Hannes Heyelmann mit TNT-Senderfamilie © Turner
Interview zu 10 Jahren TNT Serie mit Hannes Heyelmann

"Sind nach wie vor überzeugt vom deutschen Pay-TV-Markt"

 

TNT Serie feiert in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag. Zum Jubiläum spricht Hannes Heyelmann, Geschäftsführer von Turner Zentral- und Osteuropa, über die schwierige Anfangszeit, die Strategie in Sachen Eigenproduktionen und die VoD-Pläne der US-Mutter.

von Thomas Lückerath
29.01.2019 - 10:42 Uhr

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Herr Heyelmann, TNT Serie feiert 10. Geburtstag. Bevor wir über den Status Quo reden, fangen wir mit der Erinnerung an damals an. Damals waren Serien noch nicht so allgegenwärtig wie heute…

Die Geschichte fängt eigentlich 2006 an, als wir mit Cartoon Network, Boomerang und damals Turner Classic Movies im deutschen Markt gestartet sind. Bald darauf haben wir gemerkt, dass es im Pay-TV eine Marktlücke gibt: In Deutschland gab es keinen Seriensender. Mit TNT Serie waren wir damals der Zeit ein Stück voraus. Das war noch vor Video-on-Demand und es entstand ein Serienboom, getragen von der plötzlichen Produktionslust amerikanischer Kabelsender.

Wobei das deutsche Fox einige Monate vor ihnen gestartet ist…

Richtig, die Planungen von Fox liefen parallel zu unseren Vorbereitungen. Davon wussten wir nichts. Wir waren mit unserem Start beschäftigt, zu dem wir auch von Turner die Flexibilität bekommen haben, den Sender TNT Serie zu nennen. Bis dato gab es nur eine Marke, die hieß TNT. Wir haben in dem Zug dann aus Turner Classic Movies auch TNT Film gemacht, dem Sender einen moderneren Anstrich gegeben und TCM wurde nicht länger mit der Eigenmarke von Tchibo verwechselt (lacht).

Wie schwer war es in einem internationalen Medienhaus für den deutschen Markt einen Sonderwunsch durchzudrücken und die internationale Marke TNT abzuwandeln?

Das geht vielleicht nicht bei jedem amerikanischen Konzern, aber bei Turner wird lokal gedacht und das ermöglichte uns die Freiheit TNT Serie zu schaffen. Uns war wichtig, dass man am Namen erkennt was der Sender bietet. Inzwischen gibt es nach unserem Vorbild auch in anderen Märkten TNT Serie, zum Beispiel in Lateinamerika. Diese Flexibilität zeigte sich dann nochmal als wir TNT Comedy geschaffen haben.

Wenn wir uns zurückdenken in die Jahre 2008 und 2009, dann war das noch vor Sky. Premiere galt damals noch als schwieriger Fall, wie das Pay-TV insgesamt. Woher kam Ihre Zuversicht, dass es lohnt als Turner so ins deutsche Bezahlfernsehen zu investieren?

Wir haben den großen Free-TV-Markt betrachtet und seine Stärken aber auch Schwächen analysiert. Serienfans war zur damaligen Zeit beispielsweise wichtig, dass es bei Serien eine verlässliche Programmplanung gibt. Im Free-TV wird oft getauscht, ausgesetzt oder gleich abgesetzt. In jener Zeit vor Video-on-Demand war dann eine gerade begonnene Serie oftmals einfach weg, ohne Chance sie zu Ende zu gucken. Eine verlässliche Serienquelle, noch dazu ohne Werbeunterbrechungen und vielleicht auch Produktionen, die sich die großen Free-TV-Sender nicht trauen: Das waren unsere Argumente für TNT Serie.

Und es gab nie Zweifel am Erfolg?

Nun, unsere Entscheidung fiel bevor klar war, dass Sky kommen würde – das zeigt wie sehr wir vom deutschen Pay-TV-Markt überzeugt waren und nach wie vor sind. Natürlich hat das Rebranding von Premiere zu Sky dem Pay-TV-Markt noch einmal einen wichtigen Anstoß gegeben. Aber der Start von TNT Serie war schon ein Risiko und wir haben über mehrere Jahre Verlust gemacht, kalkulierten Verlust wohlgemerkt. Uns war klar, dass wir einen Sender aufbauen, der nicht im zweiten Jahr schon Gewinn macht, aber sich auszahlen wird, wenn man strategisch und langfristig plant: TNT Serie ist sehr gut aufgestellt und profitabel. Zu dem strategischen Ansatz gehörte früh die Erkenntnis, dass wir für unsere Wahrnehmung mehr tun müssen als Programme einzukaufen. Der zunehmende Wettbewerb um die Rechte an hochwertigen amerikanischen Serien, auch durch den Start von Sky Atlantic, hat dazu geführt, dass der Einkauf von Lizenzware immer schwieriger wurde. Daher haben wir eine neue Säule in unserer Programmstrategie geschaffen, Stichwort: Eigenproduktionen.

"Wir wollen überraschen und Genres bedienen, die noch nicht oder nicht gut besetzt sind."

An denen kann man die Geschichte von TNT Serie gut erzählen. 2012 kam „Add a Friend“. Low budget, aber gefeiert. Vielleicht aber von mehr Kritikern gesehen als Zuschauern, würde ich mal so sagen.

„Add a Friend“ war damals ein erstes Statement und gewissermaßen auch ein Test. Werden wir wahrgenommen? Wir fanden es natürlich toll, die erste deutsche Pay-TV-Serie zu machen. Dass wir dann noch jahrelang die einzigen sein würden, die im Pay-TV auf dem Level selbst produzieren, hätte ich auch nicht gedacht. Für uns war das die Initialzündung und ein Signal an die Branche: Mit TNT Serie kann man arbeiten.

Dann kam „Weinberg“ - eine Produktion mit deutlich mehr Budget.

Wir wollten nach „Add a Friend“ etwas komplett anderes machen, weil wir mit einer weiteren Dramedy sonst gleich in eine Ecke gestellt worden wären. Wir suchten also nach etwas Unerwartetem und entschieden uns für eine deutsche Mysteryserie - unerwarteter ging es glaube ich gar nicht. Damit hatten wir wieder den Überraschungseffekt auf unserer Seite. Und mit „4 Blocks“ kam wieder eine ganz andere Richtung. Das ist unsere DNA. Wir wollen überraschen und Genres bedienen, die noch nicht oder nicht gut besetzt sind.

Und während „Add a Friend“ und „Weinberg“ noch wie aufwändiges Marketing funktionierten, gewann „4 Blocks“ schnell eine Fanbase, die dann einer zweiten Staffel entgegenfieberte. Das war ein neues Gefühl, oder?

„4 Blocks“ ist natürlich eine Ausnahmeserie im positiven Sinne. So einen Treffer landet man nicht häufig mit Fans über alle Zuschauerschichten hinweg. Mit „4 Blocks“ haben wir eigentlich alles erreicht, was man mit einer Serie erreichen kann. Der Erfolg unserer TNT Serie Originals hat uns ermutigt, auch für TNT Comedy selbst zu produzieren.

Auf Seite 2 lesen Sie, warum TNT Comedy die TV-Premiere von "Arthurs Gesetz" der Telekom überlassen hat, was nach "4 Blocks" kommt und was Heyelmann zu den VoD-Plänen der US-Mutter sagt.

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