Über die Verschrottung der Marke Gruner + Jahr (G+J) ist in den vergangenen Jahren viel geschrieben worden. Ein Aspekt ist dabei aber immer wieder unter den Tisch gefallen: Als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von RTL Deutschland und G+J kurz nach dem Jahreswechsel 2021/22 auf einer Belegschaftsversammlung Antworten zur künftigen Aufstellung des fusionierten Unternehmens erwarteten, erhielten sie: einen Wald. Angelehnt an die Zahl der Angestellten hatte RTL Deutschland den Schutz eines 7.500 Quadratmeter großen Waldstücks in der Eifel übernommen - und das quasi den Mitarbeitenden geschenkt.

Gruner + Jahr war aber auch damit nicht zu retten, in den Jahren danach hat RTL Deutschland zahlreiche Magazine eingestellt oder verkauft, zuletzt gingen Marken wie "Brigitte", "Gala" und "Chefkoch" und die Funke Mediengruppe. Der Wald aber ist geblieben - und anders als G+J blüht er auf. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass er sich vollständig selbst überlassen bleibt, um sich zu einem Urwald zu entwickeln. 

Der RTL-Wald befindet sich in Wershofen in der Eifel. Er liegt in der Nähe von der Waldakademie von Förster Peter Wohlleben, der auch schon in diversen TV-Formaten zu sehen war. Bei RTL+ hat er zudem einen eigenen Podcast ("Peter und der Wald"). Mit der Waldakademie hatte RTL seinerzeit das Projekt Waldkauf umgesetzt. Und ja, es gibt den Wald tatsächlich, die Koordinaten lauten: 6.825437476461647, 50.44022324360018.

Vor Ort in Wershofen deutet nichts auf RTL als Paten des Waldes hin, aber es gibt eine Webseite, der man einige Informationen entnehmen kann. Etwa die, dass im Wald rund 180 Jahre alte Bäume stehen. Eigentümer des Waldstücks ist aber nicht RTL, sondern die Gemeinde Wershofen. "Wohllebens Waldakademie hat den Wald von der Ortsgemeinde Wershofen für eine Dauer von 50 Jahren gepachtet. Die Pacht, und somit der Schutz des Waldes, wurde durch die Übernahme der Schutzpatenschaft seitens RTL Deutschland ermöglicht", heißt es von einem RTL-Sprecher auf Anfrage. 

Pflichten hat RTL durch die Patenschaft übrigens keine. "Wohllebens Waldakademie hat die Pflicht, die Flächen zu kontrollieren, so dass niemand in den Wald eingreift", heißt es von RTL, das für die 50-jährige Pacht aufgekommen ist. Wie viel RTL dafür bezahlt hat, ist unklar. Von einem Brand im August in der Eifel war der RTL-Wald aber nicht betroffen. 

"Das Waldschutzprojekt ist für uns ein schönes Symbol: Es steht für nachhaltiges Wachstum ebenso wie für die Verantwortung, die wir als Medienunternehmen tragen", erklärten die beiden damaligen Co-CEOs Matthias Dang und Stephan Schäfer - beide inzwischen nicht mehr im Unternehmen. Man könnte auch unken: Der Wald in der Eifel ist vielleicht die nachhaltigste Marke, die im Zusammenspiel von RTL Deutschland und Gruner + Jahr entstanden ist. 

RTL will bis 2030 klimaneutral arbeiten

Schon seit Jahren engagiert sich RTL im Klimaschutz und hat sich Nachhaltigkeitsziele in diesem Bereich gesetzt. So will man bis 2030 klimaneutral werden. Der Wald in der Eifel hat damit zwar nichts zu tun - er war tatsächlich nur ein Geschenk an die Belegschaft zur Fusion von RTL Deutschland und Gruner + Jahr - von 180 Jahre alten Bäumen ist man aber schnell beim CO2-Fußabdruck, den RTL nun schon seit Jahren in Abstimmung mit Bertelsmann erfasst. 2021 wurde eine Climate Task Force ins Leben gerufen mit dem Ziel, Wissen über die Messung der CO2-Bilanz zu teilen und Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen umzusetzen. Seit einigen Jahren gelten Mindeststandards für klimafreundliche Produktionen, neu installiert hat die RTL Group auch ein Wärmerückgewinnungssystem und Photovoltaikanlagen. 

Zudem finden im Programm seit einigen Jahren regelmäßig Themenwochen statt, in der verschiedene Klimathemen im Mittelpunkt stehen - zuletzt ging es um Nachhaltigkeit. Doch in Zeiten von Werbeflaute, Wirtschaftskrise und Populismus muss die Frage erlaubt sein, wie ernst es verschiedenen Unternehmen noch ist mit ihren einst so hoch gesetzten Klimazielen. In den USA haben viele Konzerne unter dem Druck von Donald Trump und dessen MAGA-Bewegung ihre ESG-Ambitionen wieder zurückgefahren. ESG steht für die Begriffe Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung).

Auf RTL hat diese Entwicklung nach Angaben eines Sprechers jedoch keine Auswirkungen. "RTL Deutschland arbeitet als Teil der RTL Group am gemeinsamen Ziel, bis 2030 50 Prozent der Emissionen im Vergleich zu 2018 zu reduzieren. RTL Deutschland liegt hier im Zeitplan – mit Maßnahmen an den Standorten und bei der Mitarbeitenden-Mobilität wurden bereits entscheidende Meilensteine erreicht", heißt es. Unter anderem bezuschusst man das Deutschlandticket, nimmt am Projekt JobRad teil und bezieht Ökostrom. 

Die größten Emissionsquellen machen bei RTL Deutschland jedoch die verschiedenen TV-Produktionen aus. Der Ausbau von umweltschonenden Produktionsweisen habe daher "höchste Priorität". Seit Jahren baue man den Anteil an grünen Produktionen aus, sagt ein Sprecher gegenüber DWDL.de und rechnet vor: Im Jahr 2024 wurden 50 Green Productions umgesetzt, 2025 waren es rund 80 und für 2026 sind 120 geplant. Alle Emissionen, die man nicht reduzieren kann, sollen kompensiert werden. So will man bis 2030 klimaneutral arbeiten. 

P7S1 hält an Klimazielen fest

Und auch ProSiebenSat.1 hält am selbstgesteckten Ziel der Klimaneutralität ab 2030 fest, wie eine Sprecherin gegenüber DWDL.de bekräftigt. Von 2019 bis 2024 konnte man in Unterföhring die direkten CO2-Emissionen um mehr als die Hälfte verringern - von fast 5.000 Tonnen auf zuletzt nur noch 2.291 Tonnen. "Zentrale Hebel, um die Klimaziele zu erreichen, sind die Umstellung unserer Fahrzeugflotte auf Elektro und die Nutzung von Grünstrom", heißt es. 2027 will man beispielsweise komplett auf Elektromobilität umgestellt haben. 

Aus den Angaben im Geschäftsbericht für 2024 geht außerdem hervor, dass der Anteil fossiler Quellen am Gesamtenergieverbrauch zuletzt bei 29,4 Prozent lag - nach 32,9 Prozent im Jahr davor. Mit 0,3 Prozent kam ein Mini-Anteil des Verbrauchs aus nuklearen Quellen. Gleichzeitig stieg der Anteil erneuerbarer Energien von 67,1 auf 70,3 Prozent. In einem nächsten Schritt wolle man nun auch solche Emissionen verringern, die indirekt durch die eigene Geschäftstätigkeit entstehen, heißt es gegenüber DWDL.de - es sind solche Emissionen, die durch Dienstleister oder eingekaufte Produkte entstehen. Dafür habe man 2024 die Datenerfassung verbessert. 

Darüber hinaus versucht man auch bei ProSiebenSat.1, ähnlich wie RTL, Emissionen zu verringern, die bei der Produktion von TV-Formaten entstehen. So wende man die Initiative "Sauber gedreht!", die ökologische Standards für entsprechende Produktionen definiert, bereits konzernweit an. Außerdem ist ProSiebenSat.1 Mitglied im Arbeitskreis Green Shooting.

Bislang war es außerdem so, dass sich das Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement auch in der Vorstandsvergütung niedergeschlagen hat. So basierte die kurzfristige variable Vergütung des Vorstands zuletzt auch zu 20 Prozent auf dem Erreichen von bestimmten ESG-Zielen, allen voran dem Fortschritt zur Klimaneutralität 2030. Nun hat der neue Mehrheitseigentümer MFE zuletzt aber den gesamten Vorstand vor die Tür gesetzt. Ob auch für das neue Führungsduo diese Standards in der Vergütung gelten, muss sich erst noch zeigen. 

Stefanie Rupp-Menedetter, Head of Group Communications, Sustainability, und Diversity & Inclusion bei ProSiebenSat.1, erklärt: "Nachhaltigkeit ist für uns mehr als ein Ziel – es ist ein integraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Wir sind stolz darauf, dass wir trotz der Herausforderungen in der Medienbranche kontinuierlich Fortschritte machen, sei es durch die Reduktion unseres CO₂-Fußabdrucks, den Ausbau barrierefreier Inhalte oder unser Engagement für gesellschaftliche Themen. Unser Ziel bleibt es, bis 2030 klimaneutral zu sein und gleichzeitig einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten."