Starzplay, Superna Kalle © Starz
Starzplay-Chefin Superna Kalle im DWDL.de-Interview

"Wir geben jeder Serie genügend Raum, um aufzufallen"

 

Mit seiner neuen App will der SVoD-Service Starzplay global expandieren. Superna Kalle, EVP International Digital Networks beim US-Pay-TV- und Streaming-Anbieter Starz, verrät im DWDL.de-Interview, dass sie bald auch lokale Eigenproduktionen in Europa plant.

von Torsten Zarges , London
16.12.2019 - 08:33 Uhr

Frau Kalle, seit drei Wochen ist Starzplay in Deutschland mit eigener iOS- und Android-App auf dem Markt, während es vorher nur als Add-on bei Amazon Prime Video oder Apple TV zu haben war. Was bedeutet dieser Schritt für Sie?

Die eigene App bietet uns einige strategische Vorteile. Wir erhalten damit Zugriff auf wichtige First-Party-Daten – wie und wo die Leute uns nutzen, welche Inhalte funktionieren und welche nicht. Das hilft uns bei der Gewinnung neuer Abonnenten ebenso wie bei der Reduzierung von Kundenabwanderung. Natürlich bekommen wir auch von unseren Distributionspartnern Daten, aber das ist nie genug. In manchen Fällen dient uns die App auch als technisches Tool zur Verbreitung auf Plattformen von Netzbetreibern, die keine eigene App haben.

Auf der anderen Seite müssen Sie mehr Geld und Energie ins Marketing stecken, damit eine Stand-Alone-App gefunden wird.

Das stimmt. Aber wir fangen ja gerade erst an. Wir sind mit Starzplay in einem Stadium, in dem wir noch experimentieren, was gut läuft, was nicht so gut läuft, wo es Sinn macht zu investieren und wo nicht. Wir haben die App zeitgleich mit Deutschland auch in Großbritannien, Frankreich, Brasilien und Mexiko gestartet. Nächstes Jahr kommen 20 weitere internationale Märkte hinzu. Wir haben also den Luxus, dass wir unsere Erfahrungswerte über ein größeres regionales Portfolio sammeln können.

Bedeutet die App denn auch, dass Sie Ihr Programmangebot ausweiten wollen?

Nein, das ist vorerst nicht geplant. Egal, ob Sie Starzplay direkt bei uns über die App oder über einen unserer Distributionspartner abonnieren – Sie bekommen immer dasselbe Angebot. Je nach Land bieten wir zwischen zwölf und 18 neue Original- bzw. Exklusiv-Serien pro Jahr an. Das ist genug, zumal die Auswahl äußerst sorgfältig kuratiert wird. Wir geben jeder Serie genügend Raum, um aufzufallen und ihr Publikum zu finden. Zusammen mit unserem Archivangebot an Serien-Boxsets und Filmen von verschiedensten Studios ist immer etwas zum Anschauen für anspruchsvolle Konsumenten vorhanden.

Manche US-Originalserien von Starz wie "Outlander" oder "American Gods" sind wegen anderer Vertriebsdeals nicht auf Starzplay verfügbar. Sorgen Sie inzwischen dafür, dass Sie alle neuen Starz Originals auch international auf der eigenen Plattform haben?

Jawohl, das tun wir. Mit Ausnahme der genannten historischen Deals kommen alle Originals vom US-Service automatisch zu uns, ohne Fragen oder Schwierigkeiten. Und sie bleiben auf Jahre hinaus exklusiv bei uns. Zusätzlich erwerben wir exklusive Rechte an besonders hochwertigen Serien anderer Anbieter. In Deutschland haben wir etwa "Killing Eve", "Castle Rock" oder "Catch-22" exklusiv, worauf wir sehr stolz sind.

Gehen Sie bei der Programmakquise überall in Europa ähnlich vor oder gibt es von Land zu Land größere Unterschiede?

Wenn wir auf Europa blicken, dann sehen wir einzelne Länder, für die wir jeweils individuell Programm einkaufen. In Deutschland werden Sie künftig noch häufiger Inhalte sehen, die wir speziell für Deutschland erworben haben. Gleichzeitig gibt es eine Art paneuropäisches Basisangebot, je nachdem, welche Rechte erhältlich sind. Ganz ehrlich: Hätte ich "Killing Eve" für mehrere Länder und nicht nur für Deutschland kriegen können, dann hätte ich es sofort genommen. Davon abgesehen, gibt es aber auch tolle Serien, die für einzelne Märkte besser geeignet sind als für andere.

"Wir wollen mit Starzplay nicht in eine Entweder-oder-Entscheidung des Konsumenten hineingeraten"

Superna Kalle, Executive Vice President, International Digital Networks, Starz

 

Denken Sie schon darüber nach, lokale Eigenproduktionen in einzelnen europäischen Märkten zu beauftragen?

Wir fangen gerade an, in diese Richtung zu denken. Es wird noch eine Weile dauern, bis es da etwas Konkretes zu verkünden gibt. Aber für uns steht außer Frage, dass wir das mittelfristig tun werden.

In welchem Land würden Sie damit aus heutiger Sicht loslegen?

Vermutlich in Spanien.

Welche Ziele verfolgen Sie für die weitere internationale Expansion von Starzplay?

In den nächsten fünf Jahren wollen wir zwischen 15 und 25 Millionen Abonnenten außerhalb der USA erreichen. Bislang liegen wir erfreulicherweise ziemlich gut auf Kurs. Neben den quantitativen Zielen ist es uns wichtig, die Markenbekanntheit überall dort auszubauen, wo wir vertreten sind. Wir möchten, dass man uns weltweit als "Home of Premium Drama" ansieht.

Mit dem Start immer neuer Streaming-Plattformen stellt sich die Frage, wie viele Abos ein einzelner Haushalt abschließen wird. Läuft ein kleineres Angebot wie Starzplay nicht Gefahr, gegen Netflix, Disney+ und HBO Max den Kürzeren zu ziehen?

Wir sehen unser Angebot in erster Linie als Ergänzung zu anderen Plattformen. Wir wollen mit Starzplay nicht in eine Entweder-oder-Entscheidung des Konsumenten hineingeraten. Mit 4,99 Euro sind wir ja nicht besonders teuer und somit durchaus als zusätzliches Abo erschwinglich. Diese strategische Position wird auch dadurch reflektiert, dass diejenigen, die man unsere Wettbewerber nennen könnte, uns verbreiten: Apple und Amazon sind unsere Partner, obwohl sie eigene exklusive Inhalte anbieten. Ich glaube, dass wir künftig vermehrt solche Formen von Aggregation erleben werden. In Spanien etwa ist Starzplay schon heute im Paket mit den SVoD-Plattformen von Vodafone und Orange erhältlich. Solche lokalen Partnerschaften sind Wachstumstreiber für alle Beteiligten.

Frau Kalle, herzlichen Dank für das Gespräch.


Über den Autor

Torsten Zarges ist seit 2013 Chefreporter des Medienmagazins DWDL.de. Stellt liebend gern Fragen – an deutsche Intendanten wie an US-Showrunner. Beruflich wie privat dreht sich bei ihm (fast) alles um Serien. Zitiert Selina Meyer: "Suck-up isn´t gonna fix a f***-up."

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