Vor rund zehn Jahren hat die Serie "Der Lehrer" zu den erfolgreichsten von RTL gehört, damals sahen im Schnitt Woche für Woche mehr als drei Millionen Menschen zu, wie Hendrik Duryn als Lehrer Stefan Vollmer auf unkonventionelle Art und Weise die Probleme seiner Schülerinnen und Schüler löste. Weil RTL und die damalige Produktionsfirma Sony jedoch die Drehtage pro Folge herunterschraubten, stieg Duryn aus - das verriet der Schauspieler jetzt gegenüber der dpa. Der Versuch, die Serie mit Simon Böer als neuen Hauptdarsteller fortzusetzen, ging in die Hose, schon zuvor war das (lineare) Interesse merklich abgekühlt. 

In den vergangenen Jahren trauerte Duryn, der bei RTL mittlerweile auch in der Krimireihe "Dünentod" zu sehen ist, der einstigen Erfolgsserie hinterher. Anfang 2025 kündigte der Sender schließlich das Comeback an - und diesmal soll wieder Duryn in die Rolle des titelgebenden Lehrers schlüpfen. Dass sich die Zeiten im Vergleich zu damals geändert haben, zeigt allein schon die Tatsache, dass es Sony als Produktionsfirma nicht mehr gibt. Die neue Staffel wird von MadeFor produziert. 

Darüber hinaus haben die Verantwortlichen den gesamten Cast auf links gedreht, neben Duryn stehen Schauspielerinnen und Schauspieler, die man bislang nicht aus dem "Lehrer"-Kosmos kannte. Trotz dieser ganzen Veränderungen fühlt sich die Neuauflage bzw. Fortsetzung genau so gut an, wie sie es zu ihrer besten Zeiten tat. "Der Lehrer" ist noch genauso schräg, warmherzig und positiv erzählt wie vor zehn Jahren - und das heißt nicht, dass an heiklen Themen gespart wird. 

Nicht subtil, aber sympathisch

Direkt in den ersten beiden Folgen geht es um Mobbing, finanzielle Nöte, Lehrermangel, Bürokratie und die Widrigkeiten, die das deutsche Schulsystem häufig mit sich bringt, weil oft nicht die einzelnen Kinder im Mittelpunkt stehen, sondern nur bestimmte Quoten, die aus Sicht von Schulleitung und/oder Schulamt erreicht werden müssen. Und es liegt nun wieder ganz alleine an Hendrik Duryn aka Stefan Vollmer, unter diesen Bedingungen das beste für seine Schützlinge herauszuholen. 

Dabei schreckt die Serie - das ist nicht neu - auch nicht vor teils absurden Ereignissen zurück, denen sich Vollmer scheinbar spielend stellt. Zur Erinnerung: Er ist eigentlich gar kein Lehrer mehr, aber nachdem er durch einen Diebstahl in eine Schule stolpert und die Zustände dort sieht, wird er kurzerhand für zwei Wochen bis zum Ende der Prüfungen engagiert. In dieser Zeit soll er der Abschlussklasse das nötige Wissen einprügeln - und eigentlich geht niemand, auch nicht die Kinder, davon aus, dass sie das schaffen. 

Aber Stefan Vollmer wäre nicht Stefan Vollmer, wenn er die Stimmung in der Klasse nicht innerhalb von wenigen Minuten drehen könnte. Und kurz darauf auf seine neue Nachbarin trifft, deren Geschirr er ohne Absicht zertrümmert, nur um von ihr zu hören, dass ja auch ihre Ehe in Scherben liege. Und man kann schon in diesem Moment erahnen, dass die Verantwortlichen diese, sich anbandelnde Liebesbeziehung, genüsslich über alle sechs Folgen hinweg erzählen werden - wenn nicht gar darüber hinaus. Wirklich subtil ist "Der Lehrer" nie gewesen, aber auch das gehört zum Kern der Serie. 

Serie profitiert vom Young-Adult-Trend

Am Ende steht Vollmer immer auf der Seite seiner Schützlinge und versucht ihnen nicht nur Flächenberechnung und die Funktion von Schallwellen beizubringen, sondern vor allem auch, wie sie sich später im echten Leben selbst helfen können. Dabei macht er sich im Kollegium schnell Feinde - vor allem Schulleiterin Vanessa Bohm, ebenfalls wunderbar gespielt von Tanja Schleiff, will ihn loswerden und lässt ihn das auch schnell wissen. Mit ihrem Vorhaben hat sie jedoch zunächst wenig Erfolg. Auch von diesem Spannungsverhältnis zwischen Lehrer und Direktorin lebt die Serie.

Der Lehrer © RTL Die Antagonistin, die stets den Kürzeren zieht: Schulleiterin Vanessa Bohm, gespielt von Tanja Schleiff

Die Schülerinnen und Schüler sind allesamt etwas zu reif für ihr Alter und zeigen schnell Verständnis. Unter ihnen geht es um Liebe, Mobbing, das Gefühl, dazugehören zu wollen, und die großen Fragen der Zukunft - auch das ist selten subtil, bedient aber den Trend zum Genre Young Adult geradezu vorbildlich. Wenn ein Teenager seine Probleme gegenüber einem anderen aber als "Teenie-Kram" abtut, ist das selbst für "Der Lehrer"-Verhältnisse etwas zu sehr drüber. Das alles gipfelt am Ende von Folge eins der Neuauflage bzw. Fortsetzung in einer Aktion der Schülerinnen und Schüler, die dafür sorgt, dass Stefan Vollmer bleiben muss.

Der Serie gelingt es, wichtige und teils auch belastende Themen so zu verpacken, dass sie sich nicht schwer anfühlen. Das gelingt auch, weil sich die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eines immer verlassen können: Am Ende wird alles gut. Oft ist es dann sogar ein bisschen zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen. Aber auch das gehört dazu - und ganz wesentlich dazu beigetragen hat Hendrik Duryn aka Stefan Vollmer, der Ted Lasso des deutschen Serienfernsehen, den es schon gab, lange bevor an "Ted Lasso" bei AppleTV überhaupt zu denken war. Mit seiner insgesamt positiv-wertschätzenden Art hat "Der Lehrer" in jedem Fall einen Platz in der deutschen Serienlandschaft verdient. 

Die ersten zwei Folgen von "Der Lehrer" stehen bei RTL+ zum Abruf bereit. Im linearen Programm von RTL sind am Donnerstag, den 28. Mai, ab 20:15 Uhr gleich drei neue Folgen am Stück zu sehen.