Knapp eineinhalb Monate ist es nun her, dass sich Paramount Skydance in der Bieterschlacht um Warner Bros. Discovery doch noch gegen Netflix durchsetzte, das eigentlich schon im vergangenen Jahr einen Deal mit der Warner-Führung um David Zaslav über den Kauf des Studio- und Streaming-Geschäfts abgeschlossen hatte. Dass der Streamer eines der traditionsreichsten Hollywood-Studios übernimmt, hatte zuvor in der Branche schon große Sorgen ausgelöst – dass nun zwei große Hollywood-Studios fusionieren, stößt aber kaum auf mehr Gegenliebe. Nun hat sich nochmal Widerstand formiert.
Der kommt nun mit etwas Verzögerung, die Initiatoren von #BlockTheMerger weisen aber darauf hin, dass es noch keinen "Done Deal" gebe, dass also zwar die Führung von Paramount und Warner die Übernahme ausgehandelt haben, diese aber aufgrund noch ausstehender Genehmigungen noch nicht in trockenen Tüchern ist. Da auf Bundesebene angesichts der Nähe der Ellison-Familie zu Donald Trump eher nicht mit einer Blockade gerechnet wird, ruhen die Hoffnungen insbesondere auf einzelnen US-Bundesstaaten - namentlich vor allem auf Rob Bonta, dem kalifornischen Generalstaatsanwalt, der bereits vor längerem eine kritische Prüfung angekündigt hatte.
Nun wurde ein Offener Brief veröffentlicht, mit dem mittlerweile rund 1.500 Unterzeichner ihre "entschiedene Ablehnung" des Paramount-Warner-Deals zum Ausdruck bringen, darunter zahlreiche prominente Namen von vor und hinter der Kamera: Produzenten, Schauspielerinnen, Dokumentarfilmer ebenso wie Fachleute aus unterschiedlichsten Bereichen der Film- und TV-Branche. "Diese Transaktion würde eine bereits stark konzentrierte Medienlandschaft weiter konsolidieren und den Wettbewerb in einer Zeit einschränken, in der unsere Branchen – und das Publikum, das wir bedienen – dies am wenigsten verkraften können", heißt es darin. "Die Folge wären weniger Möglichkeiten für Kreative, weniger Arbeitsplätze im gesamten Produktionsökosystem, höhere Kosten und eine geringere Auswahl für das Publikum in den Vereinigten Staaten und weltweit."
Frühere Konsolidierungswellen hätten bereits dazu geführt, dass immer weniger Filme produziert würden - und die Art von Geschichten, die es noch auf die Leinwand schaffen, habe sich verengt. "Zunehmend bestimmt eine kleine Anzahl mächtiger Unternehmen, was produziert wird – und zu welchen Bedingungen –, wodurch Kreativen und unabhängigen Unternehmen immer weniger tragfähige Wege bleiben, um ihre Arbeit aufrechtzuerhalten." Wettbewerb aber sei für eine gesunde Wirtschaft und eine gesunde Demokratie unerlässlich, ebenso wie eine durchdachte Regulierung. "Die Medienkonsolidierung hat bereits eine der wichtigsten globalen Branchen Amerikas geschwächt – eine Branche, die seit langem die Kultur prägt und Menschen auf der ganzen Welt verbindet."
Abschließend heißt es im Offenen Brief: "Glücklicherweise unternimmt jemand etwas dagegen. Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta und seine Kollegen in anderen Bundesstaaten prüfen Berichten zufolge die Fusion und erwägen rechtliche Schritte, um sie zu verhindern. Wir sind dankbar für ihre Führungsrolle und stehen bereit, alle Bemühungen zu unterstützen, den Wettbewerb zu erhalten, Arbeitsplätze zu schützen und eine lebendige Zukunft für unsere Branche, für die amerikanische Kultur und für unser wichtigstes Exportgut zu sichern."
Paramount hat darauf mit einem Statement: "Wir nehmen die Bedenken, die einige Mitglieder unserer kreativen Gemeinschaft geäußert haben, zur Kenntnis und verstehen sie; wir respektieren das Engagement für den Schutz und die Förderung von Kreativität", heißt es darin. "Vor allem wissen wir als Kreative aus eigener Erfahrung, dass die Branche derzeit mit erheblichen Umbrüchen konfrontiert ist – und dass der Bedarf an starken, kreativitätsorientierten und kapitalkräftigen Unternehmen, die weiterhin in das Geschichtenerzählen investieren können, noch nie so groß war wie heute."
Im Folgenden wiederholt man die Argumente, mit denen man schon im Vorfeld des Deals um die Gunst der Branche gebuhlt hatte. So verpflichte man sich dazu, mindestens 30 hochwertige Spielfilme im Jahr für die Kinoauswertung zu produzieren, weiter Lizenzen für Inhalte zu vergeben und ikonische Marken unter unabhängiger Führung zu bewahren. Durch den Zusammenschluss vereinige man zwei Unternehmen mit komplementären Stärken, das nach der Fusion mehr Projekte genehmigen und mehr mutige Ideen fördern könne. Ob das angesichts des extrem hohen Schuldenbergs nach der 110 Milliarden Dollar schweren Übernahme und der notwendigen Hebung von Synergien auch tatsächlich so kommt, daran herrschen nicht nur in Hollywood offenbar Zweifel.
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