Johannes B. Kerner"Für mich als Zuschauer war Sat.1 zwischenzeitlich außerhalb der Wahrnehmung", erklärt  Johannes B. Kerner, der von sich selbst übrigens stets ohne  das "B." spricht, am Montag ganz freimütig als er hoch oben über Hamburg zusammen mit Sat.1-Geschäftsführer Guido Bolten und Tanja Deuerling, der Chefredakteurin des Senders, seine neue Sendung vorstellt. Weder Bolten noch Deuerling protestieren gegen diese Aussage. Auch sie sind noch nicht lange, erst seit Anfang des Jahres, bei dem Sender und haben sich nicht weniger als die, wie sie selbst sagen, "Revitalisierung" von Sat.1 vorgenommen. Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist wohl Grundlage für eine solche Mammutaufgabe, die schon im Frühjahr mit der Bekanntgabe der Personalie Kerner ihre Schatten voraus warf.

Jetzt müssen die Schlagzeilen des Frühjahrs in eine gute Sendung und gute Quoten verwandelt werden. Nach dem Start der "Oliver Pocher Show" Anfang Oktober geht am 2. November um 21.15 Uhr Johannes B. Kerner mit seinem Primetime-Magazin "Kerner" auf Sendung. Die Erwartungen sind groß. "Kerner ist das neue Flaggschiff und für uns journalistisch wichtiger als er es für das ZDF je war", erklärt Chefredakteurin Tanja Deuerling am Montag beim Pressegespräch 20 Etagen über Hamburg im Empire Riverside Hotel. Hoch hinaus will man bei Sat.1 also - und dabei mal etwas wagen, was so selten klappt im deutschen Fernsehen: Einen langen Atem beweisen.
 

 
Guido BoltenDie Revitalisierung des Senders sei ein Thema, bei dem Ausdauer gefragt ist. "Es braucht seine Zeit. Ob ein Jahr oder zwei", sagt Sat.1-Chef Guido Bolten und schiebt eine kleine Einschränkung hinterher. Bis zum kommenden Frühjahr wolle er dann schon die ersten Auswirkungen der Investitionen ins Programm auch an den Marktanteilen ablesen können. Dem Sender wieder zu mehr Relevanz zu verhelfen, ist sein Ziel. Denn selbst der Senderchef sagt: "Wir müssen wieder mehr 'Talk of the Town' werden. Da ist wenig Neues passiert in den letzten Jahren." So genau er die Probleme des Senders beim Namen nennt, so sehr mag man ihm glauben, dass er es ernst meint mit der Revitalisierung und dem langen Atmen.

Zumindest so ernst, wie es die Gesellschafter von ProSiebenSat.1 erlauben. Die haben immerhin das Geld für Johannes B. Kerner auf den Tisch gelegt, der nächste Woche zunächst als Champions League-Moderator und ab dem 2. November dann mit "Kerner" bei Sat.1 zu sehen ist. Vom "Comeback des Jahres" spricht Sat.1-Geschäftsführer Bolten. Und was sagt Kerner zu seinem Wechsel zu Sat.1? Es sei wie die Rückkehr zu einer Art von Familie. Bei Sat.1 wurde er groß. Vertraut wird für Kerner insbesondere das Team sein, mit dem er arbeitet: Es ist das gleiche wie bei seiner ZDF-Show. Während hinter der Kamera eine eingespielte Mannschaft Sicherheit gibt, will man vor der Kamera Neues wagen.