Sky-Mikrofon © imago images / Poolfoto
DWDL.de-Kommentar

Bundesliga: Sky ist mit einem blauen Auge davongekommen

 

Ab 2021 wird Sky abermals weniger Bundesliga-Spiele zeigen - doch es hätte für den Sender viel schlimmer kommen können. Gut möglich sogar, dass Sky absichtlich sparte, um sich die Formel 1 leisten zu können. Über Gewinner und Verlierer des Rechte-Pokers...

von Alexander Krei
22.06.2020 - 23:24 Uhr

Es ist nicht neu, dass Sky bei der Vergabe der Bundesliga-Rechte regelmäßig unter Druck steht, schließlich ist die oberste deutsche Fußball-Klasse für den Bezahlsender noch immer das zentrale Argument, um einen großen Teil seiner Abonnenten zu halten. Dass der Druck in Unterföhring diesmal besonders groß gewesen sein muss, hängt mit der Champions League zusammen, deren Rechte man jüngst verloren hat. Vom kommenden Jahr an steht Sky ohne die Königsklasse da. Wäre nun auch noch die Bundesliga abhanden gekommen, hätte Sky im Sport-Bereich vor einem Scherbenhaufen gestanden. 

Nun, da die Bundesliga-Rechte vergeben worden sind, dürfte die Erleichterung entsprechend groß sein. Sky ist mit einem blauen Auge davongekommen. Die Zahl der Spiele, die man ab der Saison 2021/22 übertragen darf, ist zwar abermals geschrumpft, doch das Filetstück - der Samstag mit Konferenz und Einzelspielen um 15:30 Uhr sowie dem oft hochklassigen Topspiel um 18:30 Uhr - bleibt da, wo es auch bisher schon ist. Die wichtigste Botschaft aus Sicht des Pay-TV-Platzhirschen: Wer die Bundesliga live sehen möchte, kommt auch in Zukunft kaum an einem Sky-Abo vorbei.

Gut möglich, dass Sky auf das zweite große Paket, das sämtliche Freitags- und Sonntagsspiele umfasst und dem Konkurrenten DAZN zugesprochen wurde, gar nicht so erpicht war - im Zweifel hätte man es schließlich ohnehin mit einem weiteren Anbieter teilen müssen. So aber dürfte die Portokasse so gut gefüllt gewesen sein, dass es Sky im Gegenzug möglich war, die Preise der Formel-1-Rechte derart explodieren zu lassen, dass sich RTL nach fast drei Jahrzehnten entnervt aus dem Motorsport-Zirkus zurückzog. Es ist ein riskanter Poker, schließlich ist gar nicht klar, ob in Zukunft überhaupt noch ein deutscher Fahrer im Feld sein wird. Allerdings ist Sky durch die Formel 1 zumindest in der Lage, seinen Abonnenten neben der 2. Liga auch sonntags attraktiven Live-Sport anzubieten.

DAZN wiederum darf sich als größter Gewinner des Pokers sehen. In dieser Saison eher unverhofft zu den Live-Rechten gekommen, kann der Streamingdienst ab dem kommenden Jahr so viele Bundesliga-Spiele zeigen wie noch nie - und zusammen mit der Champions League besitzt man ein weiteres gutes Argument, um neue Kunden zu gewinnen. Mit atttraktivem Live-Fußball am Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag hat sich DAZN endgültig in die erste Reihe katapultiert.

Weniger Geld für die DFL

Und Amazon? Viel war hineininterpretiert worden, als der US-Riese vor wenigen Wochen kurzerhand in die Übertragung der Bundesliga einstieg, als Eurosport inmitten der Corona-Krise endgültig die Lust verging. Die Bundesliga wäre ein schönes Add-on für Prime-Kunden gewesen, zumal man diesen künftig bereits die Champions League anbieten wird. Doch aus dem Umfeld von Amazon ist zu hören, dass man angesichts des Champions-League-Deals gar nicht ernsthaft an der Bundesliga interessiert gewesen ist. Fakt ist, dass Amazon in Zukunft auch die Audio-Rechte nicht mehr halten wird - der Ausflug in die Bundesliga war rückblickend betrachtet also ein kurzes Intermezzo.

Weil das große Wettbieten mit Amazon oder der Deutschen Telekom ausblieb, kann die Deutsche Fußball-Liga (DFL) letztlich auch keine neuen Rekord-Einnahmen verbuchen. Unterm Strich fließt sogar etwas weniger Geld als vor vier Jahren, sodass die Liga im internationalen Vergleich zurückfallen wird. Corona dürfte darüber hinaus aus Sicht der DFL zur Unzeit gekommen sein - in der Krise hält so mancher sein Geld wohl lieber beisammen. Und doch ist man vor diesem Hintergrund mit dem erzielten Ergebnis noch einigermaßen glimpflich davongekommen sein.

Mit Blick aufs Free-TV sorgte derweil vor allem Sat.1 für eine Überraschung. Der Erwerb des Live-Pakets mit neun Spielen pro Saison dürfte dem seit Jahren unter sinkenden Quoten leidenden Privatsender wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Die Ankündigung von ProSiebenSat.1, das klassische TV-Geschäft wieder mehr ins Zentrum zu rücken, wurde damit eindrucksvoll untermauert - und ist zugleich ein Zeichen an den Mitbewerber aus Köln, der nur einen Tag zuvor ankündigte, den Fokus auf den Fußball richten zu wollen. Zumindest bei der Bundesliga spielt RTL in den nächsten Jahren jedenfalls keine Rolle mehr. 


Auch Sport1 sendet ein deutliches Lebenszeichen. Nach vier Jahren ohne Zweitliga-Fußball kehrt das wöchentliche Topspiel wieder zurück ins Free-TV. Das ist gut für den Sender, aber auch für die Liga selbst, deren Präsenz durch den kompletten Rückzug hinter die Bezahlschranke zuletzt doch arg gelitten hat. Ob der Samstagabend der ideale Termin für die 2. Bundesliga ist, wird sich allerdings erst noch herausstellen müssen. Gespannt sein darf man auch, wie Axel Springer die Möglichkeit nutzen wird, schon unmittelbar nach Abpfiff erste Bilder der Bundesliga-Spiele zeigen zu können. Hinsichtlich der Bewegtbild-Pläne von "Bild" dürften die Rechte äußerst gelegen kommen.

Und dann ist da auch noch die "Sportschau", deren Position gestärkt wurde, indem sich die ARD auch noch die Rechte an den Zusammenfassungen der Zweitliga-Partien sicherte - was dem späten Freitagabend ebenso helfen wird wie der gerade erst verlängerten "Sportschau" am Sonntag. Auch das ist im Übrigen gut für die 2. Liga, schließlich erwies sich die Kooperation zwischen Sky Sport News HD und Sport1 zuletzt eher als Krücke. Alles in allem hat die Rechte-Vergabe damit mehr Gewinner als Verlierer hervorgebracht.


Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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