Klagge, Saalfrank, Der schnelle Euro © RTL / Sat.1
Auf der Suche nach Erfolg

Testläufe bei RTL und Sat.1: Was tut sich am Nachmittag?

 

Mit teils hanebüchenen Geschichten fuhren RTL und Sat.1 eine ganze Zeit lang Spitzen-Quoten am Nachmittag ein. Jetzt versuchen es beide Sender mit deutlich mehr Lebensnähe. DWDL.de hat sich die jüngsten Daytime-Neustarts angesehen.

von Alexander Krei
31.01.2018 - 13:28 Uhr

Der Nachmittag ist derzeit sowohl für RTL als auch Sat.1 eine große Baustelle - beide Sender befinden sich auf der Suche nach neuen Erfolgsrezepten, weil sich Scripted Realitys und Polizei-Dokus immer häufiger unterhalb der jeweiligen Senderschnitts bewegen. In diesen Tagen schaffen es gleich mehrere Testläufe auf Sendung: Nachdem Sat.1 das Format "Jetzt helfen wir Ihnen! - Die Problemlöser" im Einsatz ankündigte, programmierte RTL unter dem Deckmantel der "Verdachtsfälle" einen Testlauf mit dem schon aus früheren Gerichtsshows bekannten Anwalt Matthias Klagge dagegen.

Seit dieser Woche versucht es Sat.1 nun zwischen 14 und 16 Uhr ganz ohne Laiendarsteller. "Der schnelle Euro" und "Zimmerhelden - Gewinner in vier Wänden" nennen sich die Formate, die vorübergehend anstelle von "Auf Streife" ausgestrahlt werden. "Bei allen Entwicklungen sind uns drei Aspekte besonders wichtig: der Service-Gedanke, eine größtmögliche Authentizität und die Nähe zur realen Welt der Zuschauer", erklärte Katja Bruhnke-Kircher, Vice President Reality Daytime, bereits in der vorigen Woche gegenüber DWDL.de. Doch was genau servieren RTL und Sat.1 ihrem Publikum eigentlich gerade?

"Der schnelle Euro - So klingelt's in der Kasse"
Seit Montag, 14:00 Uhr, Sat.1

In der Sendung zeigen jeweils zwei Familien, wie sie durch Alltags-Kniffe den einen oder anderen Euro sparen können. Im Stile von "Gogglebox" kommentieren die sogenannten "Couch-Checker", wie praktikabel die Ideen wirklich sind, darunter auch eine "Mofa-Gang" in Lederkluft, die in der ersten Folge erstaunlich gut mit Preisen von Stoffen fürs Nähen auskennt. Am Ende stimmen sie über den "Spartipp des Tages" ab und vergeben 500 Euro.

Bei der Premiere erfährt der geneigte Zuschauer beispielsweise, dass die junge Mutter durchs Verkaufen selbstgenähter Klamotten jährlich bis 1.200 Euro sparen kann, und dass Nudeln billiger sind, wenn man sie im Angebot kauft. Das ist zwar ganz nett und sicher nah dran am Alltag des Publikums, kommt letztlich aber eher wie eine Rubrik im "Frühstücksfernsehen" daher. Weshalb man den "Couch-Checkern" hässliche Plüsch-Schweine in blau und rosa ins Wohnzimmer karren musste, bleibt das größte Geheimnis dieser Sendung.

Der schnelle Euro
© Screenshot Sat.1

"Zimmerhelden - Gewinner in vier Wänden"
Seit Montag, 15:00 Uhr, Sat.1

Keine Sorge, Tine Wittler ist nicht zurück - auch wenn der Untertitel der neuen Renovierungsshow diesen Eindruck erwecken könnte. Eine Art Comeback ist es allerdings trotzdem, weil es sich fünf Heimwerker zur Aufgabe gemacht haben, gegenseitig einen Raum in ihrer Wohnung neu zu gestalten. Dafür stehen acht Stunden Zeit und ein Budget von 500 Euro zur Verfügung. Zwei Experten kommentieren und bewerten die Einsätze der Kandidaten in typischer "Shopping Queen"-Manier und entscheiden am Ende der Woche darüber, wer den Gewinn in Höhe von 2.500 Euro bekommt.

Einen Innovationspreis bekommt Sat.1 für seine "Zimmerhelden" sicherlich nicht, schließlich hat RTL vor inzwischen mehr als drei Jahren unter dem Titel "5 Zimmer, 1 Gewinner" bereits ein ganz ähnliches Konzept getestet, das die Quoten-Erwartungen nicht erfüllen konnte. Tatsächlich erwischten nun auch die "Zimmerhelden" ebenso wie "Der schnelle Euro" einen desaströsen Start. Sieht man davon ab, dann birgt das Format zwischen Bude und Baumarkt allerdings durchaus unterhaltsame Momente - vor allem am Ende, wenn der Gastgeber die Augenbinde abnimmt und erstmals mit dem Ergebnis konfrontiert wird. Besonders spannend wird's vor allem, wenn das umgestaltete Zimmer mal nicht den Erwartungen entspricht.

Zimmerhelden - Gewinner in vier Wänden
© Screenshot Sat.1

"Jetzt helfen wir Ihnen! - Die Problemlöser im Einsatz"
15. bis 26. Januar, 14:00 Uhr, Sat.1

Als ersten Daytime-Neustart des Jahres setzte Sat.1 mit der Ex-"Super Nanny" Katia Saalfrank, Rechtsanwalt Christopher Posch und der aus der "Höhle der Löwen" bekannten Lencke Steiner zwei Wochen lang auf ein schlagkräftiges Trio, das anhand der von Laiendarstellern vorgestellten Fälle Rechtsfragen, finanzielle Sorgen oder Probleme im Beruf thematisierte. Dafür wurden die Szenen regelmäßig durch kurze Sequenzen unterbrochen, in denen die Experten mit Ratschlägen um die Ecke kamen.

Als sei das noch nicht Lebensberatung genug, ploppten während der Handlung farbige Kästen weiteren Tipps auf - so erfuhren die Zuschauer etwa, dass sich getrennt lebende Eltern bei Fragen zum Umgang mit ihren Kindern ans Jugendamt wenden können. Diese Lebensnähe stieß beim Publikum jedoch auf wenig Gegenliebe. Nach zehn Folgen war der Marktanteil bei weniger als vier Prozent in der Zielgruppe angekommen, sodass die Daytime-Probleme von Sat.1 plötzlich größer waren denn je. Kaum anzunehmen, dass Saalfrank & Co. grünes Licht für weitere Einsätze bekommen werden.

Jetzt helfen wir Ihnen! - Die Problemlöser im Einsatz
© Screenshot Sat.1

"Verdachtsfälle - Spezial"
15. bis 26. Januar, 14:00 Uhr, RTL

Auch RTL versuchte es zuletzt auf dem Sendeplatz des "Blaulicht-Reports" mit einer Mischung aus Scripted Reality und Lebenshilfe - unterstützt von Rechtsanwalt Matthias Klagge, der in der Vergangenheit nicht nur in Gerichtsshows zu sehen war, sondern auch in dem ähnlich gelagerten Vox-Format "Verklag mich doch". Stets wird ein Fall aus Sicht einer betroffenen Person erzählt, die so etwas sagt wie: "Ich hatte keine Ahnung, dass an diesem Tag der ganze Horror begann."

Dann wird die Geschichte mit meist mittelmäßiger Schauspielleistung präsentiert, regelmäßig unterbrochen durch Tipps von besagtem Anwalt, der beispielsweise noch einmal erklärt, was der Chef einer Arbeitsunfähigkeitserklärung entnehmen kann. Ähnlich wie im Sat.1-Format wird das Gesagte oder Gezeigte durch Einblendungen unterstrichen - das Ziel ist es also offensichtlich, Scripted Reality mit Mehrwert zu machen, was im Falle von RTL durchaus solide funktioniert hat. Weitere Daytime-Testläufe dürften dennoch im Frühjahr den Weg ins Programm schaffen.

Verdachtsfälle Spezial
© Screenshot RTL

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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