Was wirklich witzig ist oder etwas internationaler formuliert: What’s so funny? Schwer zu sagen… Wer sich die Frage allerdings in Wohnzimmeratmosphäre mit Kollegen, Bier und polyglott statt deutsch übertitelt beantworten möchte, schafft schon mal ziemlich gute Voraussetzungen dafür, „Humor als Standpunkt“ zu erklären. So lautet der Untertitel eines prominent besetzten Panels, das gestern zwar am Rand des Kölner Seriencamps stattfand, dort allerdings für Aufsehen sorgte.

Anstelle der erwarteten 65 Gäste standen nämlich zwei Dutzend mehr von ihnen vorm „Bahnhaus“ genannten Konferenzraum, um „zwei Titanen“ der deutschsprachigen Comedy zu erleben, wie sie die btf-Produzentin Jule Evert als dritte im Bunde bezeichnet. Der eine – Arne Feldhusen – konterkarierte die Biedermeier-Komik Made in Germany Anfang des neuen Jahrtausends durch ihre Nemesis „Stromberg“. Der andere – David Schalko – trampelte mit seiner morbiden Pathologie-Groteske „Aufschneider“ genüsslich durch die Trümmer der heimischen Lustspieldösigkeit. In Köln nun sollte der Schleswig-Holsteiner mit dem Niederösterreicher dieses hochkomplizierte Metier erläutern.

Und das taten sie – am frühen Nachmittag schon mit Beck’s und Serien zur Hand – in der kommunikativen Heiterkeit all ihrer Komödien. Arne Feldhusen etwa hatte sein Guerilla-Format „Das Manko“ im Gepäck, David Schalko die Fortsetzung der legendären Landposse „Braunschlag“. Gemeinsam plauderten sie fröhlich durch den rheinischen Frühsommer. Aber wer nun denkt, bierselige Lockerheit käme der analytischen Tiefe ins Gehege, irrt. Denn so launig die Stimmung im tapezierten Ambiente auch war: Feldhusen und Schalko sind angereist, um Fernsehfrohsinn verständlicher zu machen.

Oder wie es Jule Everts von der humorbegabten Kölner bildundtonfabrik ausdrückt: „Comedy braucht keine Punchlines“, sondern sinngemäß: Gutes Timing unter Publikumsbeobachtung. Das also, was die Arbeit ihrer titanischen Podiumspartner kennzeichnet. David Schalko zum Beispiel wollte „immer Tragik, die komisch wird“, in deren „Grenzbereichen“ obendrein das Unerwartete lauert, die Quintessenz hintersinniger Witze. „Doppelstandards sind lustig“ sagt er noch. Langeweile auch. Und dass es leichter sei, Menschen zum Weinen als zum Lachen zu bringen.

Arne Feldhusen versichert derweil, Humor erzähle „immer vom Scheitern“ und bricht ein paar Lanzen dafür, kleine Budgets – so gerne er auch die großen mag – als Chance anstatt Bürde zu begreifen. Schon weil mit Etats in aller Regel auch die redaktionelle Kontrollsucht wächst. Und damit zum „Manko“, ein ZDF-Experiment, in dem elf Figuren wie einst Jacques Tati anstelle großer Worte nur Geräusche machen – wenngleich mit größtmöglicher Dringlichkeit. Auch deshalb bezeichnet Schalko die Mediatheken-Serie seines Kollegen als „seltsames Sequel von Stromberg“ – eine Steilvorlage fürs seltsame Sequel von „Braunschlag“.

Schalkos Seriendebüt nämlich machte das fiktive Grenzdorf 2012 im ORF zur Bühne heillos überzeichneter, aber nicht karikierter Protagonisten im Stile eines Manfred Deix. Ab Juli versetzt das Ensemble um Nicolas Ofczarek, Nina Proll, Robert Palfrader „Braunschlag“ bei HBO Max ins Jahr 1986. Aber nicht per Rückblende, sondern Ortsgestaltung. Ein Twist, der ausweislich des gezeigten Trailers noch aberwitziger geraten könnte als das Original. Allerdings, das ist dem Regisseur nach eigenem Drehbuch wichtig: ohne die Figuren bloßzustellen.

Noch so eine Basisregel guter Comedy im behaglichen Bahnhaus des Ehrenfelder Seriencamps. Nur dann nämlich könne sie das sein, was btf-Produzentin Everts darin sieht: eine Therapie in schwieriger Zeit. „Weil wir uns beim Lachen wie beim Tanzen einfach besser fühlen.“ Besonders, wenn drei derartig kreative, grenzüberschreitende, einflussreiche und nicht zuletzt sehr, sehr lustige Protagonisten mit Bier in der Hand und Witz auf der Zunge erklären, wieso.