Als Dieter Hallervorden vor knapp drei Jahren seinen 88. Geburtstag feierte, hielt Sky es für eine gute Idee, den echten Hallervorden auf den früheren Didi treffen zu lassen. Mit Hilfe einer Deepfake-Technologie wurde das jüngere Ich des Schauspielers geschaffen - was nur so lange technisch beeindruckend war bis man den KI-Klon mit wahren Fotos aus Hallervordens Vergangenheit verglich. Kein Zweifel: So wie ihn die Technik verjüngte, sah er jedenfalls nie aus.

So gesehen kommt es schon einem Quantensprung gleich, wenn ProSieben nun vier längst verstorbene Musiklegenden im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben erweckt. Elvis, Whitney Houston, Amy Winehouse und Freddie Mercury rocken plötzlich, dank moderner Technik, die Samstagabendbühne - unterstützt von den No Angels, Samu Haber, Sasha und Alvaro Soler, die glücklicherweise quietschlebendig erschienen sind - und immerzu betonen, welch großer Traum für sie doch in Erfüllung geht, zusammen mit ihren Idolen zu performen.

Fabian Tobias © Caroline Gerst Fabian Tobias
Zugegeben, es fühlt sich bisweilen schon arg seltsam an, diese ungewöhnlichen Duette zu verfolgen. Zumal das Studiopublikum erstaunlich aufgeregt reagiert, obwohl Elvis & Co. natürlich nur am Computer entstanden sind. Fabian Tobias, Geschäftsführer der Produktionsfirma Endemol Shine Germany, versichert allerdings, dass die Reaktionen "komplett echt" seien und nicht etwa aus dem Warm-Up standen. "Das war eine ganz fantastische, oft auch berührende Stimmung vor Ort", erinnert er sich an die Aufzeichnungen, die schon im vorigen Herbst stattfanden. "Nur so viel: Die Zuschauerinnen und Zuschauer im Studio mussten die Transferleistung nicht erbringen, weil sie Whitney, Freddie, Amy und Elvis gesehen haben."

Wie genau all das entstanden ist, will Tobias aber für sich behalten. "Es ist wie das Cola-Rezept: Wir können und wollen den genauen Trick nicht verraten", sagt er. "Aber der Weg dorthin war harte Arbeit." Creative Director Kerstin Kalenberg und ihr Team hätten es "geschafft, mittels kreativer menschlicher Power, Haltung und Geschmack in Kombination mit der modernsten Technologie die perfekte Illusion zu schaffen – und zwar nicht nur für das Publikum zu Hause, sondern auch für das Live-Publikum und unsere Stars auf der Bühne."

Schon nach wenigen Augenblicken wird klar: Wer zu sehr über die Entstehung der Deepfakes nachdenkt, wird wenig Freude an "Staying Alive" haben - erst recht, wenn die Legenden plötzlich nicht nur singen, sondern auch noch zu sprechen beginnen. Das ahnte man auch bei der Produktionsfirma. "Wir haben uns zusammen mit ProSieben ganz bewusst zu der Formel entschieden, dass unser Moderator Thore Schölermann das Publikum dazu auffordert, nicht darüber nachzudenken, wie das alles hier geht, sondern sich einfach darauf einzulassen und sich berühren zu lassen", betont Fabian Tobias. "Diese Sendung macht einfach am meisten Spaß, wenn man die Auftritte auf sich wirken lässt."

Kerstin Kalenberg © Endemol Shine Germany / Steffen Z. Wolff Kerstin Kalenberg
Tatsächlich wirken die Auftritte keineswegs schräg, sondern so echt, dass man sich beim schnellen Zappen erstmal versichern muss, ob Elvis nicht doch lebt. Das unterscheidet "Staying Alive" von der schrägen Hallervorden-Show. "Wertschätzung und Respekt hatten oberste Priorität", sagt Kerstin Kalenberg über die Umsetzung. "Uns war wichtig, die Legenden nichts machen oder sagen zu lassen, was sie zu Lebzeiten niemals getan hätten." Erklärtes Ziel ist es, Nostalgie und Gegenwart miteinander zu verbinden - wissend, dass es sich durchaus um ein Wagnis handelt. "Das war damals bei 'The Masked Singer' der Fall und fühlt sich jetzt wieder ganz ähnlich an", erinnert sich Kalenberg im Gespräch mit DWDL.de. "Da stellt man sich die Frage: Was machen wir da? Ist Deutschland bereit dafür? Lässt sich das Publikum von dieser musikalischen Reise tragen?"

Für Endemol Shine Germany ist "Staying Alive" indes mehr als nur ein technologischer Testballon. "Das Wort Innovation wird ja häufig überstrapaziert. Aber in diesem Fall bin ich davon überzeugt, dass wir der Bedeutung dieses Wortes gerecht werden", sagt Geschäftsführer Fabian Tobias und attestiert der eigenen Show einen "kompletten Neuigkeitswert, weil das Format in dieser Perfektion erst jetzt überhaupt möglich ist". Bestärkt wurde Tobias auch von ProSieben-Chef Hannes Hiller - nicht gerade eine Selbstverständlichkeit, schließlich stellen neue Shiny-Floor-Shows in Zeiten des anhaltenden Spardrucks eine ziemliche Ausnahme dar.

Geplant sind zunächst zwei Folgen; Fortsetzung offen. "Klar, am Ende entscheidet das Publikum, ob es ein Erfolg wird", weiß Fabian Tobias. Sollten die Quoten stimmen, könnte Elvis auch in anderen Ländern zum Leben erweckt werden. "Wir befinden uns bereits in einem konkreten Austausch. Die Kolleginnen und Kollegen in Spanien sind sehr begeistert und auch die Amerikaner schauen sehr genau auf unser Format", sagt Tobias. Und mehr noch: Auch eine Veröffentlichung der Show-Duette bei Musikstreamern wäre künftig denkbar. Vorerst sind die Songs jedoch erstmals nur im Rahmen der Sendung zu hören. Wer es schafft, die technologische Komponente auszublenden, kann dabei vielleicht sogar ins Schwärmen geraten.

"Staying Alive - Stars singen mit Legenden", samstags um 20:15 Uhr bei ProSieben