Lindenstraße © WDR / Sven Mahner
Aus für TV-Klassiker

Nach 34 Jahren: ARD macht Schluss mit der "Lindenstraße"

 

Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg war die "Lindenstraße" ein fester Bestandteil des deutschen Fernsehens. Nun steht das Ende bevor: Wie die ARD beschlossen hat, soll die letzte Folge der Serie im Jahr 2020 ausgestrahlt werden. Die Hintergründe...

von Alexander Krei
16.11.2018 - 12:11 Uhr

Es ist das Ende eines Klassikers: Die ARD hat sich dazu entschlossen, die "Lindenstraße" einzustellen. Die Mehrheit der Fernsehprogrammkonferenz der ARD habe sich gegen eine Verlängerung des Produktionsauftrags ausgesprochen, hieß es am Freitag in einer Mitteilung des WDR. Gestartet war die Serie am 8. Dezember 1985 - seither wurden fast 1700 Folgen ausgestrahlt. Noch steht das Ende aber nicht unmittelbar bevor, denn die letzte Folge des Dauerbrenners soll den Planungen zufolge erst im März 2020 im Ersten gesendet werden. Bis dahin ist der Vertrag mit der Produktionsfirma noch gültig.

"Diese Entscheidung hat sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD nicht leicht gemacht. Denn die 'Lindenstraße' ist eine Ikone im deutschen Fernsehen, die uns seit Jahrzehnten begleitet. Sie ist Spiegelbild der Geschichte und Entwicklung unserer Republik", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. "Sie hat Akzente gesetzt, die prägend bleiben werden - ein Verdienst engagierter, leidenschaftlicher Macher. Doch wir müssen nüchtern und mit Bedauern feststellen: Das Zuschauerinteresse und unsere unvermeidbaren Sparzwänge sind nicht vereinbar mit den Produktionskosten für eine solch hochwertige Serie."

Offensichtlich hatte sich der WDR für einen Erhalt des Klassikers stark gemacht. "Wir sind der Gemeinschaft der ARD dankbar, dass sie die 'Lindenstraße' über Jahrzehnte mitgetragen hat und bedauern, dass sie keine Möglichkeit mehr sieht, die Serie fortzuführen", sagte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn. "Gleichzeitig verstehen wir, dass sich die wirtschaftlichen  Rahmenbedingungen der ARD geändert haben und Produktionen neu  bewertet werden müssen."

Seit Jahren rückläufige Zuschauerzahlen

Tatsächlich kämpft die Serie, die als erste deutsche Seifenoper gilt, seit vielen Jahren mit rückläufigen Zuschauerzahlen: In diesem Jahr schalteten bislang nur noch etwas mehr als zwei Millionen Zuschauer ein, die Marktanteile bewegen sich längst im einstelligen Bereich. Aus diesem Grund hatte es schon seit geraumer Zeit Spekulationen über ein mögliches Ende der "Lindenstraße" gegeben - und doch wurden die Verträge immer wieder verlängert. Für Ärger sorgte hinter den Kulissen jedoch auch ein zunehmend liebloser Umgang des Senders mit der Serie: Immer wieder fielen Folgen aus oder wurden - wie kürzlich geschehen - mehrfach beim Spartensender One gezeigt.

"Lindenstraßen"-Erfinder Hans W. Geißendörfer hatte schon vor drei Jahren im Gespräch mit DWDL.de erklärt, sich nicht auf Einsparungen einlassen zu wollen. "Natürlich kann uns gesagt werden, dass wir die 'Lindenstraße' billiger herstellen sollen. Da gibt es allerdings eine Grenze. Und die haben wir schon erreicht. Deswegen sind die Alternativen klar definiert: Entweder gibt es die 'Lindenstraße' so wie sie ist – oder es gibt sie gar nicht." Diese Entscheidung ist nun endgültig von den Verantwortlichen der ARD getroffen worden.

Volker Herres: "Hans W. Geißendörfer hat als Vater der 'Lindenstraße' Fernsehgeschichte geschrieben. Ihm und seiner Nachfolgerin Hana Geißendörfer sowie allen Mitwirkenden gelten unser Respekt und unser Dank. Und noch ist ja nicht Schluss: Wir versprechen allen Zuschauern und treuen Fans bis 2020 noch viele interessante Folgen und ein fulminantes Finale." Jörg Schönenborn dankte den Geißendörfers, dem Ensemble und dem ganzen Team "und nicht zuletzt dem Publikum, das der 'Lindenstraße' seit mehr als 30 Jahren die Treue hält". Weiter sagte er: "So sehr der Abschied auch schmerzt, können doch alle Beteiligten sehr stolz sein, denn sie haben mit der 'Lindenstraße' geschafft, was keiner anderen  deutschen Serie gelungen ist: über Generationen hinweg mitten aus dem Alltag der Menschen heraus große gesellschaftliche und politische Themen abzubilden."

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