Jahres-MA 2019 RTL

RTL legt stärker zu als alle anderen Sender

2018 Jahr war RTL noch der größte Verlierer unter den großen TV-Sendern, im Jahr 2019 konnte man die Verluste des Vorjahres nun fast  komplett wieder wettmachen und legte im Gegenzug den größten Zuwachs aller Sender hin: Um 0,7 Prozentpunkte ging es wieder nach oben auf einen Jahresmarktanteil von nun 12,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Beim Gesamtpublikum gab es keinen annähernd so starken Effekt, hier ging's aber vom 30-Jahres-Tief des Vorjahres zumindest ganz leicht um 0,1 Prozentpunkt auf einen Jahresmarktanteil von 8,4 Prozent nach oben.

An den Baustellen des Senders hat sich dabei auf den ersten Blick nicht viel verändert: Es ist weiterhin vor allem der Nachmittag, der Probleme macht. Nur die "Superhändler" funktionieren dort seit der Abkehr von der Scripted-Reality-Farbe seither, alles andere floppte. Nun sollen es im kommenden Jahr bekannte Gesichter in dieser Zeitschiene richten. Eine Verbesserung hier wäre essentiell, um die Trendwende bei der Quotenentwicklung nachhaltig zu untermauern. Ansonsten wird spannend, wie die neue Marschrichtung, die der neue Senderchef Jörg Graf vorgegeben hat, aus Quotensicht verfangen wird. Mehr Events, mehr Live, Relevanz, mehr Aktualität, könnte man das zusammenfassen. Erste Ansätze davon waren schon zu sehen, doch ob es den Sender generell nach vorne bringt, muss sich erst noch zeigen.

Denn dass RTL 2019 deutlich besser dastand als ein Jahr zuvor, ist nicht zuletzt einem Fußball-Effekt zu verdanken. Zum Einen fehlte natürlich auch hier im Sommer die Konkurrenz durch die WM, zum Anderen übertrug RTL 2019 deutlich mehr Fußballspiele als noch im Vorjahr. Durch die Einführung der "Nations League" hatten sich die EM-Quali-Spiele stärker von 2018 in 2019 verlagert, dazu kommt noch, dass RTL nun immer häufiger auch die Europa League ins Programm nimmt, die ursprünglich mal hauptsächlich für Nitro gedacht war, aber eben auch bei RTL für starke Quoten sorgt. Doch dass es nicht nur diese Einzeleffekte sind, die RTL besser dastehen lassen, zeigt schon die Tatsache, dass der Sender in elf von zwölf Monaten in der Zielgruppe einen höheren Marktanteil als noch im Vorjahr erreichte. Das sollte RTL positiv in die Zukunft blicken lassen.

Jahres-MA 2019 Sat.1

Sat.1 findet kein Mittel gegen den Abwärtstrend

Sat.1-Chef Kaspar Pflüger sprach in seiner Jarhesbilanz von einem "herausfordernden Jahr" - und das bedeutet mit Blick auf die nackten Zahlen, dass der Sender auch im Jahr 2019 den Abwärtstrend der letzten Jahre ungebremst weiter fortsetzte. Während die meisten Privaten schon allein davon profitierten, dass diesmal weder Fußball-WM noch Olympische Spiele zwischenzeitlich die Quoten verhagelten, ging es für Sat.1 nochmal weitere 0,3 Prozentpunkte bergab auf nun 7,8 Prozent Marktanteil - einen geringeren Wert gab es nur direkt nach dem Senderstart Ende der 80er. Und das kommt nicht von ungefähr, es gab nämlich gerade mal zwei Monate, in denen 2019 der Monatsmarktanteil höher ausfiel als im gleichen Monat des Vorjahres. Beim Gesamtpublikum sah es ähnlich aus: Der Jahresmarktanteil sank um 0,2 Prozentpunkte auf nun 6,0 Prozent. Man muss bis ins Jahr 1988 zurückgehen, um einen geringeren Wert zu finden.

Das weitere Abrutschen lag zum Einen maßgeblich daran, dass es nicht gelang, die drängendste Baustelle am Vorabend zu schließen - hier ging's im Lauf des Jahres sogar eher noch bergab. Nun ruhen dort alle Hoffnungen auf das Comeback von "Big Brother". Dazu kam verschärfend, dass es nicht gelang, echte neue Hits in der Primetime zu finden, auch dort taten sich im Gegenteil immer weitere Probleme auf. Die eigenproduzierten Serien floppten schon zu Jahresbeginn, die eigenproduzierten Filme gingen nach dem Sendeplatzwechsel am Montag völlig unter, zuletzt wurden auch große Shows wie "Dancing on Ice" oder "The Voice Senior" am Publikum vorbei gesendet. Und dass neben dem weiterhin überaus erfolgreichen "Frühstücksfernsehen" und einigen schönen Erfolgen am Sonntagvorabend vor allem die Blaulicht-Formate am Nachmittag plötzlich wie Stabilitätsanker wirken, liegt auch eher daran, dass man sich bei der Konkurrenz bemüht, diese Programmfarbe hinter sich zu lassen.