Hätte nicht schon eine Entscheidung fallen müssen? In der Tat wartet man in der Branche in diesen Tagen nicht minder gespannt als bei RTL Deutschland selbst auf die Entscheidung der EU-Kommission: Darf die Bertelsmann-Tochter das Geschäft von Sky Deutschland übernehmen? Am 27. Juni vergangenen Jahres machte man die Absicht und Einigung mit Comcast öffentlich - vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden, was angesichts der Tragweite über den deutschen Markt hinaus ein europäisches Thema ist.
Es geht um die Gunst der EU-Kommission, die darüber zu befinden hat, ob das Vorhaben wettbewerbsrechtlich unproblematisch ist. Entsprechend sorgfältig und bedacht wurden seitdem Gespräche geführt und Argumente zusammengetragen. Zu wichtig ist der Deal für die Streaming-Strategie von RTL Deutschland, aber auch die Position des TV/Streaming-Geschäfts innerhalb des Bertelsmann-Konzerns, der selbst vor einem Führungswechsel steht. Entsprechend lang wurde vorbereitet, erst am 27. Februar dieses Jahres die Übernahme dann auch offiziell bei der Europäischen Kommission angemeldet.
Eine erste, vorläufige Frist, die sogenannte Provisional Deadline, war damit gesetzt: Bis zum 8. April müsste die EU-Kommission reagieren. Doch erst einmal ist nichts passiert. Warum? Darüber gibt es unterschiedliche Aussagen mit dem gleichen Kern: Aufgrund eines zwischenzeitlichen Austauschs zwischen RTL und EU-Kommission wurde die Deadline automatisch um 14 Tage verlängert - bis zum 22. April. Worum es bei dem Austausch ging? Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete Ende März von Zugeständnissen seitens RTL bei Vermarktungsthemen.
Äußern wollte sich dazu niemand. "Wir arbeiten konstruktiv mit der Europäischen Kommission zusammen und sind zuversichtlich, dass die Übernahme von Sky Deutschland in der ersten Hälfte des Jahres 2026 genehmigt und abgeschlossen wird“, hieß es Ende März dazu seitens RTL. Mindestens muss es jedoch Nachfragen der EU-Kommission gegeben haben, die zur Fristverlängerung geführt haben. Im Interview mit DWDL.de sprach RTL Deutschland-CEO Stephan Schmitter am 30. März auch schon von einer Entscheidung im Thema „Ende April“.
Kommt also das finale Urteil über die größte Veränderungen im deutschen TV-Markt in den kommenden sieben Tagen? Das fragen sich gerade Beobachterinnen und Beobachter ebenso wie RTL Deutschland selbst. Alle Führungskräfte von Bertelsmann wie RTL Group bzw. RTL Deutschland haben die Hoffnung und Zuversicht geäußert, dass der Deal im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden könnte. Stephan Schmitters Wunsch: Ein Start des gemeinsamen Medienhauses zum Start der neuen Bundesliga-Saison.
Dafür müsste das grüne Licht aus Brüssel, mit wie auch immer gearteten Auflagen, in den nächsten sieben Tagen erfolgen. Worst Case Szenario für RTL Deutschland wie Bertelsmann: Die EU-Kommission sieht mehr Klärungsbedarf als die verlängerte Frist ermöglicht. Damit würde eine Entscheidung jedoch erstmal um Monate vertagt und damit der angestrebte Zeitplan torpediert. Kein Wunder, dass die Anspannung bei RTL Deutschland in diesen Tagen enorm ist.
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