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Meine Woche in Serie

Gut, dass "Unbreakable Kimmy Schmidt" nach S4 endet

 

Unsere Kolumnistin Ulrike Klode mag die Serie "Unbreakable Kimmy Schmidt". Trotzdem findet sie es gut, dass nach der nächsten Staffel Schluss sein soll. Denn: Hier wurde der richtige Zeitpunkt erkannt, der bei vielen anderen Serien verpasst wurde.

von Ulrike Klode
05.05.2018 - 07:59 Uhr

Die vierte Staffel von "Unbreakable Kimmy Schmidt" wird die letzte sein, das hat Netflix am Donnerstagabend verkündet. Ich finde das gut - obwohl mir die Serie gefällt, wie ich in dieser Kolumne vor gut zwei Jahren geschrieben habe. Auf den ersten Blick ist das vielleicht ein Widerspruch. Denn ja, natürlich gab und gibt es genügend Fälle, in denen ich es nicht gut finde, wenn eine Serie eingestellt wird. Aber es gab und gibt eben auch genügend Fälle, in denen ich mich darüber aufrege, dass eine Serie ihren Zenith überschreitet und so lange verlängert wird, dass es der Serie schadet. "Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist", heißt es immer. Und genau das passiert bei Serien leider immer noch viel zu selten. (Ja, "How I Met Your Mother", Du bist gemeint! Und auch Du, "Misfits". Und "The Walking Dead" und "House Of Cards" sowieso. Ach, mir würden noch viele, viele mehr einfallen.)

Als ich die erste Staffel von "Unbreakable Kimmy Schmidt" geschaut habe, hat mich die Hauptfigur Kimmy Schmidt verzaubert mit ihrem Optimismus, ihrer Entschlossenheit und ihrer Offenheit. Doch nicht nur die Figur hat mich begeistert und meine Welt ein bisschen bunter gemacht - auch die Tatsache, wie in der Serie mit dem Trauma, das Kimmy Schmidt erlebt hat, umgegangen wurde. Man hätte aus derselben Ausgangssituation auch eine viel düstere Serie machen können, die sich auf das Trauma konzentriert und wie die Figur darunter den Rest ihres Lebens leiden muss. Doch "Unbreakable Kimmy Schmidt" ist das genaue Gegenteil: eine lebensbejahende, bunte, helle Serie mit einer ansteckenden Persönlichkeit im Mittelpunkt. Das Publikum erfährt durch Rückblicke oder einzelne Szenen zwar immer mal wieder, welche Last diese Figur mit sich trägt, doch das Hauptaugenmerk liegt darauf, mit welcher Kraft und Begeisterung Kimmy ihr eigenes Leben in die Hand nimmt, weil sie endlich wieder in Freiheit ist. Natürlich könnte man von einer solchen Serie unendlich viele Staffeln gebrauchen, denn ansteckenden Optimismus und Lebensmut kann man nie genug haben. Und nach Staffel 1 und 2 hätte ich auch gesagt: Diese Kimmy will ich jedes Jahr wiedersehen!

Aber tatsächlich hat sich in Staffel 3 gezeigt, dass die Figur Kimmy Schmidt nicht uneingeschränkt über Jahre hinweg funktionieren könnte: Denn je mehr sich Kimmy an das Leben in Freiheit gewöhnt hat, desto mehr verlor die Figur ihren Reiz. Es gab immer weniger, über das sie sich wundern und das sie wie ein Kind bestaunen konnte. Ihre Ratschläge an ihre Freunde hatten nicht mehr den Charme der Außensicht, wie sie nur eine Person haben kann, die 15 Jahre lang nichts mit der Gesellschaft zu tun hatte. Denn: Kimmy hatte sich entwickelt. Das ist zwar einerseits gut, das erwarten wir von Serien - andererseits eben schlecht. Dass nach Staffel 4, deren erste Hälfte Ende Mai veröffentlicht werden soll, nun Schluss ist, ist also nur konsequent, finde ich.

Ob es nun eine Entscheidung der Serienmacherinnen und -macher rund um Tina Fey war, die erkannt haben, dass sich die Geschichte ihrem Ende zuneigt oder ob es eine wirtschaftliche Entscheidung des Auftraggebers Netflix war, weiß ich natürlich nicht. Aber das ist für Folgendes egal: Die Ankündigung hat Staffel 4 für mich nun reizvoller gemacht. Denn nach Staffel 3 hatte ich mir überlegt, ob ich Kimmy Schmidts weiteren Lebensweg weiter verfolgen will oder mir zwei sehr schöne und eine ganz gute Staffel nicht einfach ausreichen. Jetzt, da ich weiß, dass Staffel 4 (plus ein möglicher Abschlussfilm, über den noch verhandelt wird) die letzte sein wird, freue ich mich darauf und bin sogar gespannt, wie Kimmys besondere Geschichte beendet werden wird. (Ich hoffe auf ein offenes Ende, in dem viel Positives mitschwingt.) 

Und ich freue mich, dass "Unbreakable Kimmy Schmidt" das Schicksal erspart bleibt, das viele andere Serien ereilt hat: Dass man, wenn man sie empfiehlt, dazu sagen muss, bis wann sich das Gucken lohnt. Vorausgesetzt, Staffel 4 wird gut - wovon ich guten Gewissens ausgehen kann -, gehört Kimmy Schmidt jetzt auf die Liste der wenigen Serien, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. 

"Unbreakable Kimmy Schmidt" hat für mich übrigens sogar gewisse "Gilmore Girls"-Qualitäten - vielleicht wird sie eine der ganz wenigen Serien, von denen ich einzelne Folgen immer mal wieder anschaue, weil sie gute Laune machen.  

"Unbreakable Kimmy Schmidt" ist auf Netflix verfügbar, die ersten sechs Folgen der vierten Staffel werden dort am 30. Mai veröffentlicht, die restlichen Folgen dann im Verlauf des Jahres, ein Datum ist noch nicht bekannt. 

Über die Autorin

Ulrike Klode ist freie Journalistin in Hamburg - und weil sie serienverrückt ist, schreibt und redet sie am liebsten über nichts anderes. Zum Beispiel in ihrer wöchentlichen Kolumne "Meine Woche in Serie" und im Podcast "Seriendialoge".

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