Bereits seit mehr als zwei Monaten streiken in den USA die Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren - und nach wie vor sieht es nicht so aus, als würde es hier zu einer schnellen Einigung zwischen der Writers Guild of America (WGA) und der Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) kommen. Und nun droht der Branche in den Staaten endgültig der Stillstand, jetzt wird nämlich auch ein möglicher Streik von Schauspielerinnen und Schauspielern sehr akut. 

Die zuständige Screen Actors Guild – American Federation of Television and Radio Artists (SAG-AFTRA) hatte in den zurückliegenden Wochen ebenfalls mit der AMPTP über neue Verträge verhandelt. Und auch wenn SAG-AFTRA-Präsidentin Fran Drescher noch vor einigen Tagen von "extrem produktiven" Sitzungen sprach und sich optimistisch zeigte, einen Streik abzuwenden, sehen die Vorzeichen nun plötzlich ganz anders auch. Denn eine in der Nacht abgelaufene Deadline hat keine Einigung gebracht. 

Das Verhandlungskommitee der SAG-AFTRA hat sich daher nun für einen Streik ausgesprochen. Der Ausstand der Schauspielerinnen und Schauspieler ist damit zwar noch nicht beschlossen, wird aber sehr wahrscheinlich. Und es wird jetzt wohl schnell gehen: Noch am Donnerstag will der SAG-AFTRA-Vorstand über den Vorschlag beraten und seine Entscheidung bekanntgeben. Gibt der Vorstand grünes Licht, würde es erstmals seit 60 Jahren zu einem zeitgleichen Streik von Schauspielenden und Autorinnen und Autoren kommen. 

Solange sie nicht in gutem Glauben verhandeln, können wir keine Einigung erzielen.
SAG-AFTRA-Präsidentin Fran Drescher


In einer Pressemitteilung erklärt die SAG-AFTRA, die 160.000 Mitglieder vertritt, darunter neben Schauspielenden auch Stuntleute, Journalistinnen und Moderatoren, dass die AMPTP nach mehr als vier Wochen Verhandlungen nicht bereit sei "ein faires Angebot" anzubieten. Die AMPTP vertritt die großen US-Studios und Streamingdienste, darunter Amazon, Apple, Disney, NBCUniversal, Netflix, Paramount, Sony und Warner Bros. Discovery.

Fran Drescher © IMAGO / Cover-Images Fran Drescher
Auch SAG-AFTRA-Präsidentin Fran Drescher schlägt mittlerweile andere Töne an. Sie sagt: "Wir haben in gutem Glauben verhandelt und waren bestrebt, eine Einigung zu erzielen, die den Bedürfnissen der Künstler ausreichend gerecht wird, aber die Reaktionen der AMPTP auf die wichtigsten Vorschläge waren beleidigend und respektlos in Anbetracht dessen, was unsere Mitglieder für die Branche leisten. Bei manchen Themen weigerten sich die Unternehmen, sich sinnvoll zu engagieren, bei anderen blockierten sie uns völlig. Solange sie nicht in gutem Glauben verhandeln, können wir keine Einigung erzielen. Wir haben keine andere Wahl, als gemeinsam und im Namen unserer Mitglieder mit einer Streikempfehlung an unseren Nationalvorstand heranzutreten."

AMPTP zeigt sich "enttäuscht"

Ein Streik der Schauspielenden dürfte weitreichende Folgen auf die Branche haben und diese weitgehend zum Erliegen bringen. Gut möglich ist etwa, dass die Emmys nicht wie geplant am 18. September verliehen werden können - mögliche Ausweichtermine kursieren schon seit Tagen. Bereits sehr aktuell: Die London-Premiere des Films "Oppenheimer" am heutigen Donnerstag wurde um eine Stunde nach vorn verlegt, damit die Schauspielerinnen und Schauspieler in jedem Fall vor einem möglichen Streik-Beginn daran teilnehmen können. 

Dass auch die A-Liga der Schauspielenden an dem Streik teilnehmen wird, daran gibt es längst keine Zweifel mehr. Bereits vor einigen Tagen hatten Personen wie Meryl Streep und Jennifer Lawrence die Schauspieler-Gewerkschaft dazu aufgerufen, sich nicht mit einem mittelmäßigen Deal zufrieden zu geben. Das letzte Mal, als die SAG-AFTRA in den Streik ging, war übrigens 1980. Von der AMPTP hieß es, man sei "enttäuscht" darüber, dass sich die SAG-AFTRA dazu entschlossen haben, die Verhandlungen "abzubrechen". Die Gewerkschaft habe ein Angebot von "historischen Gehaltserhöhungen" abgelehnt.