Nachdem es beim RBB Jahre lang drunter und drüber ging, ist es zuletzt etwas ruhiger geworden - zumindest nach außen hin. In den vergangenen Monaten haben nach und nach einige neue Führungskräfte im Unternehmen angefangen (DWDL.de berichtete) - einer von ihnen ist Chefredakteur Georg Heil. Er ist damit der Nachfolger von David Biesinger, der im Zuge der fehlerhaften Berichterstattung über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar zurückgetreten war. In der Zwischenzeit wurde die Chefredaktion kommissarisch von Stephanie Pieper geleitet.
Georg Heil hat der Nachrichtenagentur dpa nun ein erstes großes Interview gegeben und darin auch über die schwierigen Jahre gesprochen, die hinter dem RBB liegen - und was das mit seinem Führungsstil macht. "Der RBB hat aus den Fehlern klare Konsequenzen gezogen. Es gibt neue Regelwerke, Schulungen sowie organisatorische und personelle Veränderungen", so Heil. Zum Thema Führungsstil sagt er, diesen müsse jeder für sich selbst entwickeln. "Mir ist die Vorgeschichte des RBB natürlich bewusst. Aber unabhängig davon würde ich nie für mich in Anspruch nehmen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Man ist gut beraten, sich auf die Kompetenz im Haus zu verlassen", sagt der neue Chefredakteur.
Als Investigativjournalist liege ihm sorgfältige Recherche und gutes journalistisches Handwerk besonders am Herzen. Heil spricht im dpa-Interview auch die neuen TV-Ländermagazine, die es seit wenigen Wochen im Programm gibt. Eingeführt waren diese wegen einer Gesetzesänderung (DWDL.de berichtete). Er sei damit sehr zufrieden und "ein großer Fan des Konzepts", so Heil. "Wir betrachten hier die Themen des Tages noch einmal aus einem anderen Blickwinkel mit Live-Schalten oder zusätzlichen Service- und Sportthemen. Die Rückmeldungen unseres Publikums sind positiv und die Quoten ordentlich."
Wenn man KI im Journalismus einsetze, müsse man das transparent kennzeichnen, sagt der RBB-Chefredakteur. "Es gibt KI-Schulungen und eine Einheit, die sich intensiv mit Chancen und Risiken beschäftigt. Wir sollten neue Möglichkeiten offen prüfen, aber keinem Trend unkritisch hinterherlaufen." Im Zweifel müsse man auch lieber auf Bilder verzichten. Material aus dem Internet müsse "sorgfältig verifiziert" werden. "Gelingt das nicht, gilt: Im Zweifel lassen wir es weg oder machen zumindest sehr klar, dass wir das nicht unabhängig verifizieren können."
Gegenüber der dpa äußert sich RBB-Chefredakteur Heil auch überraschend zum Berliner "Tatort". Überraschend sind seine Einlassungen auch deshalb, weil er dafür gar nicht zuständig ist - darauf verweist Heil auch in seiner Antwort. Man habe jedoch nicht vor, auf den "Tatort" zu verzichten oder ihn pausieren zu lassen. Die Frage stellt sich beim chronisch klammen RBB vor allem deshalb, weil der MDR zuvor eine Krimi-Pause angekündigt hatte und sowohl seine "Tatort"- als auch die "Polizeiruf"-Produktionen drei Jahre lang pausieren will.
Als die Berufung von Georg Heil zum RBB-Chefredakteur bekannt wurde, ging es in der Berichterstattung auch häufig um seinen bekannten Bruder - Ex-Arbeitsminister und SPD-Politiker Hubertus Heil. Gegenüber der dpa sagt Georg Heil nun, er nehme das zur Kenntnis und könne nachvollziehen, "dass Menschen das interessiert". Er wünsche sich aber, an seinen Taten und Fähigkeiten gemessen zu werden. "Ich bin seit acht Jahren beim RBB und seit mehr als 20 Jahren Journalist, habe bei verschiedenen öffentlich-rechtlichen Sendern gearbeitet, meist im investigativen Bereich. Ich hoffe, dass die anfängliche Neugier irgendwann nachlässt und meine Arbeit im Mittelpunkt steht."
von




