Thomas Ebeling © ProSiebenSat.1
Neun Jahre im Schnelldurchlauf

Die Ebeling-Chronik: Die große Rettung, das schnelle Ende

 

Als Thomas Ebeling bei ProSiebenSat.1 als Vorstandsvorsitzender begann, lastete ein riesiger Schuldenberg auf dem Konzern. Mit dem ehemaligen Pharma-Manager kam die Wende - doch zuletzt kamen Schwierigkeiten auf. DWDL.de mit einer Chronik...

von Alexander Krei
20.11.2017 - 16:27 Uhr

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9. Dezember 2008: Ein halbes Jahr hat die offenbar nicht ganz einfache Suche nach einem Nachfolger für Guillaume de Posch gedauert, der schon Monate zuvor seinen Abschied als Vorstandsvorsitzender der hochverschuldeten ProSiebenSat.1 Media AG angekündigt hatte. Nun war klar: Ab März 2009 übernimmt Thomas Ebeling, der vom Pharmakonzern Novartis kommt und in der Vergangenheit auch schon für den Tabakkonzern Reemtsma tätig war. Erfahrungen in der Medienbranche? Fehlanzeige.

12. Dezember 2008: Bringt Ebeling ein Wundermittel von Novartis mit, das die hohen Schulden des Unternehmens einfach verschwinden lässt? Nach langer Talfahrt stieg der Kurs der ProSiebenSat.1-Aktie in den Tagen nach Bekanntwerden der Personalie um 20 Prozent nach oben – auf 1,60 Euro.

4. März 2009: Kurz nach Ebelings Amtsantritt wird noch einmal deutlich, wie viel Arbeit vor dem neuen Vorstandsvorsitzenden liegen wird. Wegen einer Abschreibung auf den übernommenen TV-Konzern SBS in Höhe von 180 Millionen Euro hatte ProSiebenSat.1 2008 deutliche Verluste zu verzeichnen. Der Konzern machte einen Verlust in Höhe von 129,1 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, der Umsatz sank um 5,7 Prozent. Thomas Ebeling verspricht, "die finanzielle Situation des Konzerns zu verbessern, damit wir weiterhin Spielraum für Kreativität und Wachstum haben".

31.07.2009: Ebeling kündigt an, das Werbegeschäft nicht durch weitere Rabatte anschieben zu wollen. Die Brutto-Netto-Schere sei in den letzten Jahren schon sehr weit auseinander gegangen. Erstmals erklärt er, dass man sich bei ProSiebenSat.1 vorstellen kann, Werbeflächen gegen eine Umsatzbeteiligung oder gar eine direkte Beteiligung an Unternehmen abzugeben.

16. November 2009: Ein halbes Jahr nach Ebelings Amtsantritt hat ProSiebenSat.1 mit SevenBrand Ventures in der Tochter MM Merchandising Media einen eigenen Geschäftsbereich für das neue Konzept gegründet. Für eine Beteiligung fordert ProSiebenSat.1 unter anderem Produkte und Dienstleistungen mit einem "hohen Innovationsgrad und klaren Kundennutzen".

25. November 2009: Erstmals wird über einen möglichen Verkauf des Nachrichtensenders N24 spekuliert, der hohe Verluste einfährt. Es sei schlicht die Pflicht des Vorstands, alle Optionen zu prüfen. Genau das geschehe derzeit, sagte Ebeling gegenüber seinen Mitarbeitern, die kurz darauf einen offenen Brief an ihn schreiben. Auch Politiker sind alarmiert.

13. Januar 2010: ProSiebenSat.1 schafft mit der German Free-TV Holding eine neue Struktur, in der die Sender ProSieben, Sat.1, kabel eins und N24 zusammengefasst sind. Um weiter zu wachsen, stellt der Konzern den Start eines neuen Frauensenders in Aussicht. Nur vier Monate später wird Sixx geboren.

4. März 2010: ProSiebenSat.1 ist in die Gewinnzone zurückgekehrt. Dennoch lautet die Devise weiter "Sparen, Sparen, Sparen" – oder wie es offiziell heißt: "Kostendisziplin wird weiterhin Priorität im Konzern haben."

16. Juni 2010: Der Verkauf von N24 ist offiziell. Thomas Ebeling bezeichnet das Management-Buy-out als "gute und zukunftsfähige Lösung" und hebt hervor, dass man dem neuen Unternehmen durch lang laufende Verträge für Nachrichten und "Frühstücksfernsehen" die nötige Absicherung gebe, um das Geschäft gründlich aufbauen zu können. N24 baut derweil fast ein Drittel der Stellen ab.

13. September 2010: Die Rückkehr von Harald Schmidt zu Sat.1 wird bekannt. "Das Format ist bekannt und das gegenseitige Vertrauen ist groß – das hat auch die zügige Einigung bewiesen. Dafür ist Andreas Bartl und Thomas Ebeling zu danken", sagte Produzent Fred Kogel. Der frühere Erfolg ließ sich allerdings nicht wiederholen: Wegen schlechter Quoten sollte nach nur einem Jahr schon wieder Schluss sein.

14. Dezember 2010: Vier Jahre nach ihrem Einstieg planen die Finanzinvestoren KKR und Permira einen Verkauf von ProSiebenSat.1 Zuvor hatte Ebeling angekündigt, Auslandsbeteiligungen auf den Prüfstand stellen zu wollen - wohl auch, um den Konzern für potenzielle Käufer leichter verdaulich zu machen.

15. Dezember 2010: Mit der Entwicklung des umstrittenen Anrufsenders 9Live ist man bei ProSiebenSat.1 nicht zufrieden. Erstmals wird über ein mögliches Aus spekuliert. Der Vorstandschef sagte später: "Mit dem jetzigen Geschäftsmodell kann man leben - aber es ist kein attraktives Leben."

3. März 2011: Zwei Jahre nach seinem Antritt bei ProSiebenSat.1 nimmt das Geschäft Fahrt auf. Das Konzernergebnis nach Steuern verdoppelte sich auf mehr als 300 Millionen Euro. Thomas Ebeling glaubt indes ans Fernsehen: "Nur das Fernsehen hat die Kraft und Faszination, wirklich große Marken aufzubauen. Sie sind die Basis für unseren Erfolg - auf allen Plattformen."

20. April 2011: Ein internationales Medienkonsortium um den finnischen Konzern Sanoma hat den Zuschlag für die Geschäftsaktivitäten von ProSiebenSat.1 in den Niederlanden und Belgien erhalten. Der Wert der verkauften Unternehmensteile liegt bei 1,225 Milliarden Euro - mehr als das Zehnfache des EBITDA-Ergebnisses.

4. Mai 2011: Das Ende von 9Live ist nun offiziell. Zum 31. Mai stellt der Sender seinen Betrieb ein. Als Grund für das Aus sämtlicher Call-In-Gewinnspiele nennt man in Unterföhring starke Erlös-Rückgänge in den vergangenen Monaten.

1. Juli 2011: Wirtschaftlich läuft es immer besser. Weiteres Wachstum soll mit einem Vier-Säulen-Modell entstehen, das Thomas Ebeling auf der ProSiebenSat.1-Hauptversammlung erläutert. Dabei handelt es sich um Fernsehen im deutschsprachigen Raum, Fernsehen international, Neue Medien und verwandte Bereiche sowie die Produktion und der Vertrieb von Programminhalten.

14. Dezember 2012: ProSiebenSat.1 konzentriert sich wieder auf das Fernsehgeschäft auf dem deutschen Markt. Für 1,325 Milliarden Euro veräußert der Konzern seine Fernseh- und Radio-Aktivitäten in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark an Discovery.

28. Februar 2013: Thomas Ebeling legt weiterhin Rekordzahlen vor. Inzwischen erwirtschaftet ProSiebenSat.1 fast 20 Prozent seines Umsatzes außerhalb des klassischen TV-Geschäfts. Die Marktanteile der Sender sinken dagegen.

28. März 2013: Der Aufsichtsrat ist zufrieden mit Ebelings Arbeit und verlängert dessen Vertrag bis 2017. "Er hat den Konzern in den vergangenen vier Jahren strategisch erfolgreich neu positioniert und damit eine langfristige Wachstumsperspektive für die Mediengruppe geschaffen", lobt der Aufsichtsrats-Chef Götz Mäuser.

15. Oktober 2013: ProSiebenSat.1 hebt sein das Wachstumziel deutlich an und will die Erlöse auf Basis fortgeführter Aktivitäten im Vergleich zum Jahr 2012 um eine Milliarde Euro steigern. Das Unternehmen sei "klar auf Erfolgskurs", klopft sich Thomas Ebeling auf die Schulter.

16. Januar 2014: Die Ära der Finanzinvestoren KKR und Permira endet nach sieben Jahren. Mit der Umwandlung der stimmrechtslosen Vorzugs- in stimmberechtigte Stammaktien gaben sie zuvor bereits die Mehrheit aus der Hand. Die letzten verbliebenen 36,3 Millionen Aktien, die zu diesem Zeitpunkt einen Wert von immerhin 1,25 Milliarden Euro haben, werden im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens an institutionelle Anleger abgegeben.

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