Royale Hochzeit 2018 © ZDF/EPA/EFE/Facundo Arrizabalaga
Medien-Event der Superlative

Werbung ist verboten: Die royale Hochzeit im TV

 

Wenn Prinz Harry und Meghan Markle am Samstag in Windsor heiraten, wird das ein mediales Großereignis. Dass Harry nicht der beste Freund britischer Journalisten ist, macht sich allerdings bemerkbar. Auch deutsche Sender müssen sich an gewisse Spielregeln halten.

von Timo Niemeier
18.05.2018 - 08:16 Uhr

Der Samstag wird ein ganz spezieller Tag im Vereinigten Königreich: Neben dem FA Cup im Wembley-Stadion heiratet zuvor Prinz Harry die Schauspielerin Meghan Markle. Fans von Fußball und Königshaus können aber aufatmen: Die Hochzeit ist am Nachmittag beendet, danach kann dann Fußball geschaut werden. Da eine Hochzeit eines Prinzen aber nicht alltäglich ist, wird diese wohl auch die Schlagzeilen am Samstag im Land bestimmen. Auch darüber hinaus wird die Hochzeit ein globales Ereignis: Kamerateams und Journalisten aus der ganzen Welt sind nach Windsor gereist, um zu berichten. Mehr als 5.000 Pressevertreter sind für das Event akkreditiert.


Die Hotels in Windsor sind seit Wochen ausgebucht, trotz regelrecht explodierter Preise. Auch in London sollen Hotels für die Zeit der Hochzeit kräftige Aufschläge verlangen. Ungeachtet dessen ist das Interesse der Öffentlichkeit groß wie immer, wenn die Royals heiraten oder Kinder bekommen. So werden sowohl die BBC, als auch ITV und Sky News die Hochzeit covern, alle starten mit ihrer Berichterstattung in der Früh und berichten bis in den Nachmittag. Sky hat angekündigt, die Hochzeit in UHD zu übertragen - damit ist es das erste royale Event, dass auch ultrahochauflösend zu sehen sein wird. Harry und Meghan werden nach ihrer Trauung, die um 13 Uhr deutscher Zeit beginnt, durch die Straßen von Windsor fahren und den Kontakt zu den Menschen auf den Straßen suchen.

Das ist auch nötig, weil in der St. Georges Chapel nur ein paar hundert Menschen Platz finden, auf den Straßen werden rund 100.000 Schaulustige erwartet. Entsprechend groß wird auch das Aufgebot der Polizei sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Mehr als 2.600 Personen sind in das Schloss Windsor eingeladen worden, können dort die Trauung aber nicht live mitverfolgen. Darunter sind auch 1.200 junge Menschen, die aus allen Teilen der Bevölkerung ausgesucht wurden.

Nicht das beste Verhältnis zur Presse

Vor den Fernsehgeräten wird die Hochzeit von vielen Millionen Menschen verfolgt. Dass Prinz Harry aber nicht das beste Verhältnis zu Journalisten hat, wird an einigen Stellen sehr deutlich. So wurde im Vorfeld bekannt, dass nur ein Journalist direkten Zugang zur Kirche haben wird. Alle anderen müssen draußen warten. Außerdem gibt es nur vier Fotografen, die außerhalb der Kirche einen speziellen Platz bekommen, um gute Bilder zu schießen. Viele andere werden sich voraussichtlich um den besten Platz streiten. Als der Prinz und Meghan Markle ihre Beziehung Ende 2016 öffentlich machten, verurteilte Harry die aus seiner Sicht einseitige Berichterstattung und sprach von "Beschimpfungen und Schikanen" gegen seine Freundin.

Es überrascht also nicht wirklich, dass Harry der Presse keinen großen Platz während der Trauung einräumt. Groß einschränken dürfte das die Berichterstattung aber ohnehin nicht: Die genannten TV-Sender und sämtliche Zeitungen kennen seit Tagen kein anderes Thema mehr. Am Samstag gibt es eine Pool-Kamera, die für alle TV-Stationen Bilder liefert. Los geht es schon, wenn Meghan Markle mit dem Auto zur Kirche fährt. Auch die Bilder der Trauung und der anschließenden Fahrt durch Windsor werden auf allen TV-Sendern gleich sein. Auf diese Bilder wird auch das deutsche Fernsehen zurückgreifen.

RTL, ZDF, n-tv und WELT übertragen

Denn auch hierzulande kann man sich der royalen Hochzeit so gut wie nicht entziehen. So haben RTL und ZDF große Übertragungen angekündigt und auch der RTL-Schwestersender n-tv überträgt die Hochzeit. Deshalb sind die Kölner auch mit 50 Mitarbeitern aus Produktion und Redaktion in Windsor, mit dabei sind auch Mitarbeiter des Londoner RTL-Studios. Weil man nicht nur das Pool-Bild zeigen will, ist man außerdem mit sechs eigenen Kameras vor Ort, um zusätzliches Material für die Magazin- und Nachrichtensendungen der Gruppe zu drehen.

Und worin besteht nun der Unterschied bei den Übertragungen von RTL und n-tv? Laut einer Unternehmenssprecherin wird die Übertragung bei RTL unterhaltender als beim Nachrichtensender. "n-tv wird sich als Nachrichten- und Wirtschaftssender neben der nachrichtlichen Berichterstattung über dieses herausragende gesellschaftliche Ereignis auch auf die Rolle der Monarchie hinsichtlich der britischen Identität, vor allem in der Phase vor dem geplanten EU-Austritt konzentrieren." Die verschiedenen Rollen zeigen sich auch beim Personal, das bei RTL mit Ross Antony, Guido Maria Kretschmer, Frauke Ludowig, Michael Begasse und Leontine Gräfin von Schmettow etwas bunter ist als bei n-tv. Beim Nachrichtensender sollen Mara Bergmann und Experte Peter Littger auch die wirtschaftlichen und politischen Aspekte zur Hochzeit beleuchten. Reporterin Fabricia Josten berichtet von vor Ort, außerdem wird Reporter Carsten Lueb in London unterwegs sein und die Stimmung auf den Straßen einfangen.

Werbung während der Trauung nicht erlaubt

Bei der Hochzeit selbst gibt es natürlich einen Dresscode, für die Journalisten in Schloss Windsor gibt es aber keine Vorgaben. Wichtig nur für RTL und andere private Sender, die am Samstag übertragen: Die Trauung selbst darf nicht durch Werbung unterbrochen werden. Das ist eine Voraussetzung, die die Royals an die Fernsehsender gestellt haben. Vor- und Nachberichterstattung darf nach dem Belieben der Sender auch mit Werbung unterbrochen werden, hier gibt es keine Vorgaben.

Beim ZDF wird man mit dieser Regelung wohl keine Probleme haben. Das Redaktionsteam vor Ort besteht aus fünf Mitarbeitern aus Mainz, die durch das London-Studio unterstützt werden. Die dortigen Korrespondenten Diana Zimmermann und Andreas Stamm werden von der Strecke als Live-Reporter berichten. Zusätzlich ist das ZDF mit drei Kameras nach Windsor gereist, um eigene Aufnahmen zu machen. Im Studio vor Ort wird Moderator Norbert Lehmann durch die Sendung führen, er spricht unter anderem mit ZDF-Königshaus-Expertin Julia Melchior. Logistische und technische Unterstützung erhält das ZDF in Windsor von seinem britischen Partnersender itn/itv und der EBU.

Sowohl ZDF als auch RTL beginnen um 11 Uhr mit ihrer Berichterstattung, eine Stunde später steigt auch n-tv mit ein. Ebenfalls um 11 Uhr beginnt auch der Nachrichtensender WELT mit seiner Übertragung. Hier kommentieren das Moderatorenteam Felicia Pochhammer und Alexander Siemon live im Studio die Zeremonie und die anschließenden Feierlichkeiten. Als Studiogast dabei ist Society-Expertin Vanessa Blumhagen. WELT-Korrespondent Arndt Striegler und -Reporterin Stephanie Rahn berichten aus London. 

Aber natürlich wird es auch nach den vielen Live-Übertragungen am Samstag noch viele royale Inhalte zu sehen geben - auch auf den Sendern, die auf Live-Bilder verzichten. So werden alle großen Nachrichtensendungen über die Hochzeit berichten, das ZDF plant zudem am Vorabend ein "Leute heute spezial". RTL beschäftigt sich in der Primetime noch mit den "schönsten royalen Hochzeiten aller Zeiten". Da sind viele Briten dann aber wohl schon im Fußball-Fieber.

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