„Köln ist eine Stadt der Geschichten“, sagt Oberbürgermeister Torsten Burmester am Montagabend auf der Bühne des Cinenova-Kinos in Köln-Ehrenfeld. Seine liebste Story aus der Domstadt - da er den Alterschnitt beim Seriencamp ja offensichtlich erheblich hebe - sei die des Kölner „Tatort“ - und das besonders wegen der einst so legendären Schlussszene mit Currywurst und Philosophie vor Domkulisse. „Der ‚Tatort‘ steht stellvertretend für viele Serien made in Cologne, die zwei Dinge beweisen: Nämlich einmal, dass diese Stadt eine wunderbare Kulisse abgibt und zweitens, dass hier vor und hinter der Kamera handwerklich erstklassig gearbeitet wird.“

Man biete die kulturelle Vielfalt und Offenheit, von der Storytelling in Film und Fernsehen leben. Das Seriencamp sei ein Gewinn für Köln. Eine wenig überraschende Aussage eines Kölner Oberbürgermeisters natürlich. Und doch: Der neue Kölner Oberbürgermeister vermittelt bei seinem ersten Seriencamp-Auftritt ein Interesse an der Medienwirtschaft am Standort, wie es seine Amtsvorgängerin erst sehr spät und zaghaft entwickelt hat. Gut gebrieft, sicherlich, aber auch mit Überzeugung vorgetragen, ergänzt Burmester: „Storytelling, meine Damen und Herren, berührt die Menschen und ist in diesen Zeiten notwendig, dass sie Halt finden. Halt finden in einer Gesellschaft, die unübersichtlich geworden ist und auch deshalb ist diese Branche so wichtig für die Demokratie“ Und schließt seine Grußworte mit der Botschaft an die Kreativen und geladenen Gäste des Eröffnungsabend: „Ich bin stolz, dass sie hier sind.“

Walid Nakschbandi © DWDL.de / Lückerath Walid Nakschbandi
Kurz und knackig folgte danach Walid Nakschbandi, Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung: „In Köln gibt es ja den schönen Satz, dass die Luft hier in Köln zu 20 Prozent aus Sauerstoff besteht und zu 80 Prozent aus „Jeföhl“ - und wenn man zum Seriencamp kommt, dann sieht man, wie stimmig dieser Satz ist. Mit diesem guten Gefühl kann das Seriencamp starten.“ Ein Festival bzw. eine Fachkonferenz, wie es nur am Rhein stattfinden könne. „Mir sagte eben einer draußen im Foyer: ‚Das ist ein Festival ohne Chichi‘ - und ich kann aus diversen Erfahrungen sagen, dass das stimmt.“

Statt dem bekannten Führungstrio des Seriencamps, war diesmal nur ein Duo beim Moderator des Abends, Dominik Porschen, auf der Bühne. Simone Schellmann hat sich ganz persönlich um den Serienfan-Nachwuchs der Zukunft gekümmert „und ist wahrscheinlich erstaunt, dass wir es hinbekommen haben“, scherzt Co-Geschäftsführer Malko Solf, verbunden mit den besten Grüßen an sie - und einem Dank an Team und Partner, darunter neben der Staatskanzlei NRW auch die Film- und Medienstiftung NRW. „Wir würden das mit Euch auch noch weiter ausbauen und schauen, wie wir das die nächsten Jahre nochmal eine kleine oder große Stufe höher schieben können", so Malko Solf in Richtung Walid Nakschbandi. Zu den weiteren Partnern des Seriencamp Festivals zählen in diesem Jahr ZDFneo, arte, RTL+, WDR und Disney+ sowie die Kolleginnen und Kollegen von TheSpot Media & Film. Partner der Seriencamp Conference sind in in diesem Jahr u.a. ZDF Studios, Deadline, Fiction Magnet, Warner Bros., UFA und das Medienmagazin DWDL.de

Maier Solf © DWDL.de / Lückerath Gerhard Maier, Dominik Porschen, Malko Solf
Gerhard Maier, künstlerischer Leiter & Programmchef von Festival und Conference, hob den Ausbau des Programms hervor, einerseits beim Seriencamp aber auch drum herum: Mit dem Branchenforum Story Vision Europe vorher und der Seriencamp-eigenen Verlängerung in Form der Plot Next-Konferenz zu Storytelling über Serien hinaus. Bei den Pitches des Seriencamps, neben den Screenings und Panels ein Kernbestandteil, habe es in diesem Jahr mehr als 500 Einreichungen gegeben. Zur inhaltlichen Ausrichtung erklärt Maier: „Für uns ist natürlich auch immer wichtig, in Zeiten, in denen es vielleicht der Branche nicht so gut geht oder zu gehen scheint wie noch vor einigen Jahren nicht in Doom and Gloom zu verfallen sondern aufzuzeigen, wie die Probleme woanders gelöst werden und was lässt sich davon vielleicht adaptieren.“

Er bekräftigt die Aussage von Kölns Oberbürgermeister Burmester zur Relevanz von Storytelling - gerade aus diversen Perspektiven und unterstreicht es mit einer sehr bewusst gewählten Formulierung, die Fans einer bestimmten Radiowelle des WDR im Publikum hörbar begeistert quittierten: „Ich denke auch, gerade in Zeiten, wo man den Eindruck hat, dass es an der einen oder anderen Stelle weniger cosmo…politisch wird, sollten wir auf Pluralismus, Vielfalt und Optimismus setzen. Das versuchen wir beim Seriencamp umzusetzen.“

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