Im März hatte die "Süddeutsche Zeitung" erstmals darüber berichtet. Damals schrieb die Zeitung, dass sich das ZDF in sogenannten "Mitwirkendenverträgen" von Menschen, die an Sendungen teilnehmen, neuerdings zusichern lässt, dass diese nicht mit Personen oder Institutionen zusammenarbeiten, die auf einer nationalen oder internationalen Sanktionsliste stehen. Dabei geht es um Sanktionslisten von EU und UN, aber auch der USA - und vor allem der letzte Punkt sorgte für Kritik, weil es teilweise den Eindruck macht, als würde Donald Trump Sanktionen nach Gutdünken verteilen. 

Der Sender sprach gegenüber der "Süddeutschen" damals von einer "Routinemaßnahme zur Sicherstellung von rechtlichen Vorgaben". Die Kritik nahm jedoch nicht ab, einige Beobachter fürchteten um die Unabhängigkeit der journalistischen Berichterstattung. Das in Berlin ansässige Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) hatte den Sender gerade erst dazu aufgefordert, die neue Regelung, unter die unter anderem auch Talkshow-Gäste oder andere Experten zählen, zurückzunehmen. 

Das ZDF hat sich mit der Regelung und der Kritik daran nun an diesem Freitag im Rahmen einer Fernsehratssitzung beschäftigt. Anschließend hielt man in einer Pressemitteilung fest, dass die Einhaltung der EU- und UN-Sanktionen für den Sender rechtlich zwingend sei, Verstöße seien strafbar oder bußgeldbewehrt. Den Kritikerinnen und Kritikern ging es aber ja vor allem um die US-Sanktionen und die Tatsache, dass in den ZDF-Verträgen auch darauf Bezug genommen wird. 

Dazu teilt der Sender mit: "Über seine Auslandsstudios und internationalen geschäftlichen Aktivitäten kann das ZDF auch in den Anwendungsbereich des US-amerikanischen Sanktionsrechts gelangen. Verstöße sehen empfindliche Strafen oder Geldbußen vor und können dazu führen, dass US-Unternehmen die geschäftliche Zusammenarbeit beenden oder verweigern." Die geäußerte Kritik zur noch recht neuen Vorgehensweise in den Verträgen nehme man jedoch "sehr ernst". Daher prüfe man die Klauseln aktuell, so das ZDF. Dazu gehört nach Unternehmensangaben auch, zu prüfen, ob ein abgestufter Umgang mit dem Sanktionsregime möglich sein könnte.

ZDF-Intendant Norbert Himmler erklärte in der Sitzung des Fernsehrats aber auch: "Der freie und unabhängige Journalismus des ZDF ist von diesem Sanktionsregime nicht betroffen." Eine Ablehnung von Mitwirkenden habe es demnach bislang weder in Deutschland noch im Ausland gegeben. "Der unabhängige Journalismus ist unser höchstes Gut", so Himmler.