Sat.1 LogoDer Vermutung, dass sich, auch wegen dem gleichen Team, nicht viel ändern wird bei seiner Sat.1-Sendung, tritt Kerner entschieden entgegen. Es gebe eine Modernisierung in Inhalt, Bildsprache und Gewichtung. Bei der Sat.1-Sendung werde der Talk-Anteil deutlich geringer ausfallen als beim ZDF. Das Verhältnis von Gesprächen und Einspielern sei ausgewogener, erklärt Kerner in Hamburg. Und Sat.1-Geschäftsführer Bolten springt ihm zur Seite: "Wir werden nicht die ZDF-Sendung wiederholen, so gut sie auch war." Stattdessen Neuland. Etwa die Idee, die Redaktionskonferenz der Sendung live im Internet zu übertragen. Und im Magazin selbst: Mehr Einspieler, weniger klassische Schreibtisch-Situation wie beim ZDF. Dafür gebe es im neuen Studio verschiedene Gesprächssituationen und eine große Videowand.

Bis Ende des Jahres sendet man zunächst aus dem Studio Hamburg, später dann von der Rothenbaumchaussee, wo Kerner auch zuletzt seine ZDF-Sendung produzierte und momentan noch sein ZDF-Nachfolger "Markus Lanz" das Studio nutzt. Kerners erste Sat.1-Sendungen werden am gleichen Tag voraufgezeichnet, doch grundsätzlich soll "Kerner" künftig live auf Sendung gehen. Vier bis sechs Themen seien pro Sendung vorgesehen. Inhaltlich spielen aktuelle Einzelschicksale ebenso eine Rolle wie die große Weltpolitik, wenn etwa US-Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis erhält. Eine besonders große Akzeptanz spürt Kerner derzeit für Service-Themen, die auch einen dementsprechenden Platz in der Sendung haben soll.
 

 
Johannes B. KernerFeste Rubriken wird es allerdings nicht geben. Davon sei er nie ein Freund gewesen, erzählt Kerner. Anders als beim ZDF soll es auch weniger prominente Gäste geben - und den Kochlöffel will Kerner vor der Kamera auch nicht mehr anrühren. "Kochen ist für mich Geschichte", stellt er klar. Es wäre auch zu banal für das, was Sat.1 in ihm sieht und mit ihm erreichen will. "Mit Kerner fängt die Woche an" ist der Werbeclaim, mit dem der Sender ab diesem Mittwoch für das neue Aushängeschild im Programm wirbt. Dass viel Werbung und ein bekannter Name alleine nicht reichen, ist allen Beteiligten klar. "Es gibt keine eingebaute Erfolgsgarantie", sagt Kerner selbst. Aber er will sich frei machen von schnellen Quoten-Diskussionen.

"Für mich ist die 30. Sendung wichtiger als die 1. - nich nur, weil wir dann wissen, ob es sie noch gibt, sondern weil dann der Kurs gefunden ist", sagt der Moderator und Produzent beim Presselunch. Dass Kerners bisheriges ZDF-Publikum nicht unbedingt die gängige Zielgruppen-Definition der 14- bis 49-Jährigen passt, stört Sat.1-Chef Bolten überhaupt nicht. "Die Zeit in der man sich auf die 14- bis 49-Jährigen konzentrierte, sind vorbei", sagt er. Bei "Kerner" habe man beispielsweise das Publikum der 30- bis 60-Jährigen im Blick. Hört man Geschäftsführer Bolten, Chefredakteurin Deuerling und auch das neue Flaggschiff Kerner über das reden, was sie aus Sat.1 formen wollen, dann klingt es nach einem neuen Selbstverständnis des Senders. Wie es um das Selbstvertrauen bestellt ist, zeigt sich ab dem Morgen des 3. November.