Ready to beef © TVNow/Pervin Inan Sertas
DWDL.de-TV-Kritik

"Ready to beef": Der "Knife Fight Club" lässt grüßen

 

Mit "Ready to beef" hat Vox eine neue Kochshow gestartet, die ganz offensichtlich am "Knife Fight Club" angelehnt ist. Durch die Verwandlung in ein Primetime-Format ist nun einiges an Charme verloren gegangen.

von Timo Niemeier
15.11.2019 - 21:15 Uhr

Wenn es um Koch-Expertise im deutschen Fernsehen geht, ist Vox mit Sicherheit eine der ersten Anlaufstellen. Mit "Kitchen Impossible" hat man einen ganz wundervollen Koch-Wettstreit geschaffen, "Grill den Henssler" bietet etwas leichtere Unterhaltung und am Vorabend zeigt man im "Perfekten Dinner" auch, wie Normalos kochen. Vox ist beim Thema Kochen immer für Überraschungen gut. Das war auch 2018 so, als man mit "Knife Fight Club" eine Kochsendung am späten Donnerstagabend startete. Das Format hatte viel Charme aber leider zu wenig Zuschauer, um fortgesetzt zu werden. Doch die Sendung hat offenbar Eindruck hinterlassen, mit "Ready to beef" hat man nun nämlich eine neue Show gestartet, die ganz offensichtlich angelehnt ist an das inzwischen eingestellte Format. 

Bei "Ready to beef" sind, wie schon im "Knife Fight Club", Tim Mälzer und Tim Raue  die Haupt-Protagonisten. Eine weitere Gemeinsamkeit: Die beiden TV-Köche treten nicht gegeneinander an, sondern überlassen das Feld zwei anderen Profi-Köchen, die sich dem Wettkampf stellen. In drei Runden müssen sie Gerichte zaubern und dabei auch immer wieder ihre Flexibilität unter Beweis stellen, denn es gibt in jeder Runde Geheimzutaten. Das war auch 2018 so. 

Doch natürlich gibt es zwischen "Knife Fight Club" und "Ready to beef" Unterschiede - sonst hätte Vox das alte Format ja einfach fortsetzen können. Die wohl offensichtlichste: "Ready to beef" ist bewusst für die Primetime produziert. Während "Knife Fight Club" aus Mälzers Bullerei in Hamburg kam und eine intime Atmosphäre auf dem Sendeplatz um 22:15 Uhr bot, unter anderem durch ein Publikum, das nah dran war am Geschehen, ist "Ready to beef" eine Studio-Produktion. Das muss kein Nachteil sein, ist im direkten Vergleich aber auch kein Pluspunkt. Es ist einfach ein bekanntes Setting. 

Die Tatsache, dass man sich die Moderatorin (damals war es Annie Hoffmann) gespart hat, ist nur folgerichtig. Hoffmann hatte schon damals kaum etwas zu tun, nun übernehmen Mälzer und Raue das Ruder komplett. Dabei agiert Mälzer als Moderator und Raue als Juror, Mälzer ist aber kein gelernter Moderator und das merkt man selbstverständlich. Er spult seine Texte gerade zu Beginn zwar routiniert ab, locker wirkt es dabei aber nicht. Zudem fällt er anfangs in einen Monolog. "Das läuft doch ganz geil bislang", sagt er nach einem sprachlichen Marathon, ohne das Raue auch nur einmal zu Wort kam - nicht einmal kurz nach seiner Vorstellung. Fast wirkt es so, als sei Raue der Schuljunge, der sich vom Lehrer Mälzer die Welt erklären lässt. 

Dieses Missverhältnis löst sich glücklicherweise im Verlauf der Auftaktausgabe "Ready to beef" recht schnell auf, Mälzer und Raue beginnen irgendwann, auf Augenhöhe zu agieren. Dabei bekommen die Zuschauer das, was sie wohl ohnehin erwarten, wenn sie eine Kochshow mit Mälzer und Raue sehen: Derbe Sprüche und Sticheleien. "Da juckt die Faust", sagt Mälzer zu Raue, der in seinem Jury-Sessel über dem Geschehen thront. Als Raue irgendwann urteilt, einer der Teller fühle sich schon sehr "disparat" an, kann Mälzer dem nur ein "Hä?" entgegnen. "Es ist leicht getrennt voneinander", erklärt Raue. "Digga, ist Vox, ne?", fährt es aus Mälzer heraus. Von diesen spontanen Schlagabtäuschen darf es gerne mehr geben. Grundsätzlich wäre es sicherlich aber auch spannend gewesen, Mälzer und Raue noch einmal gleichberechtigt einen Platz in der Show zu geben. Vielleicht wären da noch mehr Reibereien zwischen den beiden entstanden. 

Ready to beefDas "Ready to beef"-Studio.

Im Vorfeld versprach Vox den Zuschauern, bei "Ready to beef" wären die Köche "umringt von fiebernden Food-Fans, die den Ort des Geschehens in einen Hexenkessel verwandeln." Das war von der PR-Abteilung wahrscheinlich noch vor der Produktion geschrieben - oder schlicht aus der Pressemappe zum "Knife Fight Club" kopiert. Dort gab es tatsächlich die Hexenkessel-Stimmung, durch Zuschauer, die direkt um Mälzer und Raue, die damals als Juroren fungierten, herumstanden und damit direkt den Köchen zusehen konnten. Um das neue Format Primetime-tauglich zu machen, ist man mit "Ready to beef" aber ins Studio gegangen. Hier sitzt das Publikum auf Tribünen. Zwar ist die Stimmung gut, von einem Hexenkessel ist man aber noch ein gutes Stück entfernt. Aber immerhin gibt’s Freibier für die Zuschauer vor Ort. 

Sehr sehenswert ist es bei "Ready to beef" immer, wenn die Köche aufgrund der kurzen Rundenzeiten ins Schwitzen kommen. Eine Lammkeule innerhalb von zehn Minuten zuzubereiten ist eben eine Herausforderung. Nach einer weiteren zehn- und einer zwanzigminütigen Runde ist "Ready to beef" auch schon wieder vorbei. Das ist durchaus kurzweilig, aber vom Charme, den der "Knife Fight Club" hatte, ist leider viel verloren gegangen bei der Produktion von Endemol Shine Germany. Da ist es dann eben auch ein bisschen gelogen, wenn Mälzer von der "besten Kochsendung im deutschen Fernsehen seit ‘Kitchen Impossible’" schwärmt. Dennoch hat man eben diese Sendung bereits vor der Ausstrahlung für eine zweite Staffel verlängert (DWDL.de berichtete). 

Vox zeigt "Ready to beef" ab sofort immer freitags zur besten Sendezeit ab 20:15 Uhr. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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