Seit 2020 kämpft der Verein "Klima vor acht" nun bereits dafür, dass die Öffentlich-Rechtlichen der Berichterstattung über die Klimakrise mehr Platz einräumen - und zwar gerade auch in reichweitenstarken Zeiten. Wie der Name des Vereins schon verrät, schwebt ihnen dazu unter anderem ein werktägliches Kurzformat in der Viertelstunde vor der "Tagesschau" vor. Bislang ließ sich die ARD dazu bekanntlich nicht bewegen. Auch der jüngste Versuch, einen 35-sekündigen Werbespot zu schalten, lehnte ARD Media unter Verweis auf rechtliche Vorgaben ab.
In jedem Fall hat der Verein es aber damit aber geschafft, das Thema nochmal auf die Agenda zu heben, woraufhin die ARD nun auch ihrerseits nochmal ihre Position verdeutlichte. Am Freitag verschickte der HR ein ausführliches Statement, in dem man sich gegen den Vorwurf, zu wenig über die Klimakrise zu berichten, zurückweist. Die ARD wendet sich dabei insbesondere gegen die von "Klima vor acht" zuletzt im Sommer aktualisierte Statistik, mit der die in dieser Erhebung sogar deutlich rückläufige Berichterstattung zum Thema belegt werden soll.
Für diese Auswertung wird das lineare Programm von ARD und ZDF automatisiert mitgeschnitten, in 1-minütige Schnipsel zerteilt, transkribiert und dann nach "klimabezogenen Begriffen" durchsucht, wozu etwa "Klimakrise" oder "Treibhausgase" gehören. Das liefert zwar keine 100-prozentige Genauigkeit, aber trotzdem interessante Zahlen. Demnach war 2023 noch in 2,2 Prozent des Gesamtprogramms der ARD von der Klima-Krise die Rede, danach ging's Stück für Stück bergab. Im ersten Halbjahr 2026 waren es demnach 0,95 Prozent. Beim ZDF war es jeweils noch geringfügig weniger.
Während "Klima vor acht" darin eine Basis für faktenbasierte Debatten sieht, findet die ARD die Methode unzureichend und verweist darauf, dass nur das lineare TV-Programm erfasst werde, alle anderen Ausspielwege aber unberücksichtigt blieben. "Eine solche Betrachtung greift im Jahr 2026 zwangsläufig zu kurz", schreibt der HR und fordert, das gesamte publizistische Angebot in den Blick zu nehmen. Zudem bemängelt man, dass auch das Abprüfen bestimmter Worte unzureichend sei. "Zahlreiche Beiträge beschäftigen sich mit den Ursachen, Folgen, ökonomischer, politischer und gesellschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels, ohne dass der Begriff selbst regelmäßig im Titel oder Beitragstext verwendet wird."
Andere Zahlen kann die ARD allerdings auch nicht liefern, sondern verweist stattdessen unter anderem auf die Existenz eines "ARD Klima-Kompetenzcenters", nennt einige beispielhafte aktuelle Dokumentationen und Reportagen, Podcasts und des Bildungs- und Wissensangebots funkkolleg.Klima als Beleg für den "hohen Stellenwert, den die ARD dem Themenkomplex Klima und Klimafolgen" beimesse. Zudem betont man, dass Klimabezüge auch Bestandteil anderer journalistischer Berichterstattung seien, was beim Abprüfen auf Stichworte nur unvollständig erfasst werde. Das gilt bei gleicher Methodik allerdings für das Jahr 2023 genauso wie für 2026, kann den Rückgang also nicht erklären.
Wie zuvor schon der Vermarkter ARD Media hat sich nun auch die ARD in ihrem Statement zudem nochmal zur Ablehnung des Klima-Spots geäußert. Die Entscheidung gegen eine Ausstrahlung sei keine inhaltliche Bewertung des Anliegens, sondern ergebe sich aus den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Die ARD könne gesellschafts- oder medienpolitische Anliegen einzelner Initiativen nicht außerhalb der dafür vorgesehenen gesetzlichen Regelungen als Fernsehwerbung oder programmbegleitende Kommunikation ausstrahlen. Die Entscheidung gegen den Spot sei somit nicht aufgrund des Themas Klimaschutz, sondern aufgrund der für alle Interessengruppen gleichermaßen geltenden rechtlichen Vorgaben erfolgt.
Nicht konkret geht die ARD darauf ein, dass nicht allein der Verein "Klima vor acht" hinter der Kampagne steht, sondern auch drei weitere Unternehmen, deren Logos ebenfalls eingeblendet werden. Die Frage ist also, ob man hier von Image-Werbung sprechen kann oder nicht, wie es der Anwalt von Klima vor acht sagt - eine Frage, die womöglich noch Gerichte klären müssen. Mehr zum Spot gibt's hier.
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