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Meine Woche in Serie

"Master of None" 2: Gut Ding wollte Weile haben

 

Eigentlich waren die Voraussetzungen für die zweite Staffel von "Master of None" denkbar schlecht: Unsere Kolumnistin Ulrike Klode war von Staffel 1 begeistert und in den anderthalb Jahren des Wartens stiegen ihre Erwartungen noch weiter an. Doch die lange Zeit hat der Serie gutgetan.

von Ulrike Klode
10.06.2017 - 10:30 Uhr

Ja, ich weiß, ich habe es hier bereits mehrfach erwähnt: Das Serienjahr 2017 ist großartig, bisher. Und der Text heute fällt erneut in die Kategorie "Ulrike Klode ist begeistert". Es geht um die zweite Staffel "Master of None", auf die ich mich sehr gefreut habe - so sehr, dass ich sie in meine Liste der 13 Serien, auf die ich mich 2017 freue, aufgenommen habe.

Zweite Staffeln sind eine schwierige Sache: Bei vielen Serien, deren erste Staffel überzeugt hat, fällt die zweite stark ab, einige berappeln sich in der dritten dann wieder und finden zurück zu dem, was sie in Staffel 1 ausgemacht hat. Einige aber auch nicht. Und selbst bei Serien, deren zweite Staffel nur wenig schlechter ist als die erste, bleibt ein schlechter Nachgeschmack, weil die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Dazu kommt außerdem das bekannte Erwartungsmanagement-Problem: Die Erwartungen werden immer höher, je länger man warten muss.

Entsprechend schwierig die Ausgangssituation für die zweite Staffel von "Master of None": Die erste Staffel fand ich überragend (weshalb ich sie in die Liste meiner Lieblingsserien von 2015 aufgenommen hatte) und die zweite kam erst anderthalb Jahre später. Anderthalb Jahre, in der sich meine Erwartungen gesteigert haben. Aber: Anderthalb Jahre, die die Crew um Aziz Ansari und Alan Yang sehr gut genutzt hat.

Es gibt nur eine Sache, die ich scharf kritisieren muss: die Anzahl der Folgen. Zehn sind zu wenig. Ich wäre gerne einfach noch viele weitere Abende lang in Dev Shahs Leben eingestiegen und hätte ihn weiter beobachtet, als stille Mitbewohnerin. Denn ich kenne ihn mittlerweile gut: Ich habe mit Dev (Aziz Ansari) und seinem Freund Arnold (Eric Wareheim) gelacht, habe mich mit ihm über die seltsame TV-Branche gewundert, in der er arbeitet, habe mit ihm Konflikte mit den Eltern ausgetragen, mit ihm wegen Rachel (Noël Wells) und Francesca (Alessandra Mastronardi) gelitten, mit ihm köstliches Essen probiert, mit ihm bei Denises Familie Thanksgiving gefeiert. Ich war die stille Beobachterin und fühlte mich trotzdem willkommen, denn auch in Staffel 2 war ich keine Voyeurin, sondern die Adressatin der Lebensgeschichten, die hier erzählt werden. Das sind hin und wieder große Geschichten - wie das langsame Akzeptieren von Denises sexueller Orientierung durch ihre Familie oder die fast verzweifelte Suche nach Seelenverwandschaft -, das sind oft aber auch einfach kleine Geschichten wie Devs und Arnolds gemeinsamer Ausflug in Italien oder der Smartphone-Diebstahl. 

Und es ist ein großes Vergnügen, wie die Geschichten erzählt werden - man merkt den Machern ihren Spieltrieb und ihre Freude am Ausprobieren an. Gleich die erste Folge der zweiten Staffel ist schwarz-weiß - und ist eine Hommage an den italienischen Klassiker "Fahrraddiebe". Eigentlich kühn, so in die neue Staffel so einzusteigen. Aber einfach großartig. (Im Laufe der Staffel gibt es noch mehr Klassiker-Zitate und -Anspielungen, praktischerweise hat "Vulture" sie alle zusammengetragen: "'Master of None' glossary: every major film reference in season 2, from A - Z") Ebenfalls kühn: Eine Folge zu machen, die wie ein Episodenfilm die Geschichten von drei unterschiedlichen Menschen in New York erzählt - einem Türsteher, einer gehörlosen Frau, einem Taxifahrer - und in der die Hauptfiguren nur am Anfang kurz vorkommen. Der Part, in dem es um die gehörlose Frau geht, ist übrigens tonlos. Natürlich. Hach!

Noch eine kühne Idee: Eine Folge spielt komplett im Haus der Familie von Devs Freundin Denise (Lena Waithe), wir sehen das Thanksgiving-Essen in verschiedenen Jahren. Und es ist eine beeindruckende Studie, wie sich der Umgang von Denises Familie mit ihrer Homosexualität verändert hat. Eine Kühnheit muss ich außerdem noch kurz erwähnen: Die Folge "Amarsi un Po" mal eben 57 Minuten lang zu machen. Und ja: Die Geschichte, die hier erzählt wird, trägt diese Länge. Ich habe wirklich erst, als die Folge zu Ende war, festgestellt, dass sie doppelt so lang war wie die anderen. 

Letztes Mal habe ich mich ein bisschen geärgert, als bekannt gegeben wurde, dass sich die nächste Staffel verzögert. Dieses Mal aber bin ich entspannt und möchte Netflix zurufen: Gebt Aziz Ansari und Alan Yang bitte alle Zeit der Welt, damit sie wieder eine so wunderbare Staffel erschaffen können!

Und zum Schluss noch ein Hörtipp und zwei Gucktipps: 

Im DWDL.de-Podcast "Seriendialoge" geht es dieses Mal um die Serien, die ab Herbst in den USA zu sehen sein werden. DWDL.de-Chef Thomas Lückerath und sein Stellvertreter Uwe Mantel waren bei den LA Screenings und berichten im Podcast von den neuesten Trends, Serien, auf die wir uns freuen können, und davon, wie schwer eine Erfolgsprognose ist. Klicken Sie auf folgenden Audio-Player, um die Folge anzuhören:

Einfach mal zurücklehnen: Doku-Reihe "Die Inseln der Queen". In der fünfteiligen ZDF-Produktion werden die britischen Inseln Shetland, Isle of Man, die äußeren Hebriden, die Scilly-Inseln und Jersey vorgestellt. Für anglophile Menschen wie ich es bin ein Genuss. Täglich 12. bis 16. Juni ab 17.35 Uhr auf Arte.

Die dritte Staffel der bildstarken Serie "Peaky Blinders" läuft derzeit auf Arte. Die ersten drei Folgen wurden bereits gezeigt, sind aber in der Arte-Mediathek verfügbar. Die Folgen 4, 5 und 6 werden am Donnerstag, 15. Juni, ab 20.15 Uhr alle drei nacheinander gezeigt. Zu der Serie gibt es eine Folge des Podcasts "Seriendialoge", in der Film- und Fernsehregisseurin Franziska Meyer Price von ihrer Faszination dafür erzählt: "Seriendialoge (18): Die Macht der Bilder bei 'Peaky Blinders'"

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"Master of None": Nur bei Netflix.

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