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US-Upfronts 2019/20

Fox: Raus aus dem Serien-Geschäft? Von wegen...

 

Im ersten Jahr ohne eigenes Produktionsstudio im Rücken hatten viele erwartet, dass Fox sich in Sachen Serien stärker zurückhalten würde. Doch denkste: Es gibt so viel Neues wie lange nicht - aber trotzdem einen ganzen Abend Wrestling. Das Ende beschlossen wurde unterdessen für den einst größten Hit "Empire"

von Uwe Mantel
13.05.2019 - 16:51 Uhr

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Bei keinem anderen Network sind die Pläne für die kommende Saison wohl mit größerer Spannung erwartet worden als bei Fox. Bekanntlich wurde ein Großteil von 20th Century Fox an Disney verkauft, darunter auch das Produktionsstudio - nicht aber das Network, das somit nun mit einem Mal als einziges Network ohne ein eigenes großes Studio im Hintergrund da steht (auch wenn man mit dem neu gegründeten Fox Entertainment auch schon wieder ein wenig auf Produktionsseite mitmischt). Da Fox nun also Teil des Rest-Fox ist, das sich auf News und Sports konzentrieren will, stellte sich also insbesondere die Frage, wie sehr man eigentlich noch im Serien-Markt mitmischen will. Darauf hat Carlie Collier nun eine durchaus beeindruckende Antwort geliefert.

"Wir wollen, dass die kreative Community weiß, dass wir nicht nur weiterhin im Geschäft sind, sondern dass wir uns stärker denn je fühlen", sagt Collier - und unterstreicht das mit der Ankündigung von gleich zehn neuen fiktionalen Serien für die kommende Saison. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr, als das Network noch in der Übergangsphase mit nicht ganz klarer Ausrichtung steckte, wurden gerade mal vier neue Serien angekündigt (plus die Wiederbelebung von "Last Man Standing"). Die Verdoppelung zeigt, dass Fox also sehr wohl noch ein gewichtiges Wörtchen im fiktionalen Bereich mitreden wird. "Der heutige Tag markiert einen neuen Anfang für Fox Entertainment", spart Collier nicht an ganz großen Worten. Allerdings hat man von der neuen Freiheit, gewissermaßen ungebunden bei allen Produzenten und nicht zuvorderst beim eigenen Studio einzukaufen, noch erstaunlich wenig Gebrauch gemacht. Alle neuen Comedys und auch die Hälfte der neuen Dramaserien kommen trotzdem von 20th Century Fox.

Den größeren Teil der Neuheiten hält Fox erstmal für einen späteren Start im Lauf der Saison zurück - was auch daran liegt, dass Fox auch seine andere Ankündigung, den Anteil an Sport im Programm hochzufahren, einlöst. Seit vergangener Saison zeigt man bekanntlich donnerstags im Herbst Football, künftig wird man am Freitagabend - für die Networks ohnehin traditionell ein schwieriger Abend - zudem das ganze Jahr über abendfüllend die Wrestling-Show "Smackdown" zeigen. Das lässt angesichts der nur zwei bespielten Stunden pro Abend natürlich nur begrenzt Platz für neue Serien.

Zwei davon schaffen es trotzdem schon im Herbst ins Programm. Da wäre zum Einen "Prodigal Son", das nun im Schlepptau von "9-1-1" startet, das sich zuletzt heimlich still und leise zur erfolgreichsten Fox-Serie überhaupt gemausert hat und nun montags den Abend eröffnet. "Prodigal Son" ist die nächste Serie von Greg Berlanti, der die Zahl der von ihm mitverantworteten Serien nun schon auf unglaubliche 18 hochtreibt und den eigenen im vergangenen Jahr aufgestellten Rekord damit einstellt. Im Mittelpunkt steht ein brillanter Kriminalpsychologe - der sich nicht zuletzt deshalb so gut auskennt, weil sein Vater selbst ein bekannter Serienmörder ist.

Der Mittwoch, der bislang mit "Empire" und "Star" bespielt wurde, wird komplett geändert. "Empire" erhält wie kürzlich schon angekündigt eine sechste Staffel - nun ist aber auch raus, dass es zugleich die letzte sein wird. Zuletzt waren die Quoten der einstigen Ausnahmeserie deutlich gesunken, ihr Serien-Finale wird sie nun dienstags nach "The Resident" feiern. "Star" wurde durchaus etwas überraschend sogar mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Mittwochs startet man nun stattdessen schon im Herbst mit "The Masked Singer" und damit dem erfolgreichsten Show-Neustart des US-Fernsehens seit vielen Jahren. Produzieren wird Fox hier künftig mit einer neuen Tochter selbst, Endemol Shine ist also raus. "The Masked Singer" soll das Sprungbrett für die zweite neue Drama-Serie im Herbst bilden: "Not just me". In der erkennt eine Frau, die sich bislang für ein Einzelkind gehalten hat, dass ihr Vater - eine Koryphäe im Bereich der Reproduktionsmedizin - über 100 Nachkommen gezeugt hat und entdeckt nun fortwährend neue Verwandtschaft.

Der Sonntag schließlich bleibt unverändert auch weiterhin die Heimat für Animatinosserien. Zu "Simpsons", "Bob's Burgers" und "Family Guy" (das überraschend von 21 Uhr auf 21:30 Uhr wechselt) kommt hier im Herbst noch "Bless the Harts" hinzu, für den weiteren Verlauf der Saison stehen aber sogar noch zwei weitere animierte Serien zur Verfügung. Angesichts der eher überschaubaren Erfolge, die Fox dort in den letzten Jahren mit neuen Serien feierte, ist das vielleicht nicht das Schlechteste. Nicht animierte Comedy findet sich im Herbst somit zunächst gar nicht im Programm. Das wird sich aber im Lauf der Saison ändern - schließlich geht "Last Man Standing" mit Tim Allen weiter. Da der Freitag nun mit Wrestling belegt ist, fehlt aber zunächst noch der Sendeplatz. "The Cool Kids", das bislang im Schlepptau von "Last Man Standing" lief, ist hingegen raus, stattdessen wartet die Multi-Camera-Sitcom "Outmatched" über ein eher unterdurchschnittliches Elternpaar, das drei Genies großziehen muss. Wer hochbegabte Nerds nach dem Ende von "The Big Bang Theory" vermisst, findet also ja vielleicht bei Fox ein Stück weit Ersatz.

Dass Fox im ersten Jahr als "unabhängiges" Network tatsächlich die Marktführung erreichen könnte, erscheint derzeit durchaus nicht unwahrscheinlich - schließlich landete man diesmal nur hauchdünn hinter NBC und hat im kommenden Jahr auch noch den Super Bowl im Programm. Im direkten Anschluss an diesen wird Fox übrigens die dritte Staffel "The Masked Singer" starten, der damit zum Auftakt größte Aufmerksamkeit sicher ist. Damit ist auch klar: "The Masked Singer" wird künftig also ähnlich wie "The Voice" bei NBC in doppelter Dosis sowohl im Herbst als auch im Frühjahr zu sehen sein. Das NFC-Championship-Game knapp vor dem Super Bowl nutzt Fox unterdessen, um "9-1-1: Lone Star" einzuführen, den Ableger seiner erfolgreichsten Drama-Serie. Das klingt durchaus nach einem Plan, der aufgehen könnte, zumal für die Mid-Season noch zahlreiche neue Serien als Nachschub warten. Welche das im Detail sind, haben wir auf Seite 2 dieses Artikels beschrieben.

 
Mo Di Mi Do Fr So
20:00 9-1-1
 
The Resident
The Masked Singer
 
Thursday Night Football


WWE's Smackdown Live
 
The Simpsons
20:30 Bless the Harts
21:00

Prodigal Son


 

Empire
Not just me
Bob's Burgers
21:30
Family Guy

Nicht mehr im FOX-Programm sind: "Gotham", "Lethal Weapon", "Proven Innocent", "Rel", "Star", "The Cool Kids", "The Gifted", "The Passage".

Zu einem späteren Zeitpunkt starten: "9-1-1: Lone Star", "Deputy", "Duncanville", "Filthy Rich", "Last Man Standing", "neXt", "Not just me", "Outmatched", "The Great North", "The Orville", "Ultimate Tag"

Auf Seite 2: Das sind die neuen Fox-Serien 2018/19

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