Am Ende bewiesen sie noch eine gehörige Portion Humor: Als die Programm-Highlights für die kommende TV-Saison vorgestellt waren, warfen Sport1-Media-Chef Patrick Fischer und seine Entourage, unter anderem Marcel Reif und Thomas Helmer, T-Shirts in das Publikum. Aufdruck: "Geld schießt keine Tore". Sport1 spielte damit bei den Screenforce Days in Köln auf die immer weiter steigenden Preise für Sportrechte an, hier musste der Sender zuletzt ja einige empfindliche Verluste hinnehmen. "Das ist die Zeit der Chance, Sport1 hat immer kluge Alternativen geschaffen", sagt Marcel Reif und Fischer pflichtet ihm bei.

Dennoch will man auch künftig weiter mit Fußball punkten, auch wenn das wohl nur in einem deutlich kleineren Rahmen als bislang möglich ist. Im Fokus der Sport1-Präsentation stand jedenfalls der "heilige Fußball-Sonntag", den Vermarktungschef Fischer bereits gegenüber DWDL.de angekündigt hatte. Konkret bedeutet das: Sechs Stunden Live-Fußball am Sonntag, beginnend um 9 Uhr mit "Hattrick". Dann geht es weiter mit "Bundesliga Pur" und dem "Doppelpass". Danach zeigt Sport1 künftig den "Fußball Lunch".


Um sich der aufziehenden Talk-Konkurrenz durch Sky zu wappnen, hat Sport1 zudem größere Veränderungen bei seinem Flaggschiff angekündigt. So erscheint der "Doppelpass" ab der neuen Saison in einem neuen Look und soll laut Fischer "moderner und frischer" daherkommen. Helfen soll dabei ein neues Studio: Ähnlich wie in Fußballstadien sitzt das Publikum künftig auf kleinen Tribünen um die "Doppelpass"-Runde. Ab der nächsten Saison schickt Sky bekanntlich Jörg Wontorra ins direkte Duell mit dem "Doppelpass" (DWDL.de berichtete). 

Auch montags will Sport1 künftig mit Fußball punkten, auch wenn das durch den Wegfall der Rechte für das Livespiel aus der Zweiten Liga nicht mehr so einfach sein dürfte. "Klar ist aber auch, dass es ad-hoc keinen adäquaten Ersatz auf diesem Quoten-Niveau für das Zweitliga-Topspiel geben wird. Mit den Zusammenfassungen aus den Top-Ligen des europäischen Fußballs am späten Abend sind wir allerdings auch weiterhin gut aufgestellt", sagte Sport1-Chef Olaf Schröder bereits im September im Interview mit DWDL.de. Punkten will man neben den europäischen Fußball-Ligen aber auch mit der deutschen Regionalliga, hier sollen Spiele live gezeigt werden. Insgesamt verspricht Sport1 sieben Stunden Fußball am Stück.

Und dann wäre da natürlich noch die Europa League - ein "echter Reichweitenmagnet", schwärmt Patrick Fischer. In der nächsten Saison wird Sport1 den Wettbewerb auch noch zeigen können, die Zukunft der Europa League ist allerdings unklar. Zuletzt gab es Spekulationen, dass RTL an einem Erwerb der Rechte interessiert sein könnte. Sollte Sport1 auch die Europa League verlieren, wäre das ohne Frage ein weiterer Nackenschlag. Noch ist aber nichts entschieden.

 

 

Zusätzlich zum Fußball zeigt Sport1 unter anderem auch Basketball, Baseball und Eishockey. Mit der ersten DEL-Saison im Free-TV zeigt sich Fischer indes sehr zufrieden, Spitzenspiele würden auf bis zu 500.000 Zuschauer kommen. Bei der zuletzt übertragenen Heim-WM lagen die Reichweiten teilweise noch deutlich darüber. Darüber hinaus inszeniert sich Sport1 gerne als "Home of Motorsport": Durch einen Deal mit Motorvision.TV kann der Sender künftig auch einige NASCAR-Rennen zeigen. Als "Pionier und Vorreiter" sieht man sich unterdessen beim Thema E-Sports. "Das ist ein absolutes Phänomen und ein Ergebnis der Playstation-Generation", sagt Fischer, der von einer "hochattraktiven Zielgruppe" schwärmt. Zuletzt übertrug Sport1 ja die virtuelle Bundesliga, hinzu kam unter anderem das WM-Finale des Onlinegames "League of Legends".

Ganz klar: Sport1 hat bei großen Rechteausschreibungen einen schweren Stand. Das war schon immer so, hat sich in den vergangenen Monaten aber noch einmal deutlich verschärft. Viele Rechte liegen inzwischen bei DAZN, die Sublizenzen an Sport1 vergeben. Hier muss Sport1 künftig wohl einen anderen Weg gehen und hat diesen auch schon eingeschlagen. Jetzt gilt es, die verlorengegangenen Rechte so gut es geht zu kompensieren und eventuell neue, starke Marken zu schaffen. Eventuell macht der Sender das in Zukunft aber unter einem neuen Eigentümer. Zuletzt wurde bekannt, dass Constantin Medien mit mehreren Interessenten über einen möglichen Verkauf von Sport1 spricht. Die besten Chancen haben derzeit wohl Sky und Axel Springer.