ZDF-Logo in Mainz © ZDF/Ralph Orlowski
Vom Fernsehrat genehmigt

ZDF darf künftig Inhalte nur fürs Netz produzieren

 

Der ZDF-Fernsehrat hat auf seiner jüngsten Sitzung eine wichtige Entscheidung getroffen und dem Sender erlaubt, künftig auch Inhalte zu produzieren, die nur fürs Web gedacht sind. Auch die Verweildauern in der Mediathek dürfen nun erhöht werden.

von Timo Niemeier
10.07.2020 - 17:26 Uhr

Im Herbst des vergangenen Jahres hat der ZDF-Fernsehrat einen 3-Stufen-Test eingeleitet, um das vom Sender vorgelegte Telemedienkonzept zu überprüfen. Das ZDF will künftig auch Online-only-Inhalte produzieren und die Programme zudem länger in der Mediathek belassen. Außerdem sollen bestimmte Inhalte auch auf gewissen Drittplattformen zugänglich gemacht werden. Der Fernsehrat hat nun untersucht, inwiefern das zu publizistischen Wettbewerb beitragen würde. Außerdem hat man anderen Unternehmen und Verbänden die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. 

Bei der jüngsten Fernsehrats-Sitzung am Freitag hat das Gremium das Telemedienänderungskonzept des Senders einstimmig genehmigt. Gegenüber der im Herbst 2019 vorgelegten Fassung wurde das nun genehmigte Konzept an mehreren Stellen leicht modifiziert. So dürfen Bildungsinhalte künftig deutlich länger in der Mediathek stehen. Das Telemedienänderungskonzept muss nun noch durch die Rechtsaufsicht geprüft werden, bevor es gemeinsam mit der Begründung des Fernsehrates veröffentlicht werden darf.

Die Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates Marlehn Thieme sagt: "Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig öffentlich-rechtliche Wissens- und Bildungsinhalte sind – und auch ihre digitale Verfügbarkeit. Der Fernsehrat hat in seinen Beratungen für das neue Telemedienkonzept u.a. darauf hingewirkt, dass die Archivfunktion für ZDF-Inhalte ausgeweitet und bildungsrelevante Beiträge möglichst unbegrenzt angeboten werden dürfen." 


Marlehn Thieme wurde auf der Sitzung am Freitag zudem erneut zur Vorsitzenden des Fernsehrats gewählt. Sie hat das Amt bereits seit 2016 inne und gehört dem Gremium seit 2004 an. Thieme vertritt im Fernsehrat die Evangelische Kirche. Insgesamt wurden zwölf neue Mitglieder in den 60-köpfigen Fernsehrat gewählt. "In meiner zweiten Amtszeit als Vorsitzende muss es vor allem darum gehen, die Strategien für das ZDF weiterzuentwickeln, um den öffentlich-rechtlichen Auftrag in einem digitalen Medienmarkt kraftvoll zu erfüllen. Dazu gehören messbare Kriterien für den Vergleich mit nationalen und internationalen Playern. Die Aufgabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland zu fördern, bleibt wesentlich", so Thieme  

Thomas Bellut hat vor dem Fernsehrat auch noch einmal deutlich gemacht, künftig im Bereich des Profi-Fußballs sparen zu wollen. "Es wird einfach zu teuer für uns", sagte der ZDF-Intendant im Anschluss an die Sitzung vor Journalisten. 100 Millionen Euro sollen so eingespart werden, das kündigte er bereits vor einigen Tagen im Interview mit der "FAZ" an (DWDL.de berichtete). Das Geld wolle man in andere Bereiche stecken oder eben zum sparen nutzen. Dass sich das ZDF an Mehrkosten, die durch Corona entstehen, mit bis zu 50 Prozent beteiligt, gilt mindestens noch bis Ende Juli. Danach müsse man Monat für Monat schauen, wie die Lage aussieht, so Bellut. 

Gefragt wurde Bellut auch noch, wie er die Debatte rund um das verunglückte RBB-Interview mit AfD-Politiker Andreas Kalbitz sieht. Hintergrund: ZDF-Chefredakteur Peter Frey schloss Bernd Höcke Ende 2019 dezidiert als Talkshow-Gast aus (DWDL.de berichtete). Bellut will einzelne Personen oder Parteien nicht aus dem Programm ausschließen, sagt aber auch, das Rassismus niemals ungefiltert über den Sender gehen dürfe. Ein locker-flockiges "Sommerinterview" mit Kalbitz oder einem anderen AfD-Politiker soll es demnach nicht geben. 

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