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Austria-Update vom 2. April

"Report"-Chef klagt FPÖ, ServusTV zeigt noch mehr Tennis

 

Weil ihm "Gesinnungsjournalismus" vorgeworfen wurde, hat "Report"-Chef Wolfgang Wagner nun die FPÖ wegen übler Nachrede verklagt. Außerdem: ServusTV sichert sich noch mehr Tennis-Rechte, der ORF hat in der Steiermark einen neuen Chef und muss sich mit sinkenden Werbeeinnahmen beschäftigen.

von Timo Niemeier
02.04.2019 - 15:33 Uhr

FPÖ© FPÖ
Wolfgang Wagner, Chef der ORF-Sendung "Report" hat den FPÖ-Parlamentsklub wegen übler Nachrede verklagt. Konkret geht es um eine Pressemitteilung der FPÖ von Anfang Februar, wo Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein Wagner scharf angriff und dem Journalisten unter anderem "Gesinnungsjournalismus" vorwarf. Wagner hatte zuvor vertretungsweise eine "Report"-Sendung moderiert und darin Bundespräsident Alexander Van der Bellen zur Beziehung der FPÖ zu Israel ausgefragt. Das gefiel den Freiheitlichen offensichtlich gar nicht. Die Partei erklärte, Wagner verfolge eine "persönliche Agenda". Außerdem verglich die Partei den "Report" auch mit der DDR-Sendung "Aktuelle Kamera" (DWDL.de berichtete).

Gerhard Koch© ORF/Schöttl
Gerhard Koch ist zum neuen ORF-Landesdirektor in der Steiermark bestellt worden, das hat der Stiftungsrat des ORF beschlossen. Der derzeitige Chefredakteur des Landesstudios Steiermark startet seinen neuen Job am 1. Mai. Er folgt auf Gerhard Draxler, der sich Ende April in den Ruhestand verabschiedet. Gerhard Koch sagt zu seiner neuen Aufgabe: "Ich gehe mit Optimismus und Respekt an die neue Aufgabe heran. Auf Augenhöhe mit dem Publikum möchte ich gemeinsam mit den hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ORF Steiermark das Programmangebot in Radio, Fernsehen und Online weiterentwickeln. Die Menschen in der Steiermark und die Geschichten, die sie zu erzählen haben, werden dabei im Mittelpunkt unserer Themenauswahl sein." Zuletzt sorgte Kochs bevorstehende Wahl für Verstimmung bei Roland Brunhofer, selbst ehemaliger ORF-Landesdirektor in Salzburg. Wie "Kleine Zeitung" und "Salzburger Nachrichten" berichteten, wolle Brunhofer gegen Kochs Bestellung vorgehen - aufgrund dessen fachlicher Eignung. Brunhofer findet sich offenbar besser geeignet als Koch.

Tennis© Bill David Brooks (CC BY-SA 2.0)
ServusTV investiert weiter in Tennis-Rechte und wird nun neuer TV-Partner des Generali Open Kitzbühel. 2019 und 2020 wird der Sender Host-Broadcaster des Turniers. Im Rahmen dessen wird man die Top-Spiele des Turniers, das zur ATP World Tour 250 zählt, übertragen. Auftakt ist in diesem Jahr am 29. Juli. "Wir freuen uns sehr, dass wir Österreichs schönstem und größtem Sandplatzturnier eine neue TV-Heimat bieten können. Mit Dominic Thiem hat das Generali Open auch 2019 und 2020 wieder einen der weltbesten Tennis-Stars im Line-up. Das verspricht beste Unterhaltung", sagt Christian Nehiba, Sportchef von ServusTV. Zuletzt sicherte sich ServusTV durch einen Deal mit Sky bereits 15 Tennis-Spiele der ATP World Tour, wobei der Sender vor allem die wichtigen Matches von Dominic Thiem zeigen wird (DWDL.de berichtete). 2018 übertrug noch ORF Sport plus die Generali Open Kitzbühel.

Werbung im Fernsehen© Pixabay/DWDL
Nicht nur der deutsche TV-Werbemarkt macht Probleme, auch in Österreich zeichnet sich ein immer düsteres Bild ab. Bei der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses hat ORF-Chef Alexander Wrabetz einräumen müssen, dass die Werbeeinnahmen im Januar und Februar stark zurückgegangen seien. Das stachen einige Stiftungsräte an die Tageszeitung "Der Standard" durch, wenig später bestätigte Wrabetz die "Abschwächung im TV-Bereich". Sollte das so weiter gehen, könnten auf Jahressicht 25 bis 30 Millionen Euro fehlen. Die Radiowerbung des ORF lag demnach zum Jahresstart über den Prognosen, konnte das Minus im TV aber nicht ausgleichen.

Facebook© Facebook
Dass der ORF die Anzahl seiner Facebook-Seiten drastisch eindampft, ist bereits seit Monaten bekannt. Jetzt gab es noch einmal viele Schlagzeilen, weil sich ORF.at vom sozialen Netzwerk verabschiedet hat. Die Seite kam aber ohnehin nur auf etwas mehr als 20.000 Likes und war noch vergleichsweise frisch, die Haupt-Seite des ORF auf Facebook mit mehr als 130.000 Likes wird noch immer bespielt. Auch die "Zeit im Bild" betreibt weiterhin eine eigene Seite. Als Grund für den Rückzug von ORF.at von Facebook nennt der Sender den "Wunsch der ORF-Geschäftsführung im Zuge einer Reorganisation der ORF-Facebook-Auftritte". Der ORF kritisiert nun Facebooks ständige Änderungen am Algorithmus und "unklare Spielregeln". Davon hätten vor allem solche Kanäle profitiert, die "auf Emotionen setzen, Affekte bedienen und Empörung bewirtschaften".

Justizia© Photocase
Immobilienmogul René Benko liegt nicht nur mit der "Krone" im Streit, sondern jetzt zusätzlich auch mit der Rechercheplattform "Addendum" aus dem Hause Red Bull. Wie Benkos Anwalt gegenüber dem "Standard" bestätigt hat, habe man "Addendum" auf Unterlassung und Widerruf geklagt. In der vergangenen Woche veröffentlichte die Plattform eine lange Investigativ-Geschichte über Benko. Nun heißt es, einige Teile darin, etwa über Bankverbindungen des Unternehmers, seien nicht korrekt. Der Streitwert ist mit 19.620 Euro allerdings recht überschaubar. Sowohl Benko als auch Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz sind Milliardäre.

Österreich in Zahlen

Puls4, ATV© ProSiebenSat.1Puls4/ATV
Auch im März waren ATV und Puls 4 recht erfolgreich unterwegs. ATV erreichte bei den 12- bis 49-Jährigen 4,4 Prozent, das war der stärkste März-Wert seit sechs Jahren. Das gesamte erste Quartal lief mit 4,6 Prozent so gut wie seit 2011 nicht mehr. Ebenfalls weiter sehr gut unterwegs ist ATV2, das mit 1,3 Prozent den stärksten März seit Senderbestehen feiern konnte. Puls 4 holte im März 4,7 Prozent und erreichte diesen Wert auch im ersten Quartal. Für den Sender waren es damit die erfolgreichsten ersten drei Monate seit Senderbestehen. Beim Gesamtpublikum lag ATV (3,3 Prozent) im März hauchdünn vor Puls 4 (3,2 Prozent).

ORF© ORF
Für ORF eins ging es angesichts deutlich weniger Wintersport-Übertragungen im März deutlich bergab, der Sender stand am Ende aber trotzdem noch bei 10,7 Prozent - im Februar waren allerdings noch 13,1 Prozent drin. Im Vergleich zum März 2018 waren es immerhin 0,2 Prozentpunkte mehr. ORF 2 erreichte im März 19,8 Prozent. Zusammengenommen kamen die beiden Sender damit auf 30,5 Prozent Marktanteil, die gesamte ORF-Gruppe, also mit allen Spartensendern, holte 33,3 Prozent. ServusTV steht unterdessen weiter bei sehr guten 2,6 Prozent.

Was noch zu sagen wäre...

 

 

 

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