeben musste. Nicht ausgeschlossen, dass er in den kommenden Ausgaben ein Comeback feiert. 

Insgesamt ist "Paradise Hotel" solide Reality-Unterhaltung, wenngleich auch mit bekannten Zutaten und zum Teil auch mit bekannten Gesichtern. Dadurch, dass das Format für TVNow gemacht wurde, kommt "Paradise Hotel" einen Hauch härter daher als andere Sendungen. Alles ist etwas direkter, auch bei der Musik im Hintergrund fallen auffällig viele Schimpfwörter. Damit will man wohl in erster Linie ein sehr junges Publikum ansprechen. Es bleibt aber die Frage, weshalb TVNow nun ausgerechnet RTL II Konkurrenz macht, das mit "Love Island" ein sehr ähnliches Format im Programm hat. Statt sich auf diese Art Konkurrenz zu machen, hätte TVNow ja auch einfach das von RTL nicht mehr fortgesetzte "Adam sucht Eva" produzieren können. Damit hätte man auch gleich eine etablierte Marke im Angebot gehabt. So dürften sich einige Zuschauer die Frage stellen, weshalb sie nun ein TVNow-Abo kaufen sollen. Finden sich bei "Paradise Hotel" aber tatsächlich Paare, hat TVNow künftig immerhin potenziellen Nachschub für neue "Temptation Island"-Staffeln. In diesem Sinne: Lasst die boys und ladies mal richtig trouble machen. 

Bei TVNow gibt es jeden Dienstag eine neue Ausgabe von "Paradise Hotel" zu sehen.

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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