Die umfassenden Spar-Bemühungen beim MDR gehen weiter. Nachdem bereits in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass "MDR um 2" eingestellt wird und das "Mittagsmagazin" an den NDR abgegeben werden soll, trifft es nun darüber hinaus auch zwei Fiction-Flaggschiffe. So will der MDR sowohl beim "Tatort" als auch beim "Polizeiruf 110" drei Jahre lang die Pause-Taste drücken. In dieser Zeit sollen keine neuen Krimis produziert werden.
Diese drastische Maßnahme hat MDR-Intendant Ralf Ludwig am Montag dem Rundfunkrat präsentiert. Ganz ohne Krimi-Nachschub aus Mittel- und Ostdeutschland müssen die Fans der Reihen nicht auskommen, bereits fertiggestellte und vertraglich fixierte Produktionen werden wie gehabt umgesetzt und ausgestrahlt. Eine Pause von drei Jahren bedeutet aber natürlich, dass es irgendwann in den nächsten Jahren keine oder nur sehr wenige Krimis aus dem MDR-Gebiet geben wird. Schon zuletzt beendete man den "Polizeiruf" mit Peter Kurth und Peter Schneider, was bei Fans und Beobachtern nach guten Kritiken und hohen Quoten mindestens Verwunderung auslöste. Jetzt ist klar: Das strikte Sparen zwingt den MDR zu einer noch drastischeren Maßnahme.
Der MDR führt die angekündigte Sparmaßnahme in erster Linie auf die zum 1. Januar 2025 ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags zurück. Das bedeute für den Sender eine umfangreiche Budget-Kürzung. "Wir haben uns die Entscheidungen beileibe nicht leicht gemacht und wir würden uns die Situation gewiss auch anders wünschen. Aber Fakt ist: wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1.1.2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen", sagt MDR-Intendant Ralf Ludwig.
Die Realität lasse ihm keine andere Wahl, so der MDR-Intendant weiter. "Wir können die seit dem 1. Januar 2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren. Die ausgebliebene Beitragsanpassung erzeugt für uns eine erhebliche Finanzlücke, auf die wir deshalb ab 2027 mit einer Etatabsenkung verantwortungsvoll reagieren müssen, um den MDR insgesamt wirtschaftlich und publizistisch zukunftssicher aufzustellen."
"Wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1.1.2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen."
MDR-Intendant Ralf Ludwig
160 Millionen Euro muss der MDR schon ganz regulär in der aktuellen Beitragsperiode sparen. 30 Millionen Euro kommen fix dazu - selbst wenn der Rundfunkbeitrag wie von der KEF vorgeschlagen zum 1. Januar 2027 auf 18,64 Euro steigt. Erfolgt die Erhöhung nicht, werden insgesamt sogar 60 Millionen Euro an zusätzlichen Einsparungen fällig.
Dass der Sender bei seinen Sparbemühungen längst auch ans Eingemachte geht und im Zuge dessen nicht vor lange etablierten Marken zurückschreckt, zeigen die vergangenen Tage. Für "MDR um 2" ist zwar Ersatz geplant, der soll dann aber nicht mehr linear zu sehen sein. Das "Mittagsmagazin" hatte man erst 2024 nach Leipzig geholt, nun gibt man es im kommenden Jahr schon wieder ab.
Einsparungen bei Podcasts und Social Media
Und bei diesen Entscheidungen alleine wird es nicht bleiben. So sollen die Social-Media-Aktivitäten um rund 30 Prozent reduziert werden. Podcasts mit monatlich weniger als 6.000 Hörern werden eingestellt. Eine entsprechende Meldung von "Flurfunk Dresden" hat der MDR am Montag gegenüber DWDL.de bestätigt. Ein Sendersprecher macht aber eine Ausnahme: Wenn ein Podcast wenige Abrufe hat, aber gleichzeitig dem öffentlich-rechtlichen Auftrag dient, muss nicht zwangsläufig Schluss sein. Um die sorbischen Angebote muss man sich also vorerst wohl nicht sorgen. Bereits bekannt war, dass MDR Sputnik ab 2027 nicht mehr über UKW sendet.
Trotz den großen Sparbemühungen wird an anderer Stelle investiert. So sollen die drei eigenständigen Landesmagazine um 19 Uhr ab dem kommenden Jahr auch an Feiertagen im MDR-Fernsehen zu sehen sein. Das kann aber natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die heute verkündeten Maßnahmen für das Publikum sehr sichtbar sein werden.
"Weil wir den MDR nicht insgesamt schwächen und nicht unsere Aufgaben als öffentlich-rechtliches Haus gefährden wollen, haben wir uns entschieden, nicht in der Breite zu kürzen, sondern strategisch Prioritäten zu setzen."
MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen
MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen sagt zu den getroffenen Entscheidungen: "Der MDR ist angesichts der veränderten Mediennutzung wie alle Medienhäuser in permanenter Transformation. Gleichzeitig haben wir mehrere Phasen intensiver Einsparungen in allen Bereichen des Hauses durchlaufen. Weil wir den MDR nicht insgesamt schwächen und nicht unsere Aufgaben als öffentlich-rechtliches Haus gefährden wollen, haben wir uns entschieden, nicht in der Breite zu kürzen, sondern strategisch Prioritäten zu setzen. Die Entscheidungen schmerzen uns, aber wir gewinnen damit wirtschaftlich und publizistisch Handlungsspielraum, um unsere regionale Stärke und unsere Transformationsfähigkeit zu bewahren."
Die Sache mit dem Rundfunkbeitrag
Die Situation beim MDR zeigt, dass das Gleichgewicht der verschiedenen Anstalten innerhalb der ARD immer schwerer zu halten ist. Während die großen Anstalten vergleichsweise gut dastehen, müssen die kleinen und mittleren Sender spürbare Kürzungen vornehmen. An dieser Stelle lohnt sich ein genauer Blick auf den Rundfunkbeitrag. Der ist nämlich überall in Deutschland gleich. Und während die KEF davon ausgeht, dass 18,64 Euro ab 2027 reichen würden, damit das gesamte System für die Beitragsperiode (2025-2025) bedarfsgerecht finanziert ist, sieht das in den einzelnen Anstalten sehr unterschiedlich aus.
Während große Anstalten wie der WDR oder der BR bei einer Anhebung auf 18,64 Euro wohl tatsächlich bedarfsgerecht finanziert wären, weil durch die Vielzahl an neuen Haushalten ein Millionen-Plus entsteht, sieht das bei anderen Sendern anders aus. Der MDR leidet durch den Wegzug von Menschen aus seinen Bundesländern besonders unter dem einheitlichen Rundfunkbeitrag - nimmt er dadurch doch weniger Geld ein. Oder um es anders zu formulieren: Während der Rundfunkbeitrag für den WDR eigentlich auch niedriger ausfallen könnte, müsste er beim MDR höher sein. 18,64 Euro ab 2027 sind der Durchschnitt über alle Öffentlich-Rechtlichen hinweg.
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