© ProSiebenSat.1
Red-Arrow-CEO Jan Frouman

"Den Fokus wieder stärker auf lokale Inhalte setzen"

 

Mit neuer Struktur und neuem Namen geht's nach Cannes: Jan Frouman, CEO von Red Arrow Studios, will auf der MIPTV die international erfolgreichen Serien seines Hauses ins Schaufenster stellen. Im Hintergrund läuft derweil die Integration von Studio 71.

von Alexander Krei
07.04.2018 - 12:44 Uhr

Zu den letzten Amtshandlungen von Thomas Ebeling als Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1 gehörte eine neue Struktur, die er dem Konzern verordnete. Teil des Umbaus ist der Bereich Content Production & Global Sales, in dem ProSiebenSat.1 die Red Arrow Entertainment Group mit dem hauseigenen Multi-Channel-Netzwerk Studio 71 zusammenlegt. Red Arrow Studios lautet der neue Name. Die digitalen Video-Angebote werden also ins klassische Produktionsgeschäft und die internationalen Vertriebsnetze integriert. Es ist also einiges anders, wenn die ProSieben-Delegation in diesen Tagen zur Fernsehmesse MIPTV nach Cannes reisen wird.

"Das Digitalgeschäft von Studio71 ergänzt das Portfolio von Red Arrow optimal, auch wenn wir aus unterschiedlichen Richtungen des Produktionsgeschäfts zusammenkommen", erklärt Jan Frouman, der nicht nur als CEO und Chairman der Red Arrow Studios fungiert, sondern zugleich auch im ProSiebenSat.1-Vorstand sitzt, im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. "In dieser Aufstellung können wir Sendern, Plattformen und Marken heute integrierte 360-Grad-Angebote machen: von der Kreation über die Produktion von digitalen und linearen Inhalten bis hin zu Branded-Content und Influencer Marketing sowie neuen Distributionsmöglichkeiten."

Zugleich soll der sogenannte Talentpool von Studio71 effektiver genutzt werden. "2018 steht für uns deshalb an erster Stelle, Studio71 so in das Red-Arrow-Netzwerk zu integrieren, dass wir alle möglichen Synergien ausschöpfen können", so Frouman, der das gesetzte Ziel klar formuliert: "Wir wollen Red Arrow Studios als einen führenden Anbieter für Talent, Produktion und Vertrieb von Digital- und TV-Inhalten etablieren." Bei der nun anstehenden MIPTV will Frouman aber zunächst international erfolgreichen Serien wie die niederländische Comedy "De Luizenmoeder" ins Schaufenster stellen. Letztere verzeichnete jüngst bei unseren Nachbarn Rekord-Quoten und soll auch für Sat.1 adaptiert werden (DWDL.de berichtete).

"Der letzte Bulle", "Danni Lowinski" - und sonst?

Stolz ist man bei Red Arrow Studios auch auf die lateinamerikanische Adaption von "Der letzte Bulle", die von ihnen, ebenso wie "Bosch" für Amazon, produziert wird. Jüngst gelang es sogar, "Danni Lowinski" an den US-Sender NBC zu verkaufen. Wäre mit Blick auf die internationale Distribution daher ein stärkeres Engagement der deutschen Sender im Serien-Bereich nicht wünschenswert? "ProSiebenSat.1 hat sich bereits klar dafür ausgesprochen, den Fokus wieder stärker auf lokale Inhalte zu setzen, dazu zählen auch Serien", sagt Red-Arrow-Studio-Boss Jan Frouman dazu gegenüber DWDL.de. Man arbeite dafür eng mit den Sendern zusammen und überlege "ständig, welche Formate aus unserem internationalen Netzwerk auch ins deutsche Programm passen könnten".

Abseits der Fiction soll aber auch das Formatgeschäft weiter vorangetrieben werden. Hier verweist Frouman mit "State of Hate" und "Buying Blind" auf zwei Realityshows der dänischen Tochter Snowman, die schon für die erfolgreichen Formate "Hochzeit auf den ersten Blick" und "Kiss Bang Love" verantwortlich zeichneten. In "State of Hate" treten beispielsweise Tieraktivisten gegen Tierjäger, Homosexuelle gegen Homophobe oder Nationalisten gegen Einwanderer an. Bei "Buying Blind" stehen Familien im Mittelpunkt, die ihre Ersparnisse in die Hände von Experten legen, um ein neues Zuhause zu kaufen, ohne es jemals gesehen zu haben.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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