Auf Festivals und Filmmärkten waren Jakob und Jonas Weydemann, die Chefs der Köln-Berliner Produktionsfirma Weydemann Bros., jahrelang vor allem unterwegs, um ihre eigenen Projekte an den Mann zu bringen. Seit dem European Film Market während der diesjährigen Berlinale hat sich das geändert: Inzwischen sind die Macher von Arthouse-Filmen wie "Systemsprenger", "The Outrun" oder "Falling Into Place" und der Paramount+-Serie "A Thin Line" auch an Lizenzen von Kollegen und Konkurrenten interessiert.

Mit ihrer neu gegründeten Firma Filmreederei bauen die Weydemanns ein eigenes Streaming-Angebot namens "Directors Collection" auf. Dafür haben sie den langjährigen Paramount-Manager Steffen Kottkamp als Kurator engagiert. Kottkamp war bis zur Einstellung der lokalen Eigenproduktionen von Paramount+ Head of Production für Deutschland, Österreich und die Schweiz und hatte davor seit 2016 den Kindersender Nickelodeon in Deutschland und Zentraleuropa geleitet.

"Directors Collection" versteht sich nach eigenen Angaben als "kuratiertes AVoD- und FAST-Ökosystem für Arthouse-, Festival- und Independent-Filme". Von Ausnahmeerfolgen wie "Systemsprenger" abgesehen, verlieren Filme aus diesem Segment nach ihrer Erstauswertung meist schnell an Sichtbarkeit. Selbst wenn sie in Streaming-Katalogen zur Verfügung stehen, fehlt es in der Regel an Marketing, so dass Produzenten und Vertriebe kaum noch nennenswerte Erlöse damit erzielen. Hier soll das künftige AVoD- und FAST-Angebot von "Directors Collection" mit einer klaren Dachmarke, Premieren, Playlists, themenbezogenen Events und gezieltem Social-Media-Marketing Abhilfe schaffen.

Als Zielgruppe wird ein "cineastisches Publikum" angepeilt, das "unzufrieden mit der zunehmenden Gleichförmigkeit der SVoD-Angebote im Mainstream" sei. Die Macher von "Directors Collection" setzen auf YouTube als Hauptplattform für ihre kuratierten Channels. Mit Rechteinhabern schließen sie nicht-exklusive Verträge mit hälftigem Revenue-Share. Mit "einigen hundert" Filmen soll das Angebot im Herbst online gehen. Der Branche stellen Weydemann und Kottkamp ihr Vorhaben am 30. Juni beim Filmfest München vor.

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