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Meine Woche in Serie

Hier sollten Sie dringend reinhören: "S-Town"

 

Eine fesselnde Serie aus dem wahren Leben: Unsere Kolumnistin Ulrike Klode schreibt über eine spannende Geschichte, in die sie in dieser Woche eingetaucht ist. Allerdings dieses Mal per Kopfhörer, nicht per Bildschirm. Denn "S-Town" ist ein Podcast, keine Fernsehserie.

von Ulrike Klode
01.04.2017 - 10:55 Uhr

Dieses Serienjahr ist noch besser gestartet, als ich das erwartet hatte. Ständig stoße ich auf Serien, die mich begeistern. Ich komme mir ehrlich gesagt schon ein bisschen seltsam vor, weil ich gefühlt von einer Begeisterung in die nächste hüpfe. In dieser Woche wieder so ein Fall: Ich fange eine Serie an, bin gefesselt und komme nicht los - innerhalb von zwei Tagen habe ich alle Folgen durch. Allerdings ist dieses Mal eine wichtige Sache anders: Es handelt sich um eine Serie zum Hören. "S-Town" heißt sie, und ist eine Art Ableger von "Serial", dem amerikanischen Podcast, der Ende 2014 für Aufsehen gesorgt hat und weltweit millionenfach gehört wurde.

Die erste Staffel von "Serial" hatte zwei Besonderheiten: Erstens hat sich die Autorin Sarah Koenig sehr viel Zeit für die wahre Geschichte eines Mordfalls genommen, die sie erzählen wollte. Und zweitens hat sie die Hörer an ihren Recherchen und Gedanken teilhaben lassen - durch die Art, wie sie die insgesamt 12 Folgen aufgebaut hat. Für Sommer ist die dritte Staffel angekündigt.

"S-Town" beginnt eigentlich konventionell: Der Radiojournalist Brian Reed bekommt per Mail von einem Hörer einen Hinweis auf ein Verbrechen, das möglicherweise vertuscht werden soll. Er nimmt Kontakt mit diesem Hörer auf und legt mit der Recherche los. Journalistischer Alltag bis hierhin, spannend erzählt. Doch entwickelt sich die Geschichte völlig anders als erwartet und der Tippgeber, ein exzentrischer Uhr-Restaurator aus Alabama, rückt stärker in den Fokus. Es geht um Verbrechen, Geheimnisse, Gelüste und sogar eine Schatzsuche. Inhaltlich mehr zu verraten, würde zu viel vorwegnehmen. Denn hier ist fast nichts wie es scheint. Beobachtungen, Erfahrungen, Aussagen, all das wird immer wieder auf den Kopf gestellt und hinterfragt - und das auf eine sehr ruhige, einfühlsame Art.

Brian Reed gelingt es, die Hörer auf eine Reise mitzunehmen, auf die sich allein niemand eingelassen hätte. Er offenbart Abgründe, ohne zu skandalisieren. Er gibt einen tiefen Einblick in die amerikanische Seele. Und das so fesselnd, dass ich sehr froh darüber war, dass alle sieben Folgen am Dienstag nach Netflix-Art auf einen Schlag veröffentlicht wurden. Ich konnte den Hörgenuss also an meinen Tag anpassen und musste nicht auf die nächste Folge warten. Am Donnerstag habe ich den Großteil des Tages damit verbracht, Brian Reeds "S-Town" zu lauschen, ich bin stundenlang abgetaucht in den kleinen Ort Woodstock in den amerikanischen Südstaaten.

Mit seiner Art des Erzählens geht Brian Reed über das hinaus, was Sarah Koenig mit "Serial" gemacht hat. Bei "Serial" wusste man, worum es geht: in der ersten Staffel um den Mord an einer Schülerin, für den ihr Ex-Freund möglicherweise zu Unrecht verurteilt wurde. In der zweiten Staffel um die Entführung eines US-Soldaten in Afghanistan und wie es dazu gekommen ist. Auch wenn in beiden Fällen klar war, dass es sich um eine offene Recherche handelt, bei der man die Autorin begleitet, ohne zu wissen, ob es am Ende ein eindeutiges Ergebnis geben würde. Bei "S-Town" dagegen ist nichts klar. Hin und wieder besteht sogar die Gefahr, dass sich der Hörer orientierungslos fühlt. Ich ertappte mich dabei, an manchen Stellen zu denken: "Ah, in diese und jene Richtung geht es also." Doch meistens lag ich falsch - was mir allerdings nichts ausgemacht hat, denn durch die empathische, unaufgeregte Art des Autors, gepaart mit seiner journalistischen Erfahrenheit, fühlte ich mich in der Geschichte gut aufgehoben, obwohl ich nicht wusste, wohin es geht - beziehungsweise ob es überhaupt auf irgendwas hinausläuft. 

Wer mag, kann direkt hier in die erste Folge reinhören: 

Und zum Schluss noch vier Gucktipps: 

Gillian Anderson als knallharte Ermittlerin: Die erste Staffel "The Fall" ist ab 1. April auf Netflix verfügbar. Sehr sehenswert.

"Dr. Who" lässt grüßen: "Class", der neue Spin-off der erfolgreichen britischen Sciene-Fiction-Serie, lief Ende des Jahres in Großbritannien und ist ab 4. April auf dem ARD-Sender One zu sehen. Schüler einer bestimmten Schule, die in "Dr. Who" in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach auftauchte, müssen sich gegen außerirdische Gefahren zur Wehr setzen - und gleichzeitig ihr Leben auf die Reihe kriegen. 

Das Ende einer sehr guten Serie: Die siebte und letzte Staffel von "The Good Wife" ist ab 4. April auf Netflix zu sehen. Wer mehr über die Anwaltsserie "The Good Wife" wissen will: Ich habe im DWDL-Podcast "Seriendialoge" mit einem Medienwissenschaftler darüber gesprochen, warum diese Serie so ausgewöhnlich gut ist: "Moral unter der Lupe bei 'The Good Wife'"

Hochkarätige Schauspielerinnen: Reese Witherspoon, Nicole Kidman und Shailene Woodley - wenn man nur auf die Besetzung schaut, könnte man denken, bei "Big Little Lies" handelt es sich um einen Blockbuster-Film. Nein, es ist tatsächlich eine HBO-Serie von David E. Kelley, deren Finale am Wochenende in den USA läuft. Am 6. April startet sie bei Sky Atlantic HD. In der vergangenen Woche hatte ich in meiner Kolumne über "Big Little Lies geschrieben: "Schaut auf Witherspoon und Kidman" 

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das hören, über das ich schreibe?

"S-Town": In jeder Podcast-App, bei iTunes oder direkt auf der Website "S-Town Podcast".

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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