Primetime Emmys 2018 © Television Academy
Die Nominierten im Überblick

Emmys: 4 Favoriten, Jubel in Deutschland, Netflix vor HBO

 

"Game of Thrones" ist im Emmy-Rennen zurück und führt die Nominiertenliste an, ganz dicht dahinter folgen direkt "Westworld" und "The Handmaid's Tale". Viel Bewegung ist bei den Comedy-Serien drin, zudem gibt's deutsche Emmy-Hoffnungen. Und: Zum Ersten Mal hat Netflix mehr Nominierungen als HBO.

von Uwe Mantel
12.07.2018 - 18:54 Uhr

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In einer wie üblich recht schmucklosen Verkündung, die etwas euphemistisch als "Zeremonie" bezeichnet wird, wurden am heutigen Donnerstag in Los Angeles die Nominierungen für die diesjährigen Emmys bekannt gegeben. Nach einem Jahr Pause (im TV-Jahr 2016/17 lief die Serie schlicht nicht) kehrte "Game of Thrones" ins Emmy-Rennen zurück und eroberte direkt wieder den Spitzenplatz, was die Anzahl der Nominierungen angeht. Gleich 22 Mal findet sich "Game of Thrones" auf den Nominierten-Listen wieder - doch es ist was diese Zählung angeht trotzdem keinesfalls die alles dominierende Serie. Denn das ebenfalls von HBO stammende Epos "Westworld" folgt mit nur 21 Nominierungen direkt dahinter - und der Vorjahres-Abräumer "The Handmaid's Tale" von Hulu kann auch 20 Nominierungen für sich vereinnahmen. Ebenfalls weit oben mit dabei: Die zweite Staffel von "American Crime Story: The Assassination of Gianni Versace" im Limited Series-Bereich mit 18 Nominierungen.

In der Kategorie Beste Drama-Serie gab es allerdings keine Überraschungen. "Game of Thrones", "The Handmaid's Tale" und "Westworld" stehen sich in dieser Kategorie direkt gegenüber. Ebenso wie im Vorjahr wurden zudem auch "The Crown", "Stranger Things" und "This is us" nominiert. "Better Call Saul" und "House of Cards", die 2017 ebenfalls im Rennen waren, fielen schon dadurch heraus, dass sie durch eine längere Pause im fraglichen Nominierungszeitraum gar nicht zu sehen waren - und "House of Cards" wäre nach den Vorwürfen gegen Kevin Spacey wohl ohnehin kaum in Frage gekommen. Dafür kehrte "The Americans" zurück. Die Serie war 2016 schonmal als Beste Drama-Serie nominiert, 2017 dann nicht. Zur finalen Staffel schaffte sie es nun aber wie erwartet nochmal auf die Nominiertenliste.

Warum man "Westworld" auf dem Zettel haben muss, zeigt auch der Blick in die Schauspieler-Kategorien: Mit Ed Harris und Jeffrey Wright sind gleich zwei Hauptdarsteller aus der Serie nominiert, dazu kommt bei den Damen auch noch Evan Rachel Wood. Auch "This is us" ist bei den Herren mit Vorjahressieger Sterling K. Brown und Milo Ventimiglia erneut gleich doppelt vertreten. Nicht mehr mit dabei ist hingegen der ewig nominierte aber nie ausgezeichnete Liev Schreiber ("Ray Donovan"). Dank Jason Bateman kann sich mit "Ozark" auch eine neue Netflix-Serie noch Hoffnungen auf den Sieg in einer wichtigen Kategorie machen. Matthew Rhys vervollständigt das Nominierten-Tableu, auch seine Kollegin Keri Russell kann sich Hoffnungen machen. Bei den Hauptdarstellerinnen in einer Drama-Serie trifft sie unter anderem auf Claire Foy ("The Crown"), Sandra Oh ("The Killing Eve"), Tatiana Maslani ("Orphan Black") und Vorjahressiegerin Elisabeth Moss ("The Handmaid's Tale").

Spannender als die Drama-Kategorie ist in diesem Jahr der Blick auf die Comedy-Serien - schon allein, weil in diesem Jahr in jedem Fall eine andere Serie gewinnen wird als in den letzten acht Jahren. Von 2010 bis 2014 war es stets "Modern Family", das den Preis mit nach Hause nehmen konnte, 2015 bis 2017 war "Veep" Dauerpreisträger. Nun konnte "Veep" nicht nominiert werden, weil die Serie wegen der Brustkrebs-Erkrankung der Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus eine längere Pause einlegte und im zurückliegenden Fernsehjahr gar nicht lief. Und "Modern Family" verpasste zum ersten Mal seit dem Start der Serie die Nominierungsliste - die Comedy-Serie hat ihren Zenit schlicht und einfach überschritten.

In diese Lücke könnten gleich mehrere neu gestartete Comedy-Serien vorstoßen. Dazu gehört die schwarze HBO-Comedy "Barry" von und mit Bill Hader, der auch persönlich als Hauptdarsteller nominiert ist. Dazu gehört die Frauen-Wrestling-Comedy "GLOW" von Netflix. Und dazu gehört auch die bezaubernde Amazon-Serie "The Marvelous Mrs. Maisel, für die Rachel Brosnahan ebenfalls auch eine persönliche Nominierung als beste Hauptdarstellerin erhalten hat. Dazu kommen die Comedy-Serien "Atlanta" von FX, "Silicon Valley" von HBO, "Unbreakable Kimmy Schmidt" von Netflix, das zurückgekehrte "Curb your Enthusiasm" von HBO. Und dann gibt es mit "Black-ish" auch noch den letzten verbliebenen Vertreter der Broadcast-Networks, zumindest was die Format-Kategorie angeht.

Blickt man auf die persönlichen Kategorien, dann hat es hochverdient nämlich auch die völlig Network-untypische NBC-Comedy "The Good Place" mit einer Nominierung von Ted Danson in der Hauptdarsteller-Kategorie auf die Liste geschafft. Er bekommt es neben dem schon genannten Bill Hader noch mit Anthony Anderson ("Black-ish"), Donald Glover ("Atlanta"), William H. Macy ("Shameless") und Larry David ("Curb your Enthusiasm") zu tun. Bei den Frauen ist die größte Überraschung wohl die Nominierung von Issa Rae für die auch von ihr erfundene HBO-Comedy "Insecure", Allison Janney wurde für "Mom" von CBS nominiert, Pamela Adlon für "Better Things", Lilly Tomlin für "Grace & Frankie" und Tracee Ellis Ross für "Black-ish".

Als die Nominierungen im Bereich der Limited Series bekannt gegeben wurden, gab's zudem auch in Deutschland gleich doppelt Grund zum Jubeln. So schaffte es "The Alienist" unter die Nominierten - wo Daniel Brühl eine der Hauptrollen übernommen hat. Ebenfalls mit im Rennen ist "Patrick Melrose", inszeniert vom deutschen Regisseur Edward Berger. Sie bekommen es in ihrer Kategorie mit "American Crime Story", "Godless" und "Genius: Picasso" zu tun. Als bester Fernseh-Film wurde zudem noch "The Tale" nominiert - mit produziert von der aus Berlin stammenden Produktionsfirma One Two Films. Bemerkenswert abgesehen von den fiktionalen Kategorien: Erstmals seit Trevor Noah die "Daily Show" von Jon Stewart übernommen hat, hat sie sich fürs Emmy-Rennen qualifiziert.

Und dann gibt es noch eine Zeitenwende zu konstatieren: HBO hat mit "Game of Thrones" und "Westworld" zwar die beiden meistnominierten Serien in seinen Reihen - doch erstmals seit 18 Jahren ist der Pay-TV-Sender nicht mehr auf Platz 1, wenn man die Nominierungen nach Sender bzw. Plattform aufteilt. 108 Nominierungen entfielen diesmal auf HBO, 112 hingegen auf Netflix. Innerhalb von nur sechs Jahren hat sich Netflix damit von 0 Nominierungen auf Platz 1 des Rankings nach vorne katapultiert.

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