Falls man beim BR gehofft hatte, der Wirbel rund um das Reportagemagazin "Klar" und Moderatorin Julia Ruhs würde sich legen, so hat sich das zumindest nach der ersten Folge noch nicht bewahrheitet. Die Folge, in der es um Islamismus in Deutschland ging, löste vor allem bei Eltern von Kindern einer Schule, an der das "Klar"-Team für die Folge drehte, massive Kritik aus. Der BR hat die Folge nun überarbeitet und Szenen entfernt, andere wurden verpixelt. 

Zuerst hatte die Wochenzeitung "Der Freitag" über die Vorgänge berichtet. Konkret geht es um eine rund dreiminütige Sequenz in der von Julia Ruhs präsentierten Folge. Darin wurde erklärt, dass Kinder anderen Kindern an der Elbe-Schule in Neukölln während des Fastenmonats Ramadan das Essen verbieten wollten. Auch die Schulleiterin kam zu Wort, sie stellte sich gegen dieses Vorgehen und verfasste einen entsprechenden Brief an die Eltern. 

Später wurde die Schule in dem Beitrag noch als "Vorzeigeschule" bezeichnet und erklärt, dass es eine "Friedenspause" gebe, um über Toleranz zu sprechen. Einige Kinder sangen dann auch noch das Schullied, mit dem Toleranz gefördert werden soll. Die Szene mit den singenden Kindern ist mittlerweile nur noch verpixelt zu sehen. Der Ausschnitt, in der verschiedene Kinder zuvor über das Thema Fasten sprechen, wurde komplett aus der Folge geschnitten. 

Laut "Der Freitag" werfen mehrere Eltern dem BR vor, ihre Kinder durch eine "manipulative Wiedergabe ihrer Aussagen zur Illustration eines vorgefertigten politischen Narrativs missbraucht zu haben". Sie kritisieren, dass ein Bild entstanden sei, das die Realität an der Schule nicht korrekt wiedergebe. Die Schule sei von der Redaktion angefragt worden, weil sie in der Vergangenheit Spannungen erfolgreich gelöst habe. Das komme aber nicht vor, stattdessen gehe es vor allem darum, dass Kinder anderen Kindern das Pausenbrot verbieten wollten. 

Eine Mutter erklärte demnach gegenüber dem "Freitag", dass es von der Schule hieß, es gehe um einen Beitrag über Diversität an Neuköllner Schulen. Und auch die Schulleiterin habe nach Angaben des "Freitag" nicht gewusst, in welchem Zusammenhang genau gedreht wird, sie fühle sich "in einem populistischen Kontext instrumentalisiert". Spätestens hier gehen die Darstellungen der verschiedenen Seiten auseinander. 

Der BR teilt gegenüber DWDL.de mit, dass die Redaktion die Schule von Beginn an "klar über den Fokus der Dreharbeiten" informiert habe. Dieser lautete demnach: "Fasten im Ramadan als Konfliktthema auf dem Schulhof und die Bedeutung religiöser Toleranz". Der Beitrag zeige einerseits frühere Konflikte an der Schule und andererseits auch, wie sich die Schule seither für Toleranz einsetze. Ob diese neue Toleranz ausreichend dargestellt wird, kann man diskutieren. Viel mehr stellt sich aber wohl die Frage: Hat der BR wirklich, wie er es sagt, von Beginn an transparent über die Richtung des Beitrags informiert? Und ist das von der Schulleitung auch so an die Eltern weitergegeben worden? 

Die Bearbeitung der Folge, also das Löschen bzw. Verpixeln einiger Szenen, erklärt der BR mit den Eltern, die ihr Einverständnis im Nachhinein zurückgezogen hätten. "Die Eltern haben in Dreharbeiten mit ihren Kindern schriftlich eingewilligt. Nachdem einzelne Eltern ihre Zustimmung im Nachgang widerrufen haben, haben wir umgehend reagiert und entsprechende Szenen in unserem Film entfernt oder unkenntlich gemacht. Denn der BR nimmt den Schutz von Minderjährigen sehr ernst und respektiert die elterliche Fürsorge."